Rund 200 Gäste, sechs Basketball-Insider und ein Thema: Wie wichtig ist Sport – und was passiert, wenn dafür der Raum fehlt? Beim Podiumsgespräch „Der Basketball und ich“ am Dienstagabend in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte wurde deutlich: Sport im Allgemeinen und Basketball im Speziellen ist mehr als Hobby, sondern ein sozialer Anker. Dass dieser in Kirchheim jedoch auf wackeligen Beinen steht, wurde im Rahmen der rund 60-minütigen Talkrunde mehr als einmal deutlich.
Teamsport ist in unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage total relevant.
Andreas Oettel Geschäftsführer ratiopharm Arm
Veranstaltet von der VfL-Basketballabteilung und den Kirchheim Knights und moderiert von Ulms Hallensprecher Marc Herrmann, brachte der Abend Stimmen zusammen, die den Basketball von allen Seiten kennen: vom Jugendtrainer bis zum Bundesligaspieler, vom Vereinsmitgründer bis zum Geschäftsführer. Ihre Botschaft war klar und stellenweise eindringlich. Andreas Oettel, Geschäftsführer von ratiopharm Ulm, formulierte es pointiert: „Kinder rennen uns die Bude ein und dieses Momentum müssen wir nutzen.“ Der Basketball erlebe nicht erst seit den Titelgewinnen bei WM und EM einen konstanten Hype, „der morgen auch nicht aufhören wird“. Doch was auch in Ulm lange fehlte, sind die Rahmenbedingungen. „Infrastruktur wirft Körbe“, weiß Oettel – eine Aussage, die vom Publikum mit spontanem Applaus bedacht wurde.
Eine Sporthalle, so Oettel weiter, sei vor diesem Hintergrund keine Kür, sondern Pflicht: „Für den Bau einer Schulsporthalle muss ich keine Werbung machen. Mit so einem Bau erledige ich eine Notwendigkeit und kann das Ganze gleich mit einem kommerziellen Rahmen angehen.“
Felix Jung, Jugendkoordinator der Kirchheim Knights, schilderte eindrücklich die Lage vor Ort. „Der Verein schafft ein Angebot für die Kinder und bietet einen Rahmen für soziale Arbeit, die auch der Gesamtgesellschaft zugutekommt.“ Doch dieser Mehrwert sei bedroht. „Wenn die Rahmenbedingungen wegbrechen, verschwindet der Leuchtturm und die Abteilung schrumpft um 50 Prozent“, glaubt der ausgebildete Pädagoge, der sich und seinen Mitstreiter im Zuge des anhaltenden Zulaufs auf inzwischen rund 600 Mitglieder bereits mit dem zweiten Aufnahmestopp in drei Jahren konfrontiert sieht. „Wir brauchen mehr Flexibilität, mehr Durchgängigkeit und kurze Wege fürs Training“, so Jung.
Ohne Sport und die dafür nötigen Rahmenbedingungen brauchen wir in Zukunft für die Kinder mehr Psychologen.
Stefan Schmauder Geselleschafter der Knights
Chris Schmidt, Geschäftsführer der Knights, hob die gegenseitige Abhängigkeit von Profi- und Nachwuchsbereich hervor: „Unsere Sponsoren finanzieren den Nachwuchsbereich im Verein. Wenn einer wegbricht, wird der andere leiden.“ Eigengewächse wie aktuell Nil Failenschmid oder Stefan Ilzhöfer und Besnik Bekteshi in der Vergangenheit könnten schlimmstenfalls künftig die Ausnahme bleiben: „Um weitere Talente nach oben zu bringen“, so Schmidt, „fehlen schlicht die Rahmenbedingungen.“

Nil Failenschmid, einst Mini-Basketballer beim VfL und mittlerweile regelmäßig in der Starting Five der Knights, schilderte seinen Weg mit leuchtenden Augen: „Mehr Hallenzeiten wären natürlich toll, wenn man ohnehin am liebsten in der Halle ist. Es ist ein Traum, Profi zu sein und das zu machen, was man liebt.“ Nico Bretzel, Ulmer Eigengewächs und seit dieser Saison in Kirchheim, ergänzte: „Auf dem Campus in Ulm war das natürlich ein Motivationsschub, die ganzen Profis hautnah zu erleben. Das sorgt für Identifikation.“
Stefan Schmauder, ehemaliger Spieler, langjähriger Abteilungsleiter und heutiger Gesellschafter der Knights, brachte es emotional auf den Punkt: „Der Sport hat mich in jungen Jahren in schwierigen Situationen aufgefangen. Ich engagiere mich, weil ich etwas zurückgeben will.“ Seine Mahnung:
„Ohne Sport und die dafür nötigen Rahmenbedingungen brauchen wir in Zukunft für die Kinder mehr Psychologen.“
Nicht nur diese Aussage machte deutlich, dass die Diskussion in der Halle nicht nur Bestandsaufnahme, sondern auch Appell war. „In Kirchheim ist man zu stark auf die Probleme statt auf Lösungen fokussiert“, kritisierte Chris Schmidt. „Wenn wir in den Prozess kommen, zu überprüfen, was und wie machbar ist, bin ich überzeugt, dass wir eine Lösung finden.“ Andreas Oettel formulierte es grundsätzlicher: „Teamsport ist in unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage total relevant.“
Und: „Die Aufgabe einer Kommune ist, entsprechende Möglichkeiten zu erkennen, die das auf breiter Basis ermöglichen.“
Entscheidung naht
Ob und wie Kirchheim das tut? Eine Antwort wird es spätestens übernächste Woche geben. Am 17. Dezember wird der Gemeinderat über die Anträge zum Doppelhaushalt 2026/27 abstimmen. Dabei geht es unter anderem auch um einen Antrag der Freien Wähler auf Bereitstellung von Planungsmitteln in Höhe von 40.000 Euro für ein Finanz- und Baukonzept einer Schulsporthalle am Schlossgymnasium, die im besten Fall so ausgestattet werden soll, um die ab 2028 geltenden Lizenzauflagen der 2. Basketball-Bundesliga zu erfüllen und weitere Veranstaltungen aus Kultur, Gastro und Sport zu beheimaten. „Ich kann nur jedem nahelegen, für den Wert dieses Projekts zu werben und ihm eine laute Stimme zu geben“, fasste Chris Schmidt den Abend zusammen: Es gehe nicht nur um Basketball und die Forderung nach einer neuen Sporthalle, sondern um Kinder, Integration, Teilhabe, Gesundheit und Zukunft.
Basketball im VfL Kirchheim
Mitgliederzahl: 600 insgesamt, davon 244 in der Jugend, 100 im Minibereich
Teams: 21 Jugendteams (davon 3 weiblich, 3 Kooperationsteams), 4 Herren-Teams, 2 Damen-Teams
Trainer: 29 insgesamt, 25 lizenziert, 2 hauptamtlich im Jugendbereich
Kooperationen: 5 Kindergärten, • 5 Grundschulen, • 5 weiterführende Schulen
Schulaktionstage: 2024/25 61 Aktionstage an 38 Schulen,2.189 erreichte Kinder

