Am Freitag beginnt für die Weltklasse-Mountainbiker Luca Schwarzbauer (Canyon-CLLCTV) und Kira Böhm (Cube Factory Racing) in der Höhe des Fürstentums Andorra in den Pyrenäen eine harte zweite Saisonhälfte: Fünf Weltcups und drei Meisterschaften warten in den kommenden Wochen auf die beiden Weilheimer.
Dabei haben beide gute Erinnerungen an die Strecke im Ski- und Bike-Gebiet auf knapp 2.000 Meter Höhe. „Es ist die einzige Strecke, in der ich in den letzten drei Jahren in die Top Ten gefahren bin“, erinnert sich Schwarzbauer. Und auch Böhm ist sich sicher, dass sie im vergangenen Jahr, als auf der Strecke die Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, eine bessere Platzierung hätte einfahren können, hätte sie nicht ein fieser Magen-Darm-Virus kurz vor dem wichtigsten Rennen der Saison ausgebremst. Entsprechend hat sie mit dem Mini-Fürstentum noch eine Rechnung offen.
Weltcup geht vor DM
Allerdings muss die 22-Jährige in diesem Jahr in der deutlich herausfordernderen Elite-Klasse starten, so dass sie sich schon über eine Top-8-Platzierung im Shorttrack - wegen Unwetterwarnung auf Freitagvormittag verlegt - und eine Top-15-Platzierung über die olympische Distanz freuen würde – ihre erklärten Saisonziele 2025: „Zuletzt in Val di Sole habe ich gezeigt, dass ich da schon ganz dicht dran bin“, gibt sich Böhm selbstbewusst. Und auch wenn unmittelbar die Deutsche Meisterschaft in Wombach bei Lohr am Main und die Europameisterschaften in Melgaco (Portugal) folgen, so ist der Weltcup in Andorra das wichtigste Rennen dieses Rennblocks: „Klar ist es toll, Deutsche Meisterin zu werden und ein Jahr lang das Trikot zu tragen“, so Böhm, „aber es wäre viel krasser, im Weltcup unter die Top Fünf zu kommen.“
Während Böhm die drei Rennen fix gesetzt hat, will sich Schwarzbauer die Teilnahme an der EM noch offen lassen: Sein Fokus liegt auf der Weltmeisterschaft Anfang September im schweizerischen Wallis. „Ich will noch an der Reißleine ziehen können, wenn ich nach der Deutschen Meisterschaft merke, es wird zu viel.“ Denn unmittelbar nach der Europameisterschaft will Schwarzbauer, der sein Studium beendet und damit die lang ersehnte freie Zeit hat, erstmals in ein Höhentrainingslager gehen, um sich optimal auf den Weltcup in Les Gets und die Weltmeisterschaft in Crans Montana vorzubereiten.
Doch derzeit stehen die Vorzeichen gut: „Ich habe mich nach dem Weltcup im Val di Sole gut erholt, bin seither viel Grundlage gefahren, habe aber in der zweiten Woche aber auch Akzente Richtung Schnellkraft gesetzt.“ Die Hitze der vergangenen Woche kam ihm dabei überraschend entgegen, wenngleich als zusätzliche Herausforderung.
Im Lernstress
Ähnlich verlief auch das Programm von Kira Böhm, die allerdings zusätzlich noch die Prüfungsvorbereitungen für ihr Lehramtsstudium unterbringen musste. Denn während Schwarzbauer nach der Europameisterschaft ins Trainingslager fährt, stehen für Böhm dann eine ganze Reihe Klausuren auf dem Programm: „Da ich mich in den kommenden gut zwei Wochen auf den Sport konzentrieren muss, musste ich entsprechend früh mit dem Lernen anfangen“, so die 22-Jährige.
Entspannter könnte Schwarzbauer das Rennen in Andorra angehen – wäre sein Sportgerät mit nach Barcelona, dem nächsten größeren Flughafen in der Gegend von Andorra geflogen. Zumindest zu Redaktionsschluss am Donnerstag war es noch nicht in dem Zwergstaat eingetroffen. „Zum Glück hat das Team ein fast identisches Ersatzrad für mich“, gibt sich Schwarzbauer betont gelassen: „Bis auf ein paar Keramikteile, die nur meinem Renn-Bike verbaut sind, und ein paar anders lackierte Teile gibt es keine Unterschiede.“ Dennoch hadert der 28-Jährige mit Flugreisen: „Am Ende des Tages gibt es halt dann doch meist irgendwelche Probleme – auch wenn die zwei Stunden Flug im Verhältnis zu zwölf Stunden Autofahrt natürlich deutlich bequemer sind.“ Aber davon will sich Schwarzbauer nicht ausbremsen lassen. „Ich will meinem großen Ziel, dieses Jahr endlich wieder in die Top Fünf zu fahren, näherkommen.“ Doch ob das in Andorra – trotz der guten Bilanz der Vorjahre – klappt, ist noch nicht sicher.
Kurze statt lange Anstiege
Der Veranstalter des Weltcups, der Medienkonzern Warner Brothers Discovery, hat wie schon bei den Rennen in Nove Mesto, Leogang und Val di Sole die Strecke angepasst: lange Anstiege wurden durch mehrere kurze ersetzt, um die Rennen spannender zu gestalten. „Es könnte sein, dass die harten Antritte in der Höhenluft von Andorra noch mehr weh tun“, so Schwarzbauer: „Das wird ein ganz spezielles Rennen“, ist sich der Deutsche Meister sicher. „Aber vielleicht kann ich davon auch profitieren.“

