Bei der 14. Bissinger Meile gehen Radler morgen wieder auf Rekordjagd
Hart aber herzlich

1,514 Kilometer lang, maximal 6,6 Prozent steil, bei einer Höhendifferenz von 76 Metern. Wem jetzt schon das Laktat in die Beine schießt und die Atemwege brennen, der war schon mal dabei: Morgen lockt zum 14. Mal die Bissinger Meile.

Bissingen. Ist es der familiäre Rahmen, der Reiz des direkten Leis­tungsvergleichs oder die schiere Lust an der Gaudi? So recht weiß es wohl niemand. Fest steht: Als sich 1998 eine Stammtisch-Wette verselbstständigte, traute dem Kuriosum Bissinger Meile niemand eine 14-jährige Erfolgsgeschichte zu. Nicht einmal im mit originellen Ideen bekanntermaßen reich gesegneten TV Bissingen. Dessen kleine aber emsige Radsportabteilung um das Organisatoren-Paar Rolf Braun und Judith Oelkrug brachte die „Schnaps­idee“ 2007 endgültig zur sportlichen Reife: 225 Radler trieb die „Meile“ vor vier Jahren auf die Beine, respektive in den Sattel. Das ist bis heute Rekord.

Rekorde stehen und fallen am Dachsbühl seit jeher mit dem Wetter. Nicht nur, was die Teilnehmerzahl anbelangt, denn die interessiert nur am Rande. Harte Währung an Fronleichnam ist eine Ziffernfolge mit zwei Dezimalstellen. Die Zeitmarke trennt die Spreu vom Weizen, den Trainings-Weltmeister vom Genussradler. Wer Rekordpläne schmiedet, muss bei den Männern unter drei Minuten bleiben. Viele, die das schaffen, gibt es nicht. Rauer Asphalt, ein heimtückisches Profil und eine nicht selten steife Brise am wind­anfälligen Hang in Richtung Breitenstein heißen die Gegner beim traditionellen Bergzeitfahren zwischen Weizenfeld und Rübenacker willkommen.

Wer sportlich ambitioniert oder rein aus Spaß die Aufgabe anpackt, zeigt sich meist schon an der Wahl des Gefährts. Vom federleichten Carbon-Renner bis zum bleischweren Tandem, vom Wave-Board bis zum Gespann Marke Eigenbau. Auf der „Meile“ gibt es nichts, was es nicht gibt. Alles, was Räder hat und sich mit reiner Muskelkraft bewegen lässt, ist erlaubt. Gelassenheit ist Trumpf – das gilt auch für den Blick zum Himmel, der es in jüngerer Vergangenheit selten gut meinte mit den Veranstaltern. Auch für morgen sind wiederholt Schauer vorhergesagt. Einziger Trost: Schlimmer als zuletzt geht‘s nimmer. Sturzbäche auf der Strecke, Land unter im Festzelt. 2010 war wahrlich kein Glücksjahr für die Bissinger. Fast 100 Hartgesottene waren trotzdem am Start. Die Bissinger bringt so schnell nichts aus der Fassung. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.