Kirchheim. Anweisungen geben, Personal führen und am Ende des Tages prüfen, ob das Ergebnis stimmt – als Leiter einer Bankfiliale passt Ralf Rueff von Berufswegen her auf den VfL-Trainerstuhl wie der Topf auf den Deckel. Mehr noch: Wenn der 44-Jährige nach Feierabend Sakko und Schlips gegen Trainingsjoppe und Stutzen tauscht, kann‘s auch schon mal laut werden. „Ich bin keiner, der den stillen Beobachter an der Seitenlinie gibt“, sagt der Mensch Rueff über den Trainer Rueff, „da bin ich eher der emotionale Typ.“
Davon konnte sich seine neue Mannschaft gestern und am Montag bereits ein Bild machen, als der Nachfolger des geschassten Stefan Haußmann seine ersten Trainingseinheiten leitete. Erster Erkenntnisgewinn des Neuen: „Ich habe eine sehr engagierte und hoch motivierte Truppe erlebt“, berichtet Rueff, der in den kommenden Wochen und Monaten die nicht ganz leichte Aufgabe hat, den VfL von einem Abstiegsplatz in sicherere Tabellengefilde zu führen.
Ob‘s klappt? „Dass die Mannschaft konkurrenzfähig ist, sieht man an den größtenteils knappen Ergebnissen“, analysiert Rueff, „da steckt noch viel Potenzial drin, das es rauszukitzeln gilt.“ Ob er als Trainer grundsätzlich eher den Motivator à la Klopp oder den Schleifer wie Magath gibt, lässt er unbeantwortet („Das sollen anderen beurteilen“), verrät über seine Arbeitsauffassung nur so viel: „Ich bin kein Kumpeltyp. Die Mannschaft braucht klare Führung.“
Zeit für große Veränderungen hat Rueff nicht, zumal personelle Verstärkungen bis zur Winterpause kein Thema sind. Spielern, Verantwortlichen und Fans bleibt in den drei Partien bis dahin nichts anderes übrig, als auf den bloßen Positiveffekt der Neuverpflichtung zu hoffen. Erste Gelegenheit dafür bietet das Heimspiel am Sonntag gegen Lokalrivale SV Göppingen. Die Stauferstädter sind seit acht Spielen ungeschlagen, liegen mit nur einem Punkt Rückstand auf das Führungsduo Heidenheim II und Ravensburg an dritter Stelle. „Da können wir befreit aufspielen, weil sowieso niemand einen Pfifferling auf uns gibt“, weiß Rueff, der nichtsdestotrotz Zählbares bis Weihnachten braucht – der VfL hat momentan vier Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Müssen am Saisonende wider Erwarten fünf Teams in die Landesliga, betrüge der Abstand zum rettenden Ufer jetzt schon acht Zähler.
Angst, an dieser Mammutaufgabe zu scheitern, hat der neue Kirchheimer Kommandogeber nicht. „Auch wenn es die größte Herausforderung für mich ist, traue ich mir das durchaus zu“, sagt Rueff selbstbewusst.
