VfL-Fußballer starten heute in die sechswöchige Rückrundenvorbereitung
Hoffen auf den Rueff-Effekt

Für die Verbandsligafußballer des VfL Kirchheim beginnt heute Abend wieder der Ernst des Fußballer-Lebens. Punkt 18.45 Uhr bittet Neu-Trainer Ralf Rueff zum Vorbereitungsstart auf die in sechs Wochen beginnende Rückrunde. Trotz akuter Abstiegsgefahr gibt sich Rueff in Sachen Klassenerhalt optimistisch – Mittel zum Zweck oder berechtigte Hoffnung?

Kirchheim. Soll und Haben sind für Ralf Rueff beruflicher Alltag. Dass der Bank-Filialleiter auch nach Feierabend mit diesen kaufmännischen Begriffen konfrontiert wird, ist der Lage seines sportlichen Arbeitgebers geschuldet: Die VfL-Fußballer stehen nach der Hinrunde als Tabellenvierzehnter im Soll, auf die Haben-Seite in Form des elften Platzes fehlen aktuell drei Punkte. „Die Rückrunde wird nicht einfach“, weiß Rueff, „aber wir können noch Einiges bewegen.“

Seit Mitte November ist der 44-Jährige nun für die Mannschaft verantwortlich, hat in den beiden Spielen vor der Winterpause einen Sieg (3:1 gegen Göppingen) und eine Niederlage (1:4 in Ravensburg) bilanziert. „Beide Spiele waren nicht unbedingt der Maßstab“, analysiert Rueff. Soll heißen: Gegen Göppingen war man nicht so gut, wie das Ergebnis weismachen will, gegen Ravensburg nicht so schlecht. Rueffs Einschätzung der Mannschaft nach zwei Monaten im Amt: „Man kann in allen Bereichen noch zulegen.“

Der Blick auf die Tabelle verrät, dass der VfL auch dringend zulegen muss, um nächste Saison nicht in den sauren Landesliga-Apfel zu beißen. „Die Mannschaft weiß, dass sie in jedem Spiel alles investieren muss, um zu bestehen und nur mit viel Disziplin konkurrenzfähig ist.“ Obwohl mit diesem Erkenntnisgewinn allein noch kein Klassenerhalt geschafft ist, schöpft Rueff daraus einen großen Teil seines Optimismus. Dass er den in einer der schwersten Zeiten beim VfL quasi zwangsweise versprühen muss, liegt auf der Hand. Zumal er seine Überzeugung nur aus einem Bauchgefühl schöpft. „Ich habe von Anfang an gespürt, dass die Spieler engagiert und hoch motiviert sind. Das gibt mir die Gewissheit, dass wir den Klassenerhalt schaffen können.“ Dem geneigten Beobachter bleibt also nichts anderes übrig, als auf einen daraus resultierenden positiven Effekt zu hoffen.

Um die Stellschrauben bis zum ersten Punktspiel zu justieren, bleiben Rueff, der heute Abend um 18.45 Uhr zur ersten Trainingseinheit an die Jesinger Allee bittet, genau sechseinhalb Wochen Zeit: Am 3. März beginnt für den VfL bei der TSG Ehingen das Unternehmen Klassenerhalt. Auf dem Weg dorthin bittet der neue Coach den 22 Mann starken Kader vier bis fünf Mal pro Woche ins Training inklusive eines Trainingslagers Mitte Februar in Offenburg.

Die erhofften Fortschritte sollen in sieben Vorbereitungsspielen und einem Blitzturnier (Termine siehe Info-Artikel) sichtbar werden. „Es muss uns gelingen, Geschlossenheit und Taktik zu verbessern“, fordert Rueff, der dabei seine Systemvorstellungen den Kirchheimer Gegebenheiten anpassen muss. Eigentlich ein Befürworter des 4-4-2, wird er mangels Alternativen öfter auf eine Variante mit nur einem Stürmer setzen können. Nach dem Abgang von Manuel Rothweiler, der nach einer Verletzung wieder bei seinem Heimatverein FV 09 Nürtingen in der Bezirksliga Anschluss sucht, stehen die „Blauen“ faktisch mit nur einer Sturmspitze da. Ob der siebenfache Torschütze Roberto Forzano bis Ende der Wechselfrist am 31. Januar noch Verstärkung im Angriff bekommt, ist offen. „Wenn noch ein Spieler verpflichtet wird, dann für den Offensivbereich“, betont Ralf Rueff, der jedoch um den engen finanziellen Rahmen der Abteilung weiß.

Wie man dabei aus der (Geld-)Not eine Tugend macht, bewies der VfL bei den bisherigen Wintertransfers. Mit Marius Nigl (22), Ferhat Hamamci (19) und Emre Sahin (22) konnte der sportliche Leiter Markus Brühl drei ehemalige Kirchheimer Jugendspieler zu einer Rückkehr an die Jesinger Allee bewegen.

Für alle drei ist die Verbandsliga Neuland, Nigl verfügt immerhin über Landesligaerfahrung mit dem SV Ebersbach. Ralf Rueff betont jedoch, dass auch Hamamci, der mit dem FC Heiningen vergangene Saison Bezirksligameister wurde und danach in der zweiten FCH-Mannschaft eingesetzt wurde, als auch Sahin als 18-facher Torschütze von Kreisligist SSV Göppingen Chancen auf einen Stammplatz hätten. Zumal der Trainer bis auf drei, vier Spieler noch keine Startelf im Kopf hat. „Jeder kann sich in die Mannschaft spielen, aber auch raus“, betont Rueff.