Kirchheim. „Wir werden nicht hochmütig und heben nicht ab. Wir werden unseren Weg unbeirrt weitergehen“, versichert Trainer Rainer Kraft und fügt hinzu: „Wenn wir genauso konzentriert arbeiten wie bisher, werden wir unser Saisonziel, einen einstelligen Tabellenplatz, auch erreichen.“ Für einen Tabellensechsten klingt das nach Understatement, ist aber realistisch, wenn man die Tabelle etwas genauer betrachtet. Die Mannschaften im Mittelfeld sind dicht gedrängt. Auf den Elften SGV Freiberg hat der VfL nur vier Punkte Vorsprung. Umgekehrt sind es nur vier Zähler Rückstand auf den Drittplatzierten 1. FC Normannia Gmünd, der mit sechs Siegen in Folge die Mannschaft der Stunde ist.
Vieles ist also noch möglich für Kirchheim, nur das nicht: Meisterschaft oder Abstieg. Den Titel machen der FC Nöttingen und Waldhof Mannheim unter sich aus, und auf den 15. (letztmöglichen Abstiegs-) Platz hat der VfL nun ein gesundes Polster von 14 Punkten, das allemal reichen sollte, wenn nicht noch ein totaler Einbruch passiert, was bei der momentanen Verfassung der Truppe nicht anzunehmen ist.
Den 15. Platz nimmt der morgige Gegner FSV Hollenbach ein. Ein Verein mit 467 Mitgliedern aus dem Dorf im Hohenloher Land zwischen Bad Mergentheim und Künzelsau, das ein Ortsteil von Mulfingen ist und nur 500 Einwohner hat – eine Art neues 1899 Hoffenheim. Der Dietmar Hopp des FSV heißt Rudi Sprüngel, war früher Zweitliga-Spieler der Würzburger Kickers und ist Gründer und Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Jako. Mit seiner finanziellen Hilfe hat Hollenbach Klasse um Klasse übersprungen und ist im vergangenen Jahr in der Oberliga angekommen.
Doch nun scheint die Mannschaft an ihre Grenzen zu stoßen. Nach der unglücklichen 0:1-Niederlage letzten Samstag gegen Waldhof traten Trainer Manfred Stephan und sein Assistent Manfred Schmierer zurück. Sie machten für die restlichen zehn Spiele Platz für ihren Vorgänger Ralf Stehle, der den FSV bis 2009 elf Jahre lang erfolgreich trainiert hat. Vorsitzender Karlheinz Weidmann: „Wir hoffen, dass die Mannschaft durch den Trainerwechsel einen Schub bekommt. Wir wollen nichts unversucht lassen. Freiwillig geben wir uns dem Schicksal nicht hin.“
Der VfL trifft demnach auf einen neu motivierten Gegner und wird gut daran tun, ihn nicht zu unterschätzen. Verteidiger Daniel Hentschel fällt mit Muskelfaserriss aus, Mario Klotz ist wegen Halswirbelproblemen immer noch krankgeschrieben, Sabri Gürol hat eine Mandelentzündung. Er konnte nicht mit der Mannschaft trainieren – wie auch Christian Kuhn, der „Nationalspieler“ des VfL. Er kommt heute von einem einwöchigen Lehrgang mit der Bundeswehr-Auswahl, mit der er im Sommer ein Turnier in Brasilien bestreitet, aus Warendorf zurück. Für den Verein unterwegs waren am Mittwoch auch der Trainer, Sportkoordinator Kurt Dangel und der für die VfL-Jugend verantwortliche Peter Trefzger.
Das Trio holte sich bei einem Besuch im Kinder- und Jugend-Leistungszentrum von 1899 Hoffenheim Anregungen für die eigene Nachwuchsarbeit.
