Tobias Unger kommt über 200 Meter in Fahrt
Im Ü 30-Alter 
zur U 21-Zeit

Zwölf Tage vor seinem 32. Geburtstag hat Tobias Unger all jene Lügen gestraft, die ihn schon zum alten Sprinter-Eisen zählen wollten. Beim Meeting in Bibe­rach am Dienstagabend meldete er in 20,79 Sekunden Ansprüche auf ein WM-Ticket an.

Biberach. Der „Schwabenpfeil“ fliegt wieder auf Kurs. Nach den 21,10 Sekunden beim ersten Versuch über die halbe Stadionrunde seit Jahren vergangene Woche im französischen Nancy, hat Tobias Unger vorgestern in Biberach eine respektable Zeit nachgelegt. In 20,79 Sekunden stürmte der deutsche Rekordhalter (20,20 aus dem Jahr 2005) auf Rang zwei in der aktuellen DLV-Bestenliste hinter den Wattenscheider Sebastian Ernst (20,70). „Ich bin zufrieden, zumal in der Kurve sogar noch etwas Gegenwind aufkam“, so Unger, der sich in Biberach lediglich dem Südafrikaner Thuso Mpuang (20,65) geschlagen geben musste. Dritter wurde der Schweizer Marc Schneeberger (20,98).

„So langsam entwickle ich wieder ein Gefühl für die Strecke“, freut sich Unger, für den die WM-Norm von 20,54 Sekunden früher Thema wird, als gedacht. In Biberach fehlten ihm für das Ticket nach Daegu/Südkorea umgerechnet gerade mal 2,4 Meter. „Ehrlich gesagt hatte ich mich damit noch garnicht beschäftigt. Ich will einfach in jedem Rennen schneller werden.“ Die nächste Chance dazu bietet sich bereits am Sonntag, wenn im Rahmen der Junioren-Gala in Mannheim Einladungswettkämpfe für Aktive stattfinden. Dann kommt es für Unger übrigens zum ersten direkten Duell mit Sebastian Ernst. „Ich bin optimistisch für Mannheim und will versuchen, noch ein, zwei Zehntelsekunden rauszuholen.“

Ob Gleiches auch für die 100-Meter-Strecke zu erwarten ist, bleibt abzuwarten. Die Königsdisziplin der Sprinter droht angesichts der steigenden Leistungskurve Ungers über 200 Meter etwas in den Hintergrund zu geraten. „So ist das ja eigentlich gedacht, dass ich die Strecke als Aufgalopp nutze“, so Unger, der in den vergangenen Jahren bekanntlich zwangsweise auf die 100-Meter-Strecke umsatteln musste, nachdem seine mehrfach operierten Achillesfersen den Belastungen über 200 Meter nicht Stand gehalten hatten – nicht ohne Erfolg: Immerhin wurde er 2008 und 2009 Deutscher Meister, schaffte 2009 die Einzel-Norm für die Weltmeisterschaften und rannte vergangenes Jahr in 10,14 Sekunden die siebtschnellste jemals von einem Deutschen erzielte Zeit.

In Biberach erwischte Unger jedoch einen eher durchwachsenen 100-Meter-Lauf. „Da habe ich beim Start Mist gebaut“, schmunzelt er. In Erwartung eines Fehlstarts war Unger gemächlich aus dem Startblock gekommen. Da jedoch nicht zurückgeschossen wurde, hatte er bereits eineinhalb Meter Rückstand, den er nicht mehr aufholen konnte. Dennoch reichte es in 10,48 Sekunden noch zum geteilten zweiten Platz mit dem Wattenscheider Christian Blum, noch vor seinen Kirchheimer Trainingskollegen Marius Broening (10,54/Platz fünf) und Alex Schaf (10,56/Platz sechs).

Sieger wurde wie über 200 Meter der Südafrikaner Thuso Mpuang in 10,47 Sekunden.