Kirchheim. Obwohl mit über 100 000 Mitgliedern in 450 Vereinen eines der größten Sportorgane im Land, hat der Schwäbische Skiverband ein Problem: Seit Jahren geht die Zahl aktiver Rennfahrer zurück, da bereits an der Nahtstelle zwischen Schüler- und Jugendbereich viele Talente die Skier an den Nagel hängen: Gestiegene Anforderungen in der Schule oder der Ausbildung sowie die Verlagerung von Interessen hin zu anderen Hobbys stellen zwar auch andere Sportarten vor Nachwuchsprobleme. Aber sorgen im Skisport vor allem der hohe organisatorische und finanzielle Aufwand dafür, dass immer weniger Sportler im Teenageralter dabei bleiben. „Beim Verbandsabschlussrennen in der vergangenen Saison hatten wir gerade mal um die 30 Starter“, weiß der beim SSV für den Wettkampfbereich zuständige Marco Schädle um die immer kleiner werdenden Teilnehmerfelder.
Nicht erst seitdem zerbrechen sich die SSV-Oberen die Köpfe, wie man diesem Negativtrend entgegentreten kann. Gemeinsam mit ihren Kollegen der beiden anderen baden-württembergischen Verbände, Schwarzwald und Schwarzwald Nord, wurde das Konzept der Ski-Liga auf den Weg gebracht. Bei insgesamt sechs Rennen können Vereine, die eine Mannschaft gemeldet haben, um den Titel des baden-württembergischen Meisters fahren. Erlaubt sind auch Renngemeinschaften mehrerer Vereine. „Wir hoffen, mit dieser attraktiven Wettkampfform vor allem solche Sportler anzusprechen, die für sich allein nicht motiviert genug für Rennen sind, aber in einer Mannschaft durchaus mitmachen wollen“, erklärt SSV-Funktionär Marco Schädle, „wenn sich zehn bis 15 Teams anmelden, wäre das ein Erfolg.“
Nachdem sich bis Mitte der Woche elf Teams angemeldet hatten, ist dieses Ziel zwar erreicht worden. Allerdings musste der SSV die Meldefrist verlängern, weil sich bis zur ursprünglichen Deadline am 31. Oktober zu wenig Vereine gerührt hatten.
Für den Vorsitzenden des Bezirks Mittlere Alb, Rudi Kröner, keine Überraschung. „So eine Neuerung muss den Vereinen mit mehr Herz und Begeisterung verkauft werden“, vermisste der Wernauer eine offensivere Vorgehensweise seitens des Verbands. Der SSV hatte die Vereine via Newsletter über die geplante Einführung der Ski-Liga informiert, was Kröner für zu wenig hält. „Man muss die Leute direkt ansprechen, mehr gezielte Aktionen machen“, glaubt er.
Ähnlich sieht‘s Ralf Gökeler vom TV Unterlenningen, der drei Fahrer für die eigens für den Ligabetrieb gegründete SG Teck (siehe Infoartikel) abstellt. „Es gab im Vorfeld zu wenig konkrete Informationen“, klagt er, der auch dem zugunsten der Ski-Liga gestrichenen SSV-Cup nachtrauert, in dem Einzelfahrer um eine Gesamtwertung fahren konnten. „Jetzt gibt‘s nur noch die Tageswertung. Ob das der richtige Weg ist, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten, muss man abwarten.“ Dennoch hält der TVU-Funktionär dem Verband zugute, dass überhaupt auf die Problematik der schrumpfenden Teilnehmerfelder reagiert wird.
Gleiches gilt für Petra Pegios vom VfL Kirchheim, der ebenfalls eine Mannschaft gemeldet hat. „Wir gehen völlig offen an die Sache heran. Ich find‘s schön, dass es was Neues gibt“, sagt Pegios, deren Team eine Besonderheit darstellt: Der VfL ist der einzig „reine“ Verein, der eine Mannschaft gemeldet hat, ansonsten nehmen am neuen Ligabetrieb nur Renngemeinschaften teil.