Radsport
Jannik Steimle: Zwischen Heimspiel, Husten und Hoffnung

Der Weilheimer blickt nach der enttäuschenden Deutschland-Tour optimistisch auf das letzte Saisondrittel.

Auf der dritten Etappe der Deutschland-Tour war Jannik Steimle Teil einer dreiköpfigen Ausreißergruppe. Foto: Roth

Nach dem Heimspiel ist vor dem Finale: Radprofi Jannik Steimle aus Weilheim bereitet sich nach der für ihn eher enttäuschend verlaufenen Deutschland-Tour, die er auf Platz 65 als elftbester Deutscher beendet hat, auf die letzten Rennen der Saison vor. „Mit der Leistung kann ich zufrieden sein, weil ich erkältet angereist war, aber vom Ergebnis war es nicht begeisternd.“

Eine Einschätzung, die der 29-Jährige in dieser Saison nicht zum ersten Mal abgeben muss – anders, als im Vorjahr, ist Steimle 2025 bislang meist nur hinterher statt vorne mitgefahren. „Ich hatte oft sehr gute Beine, konnte das aber nicht auf die Straße bringen“, analysiert er, der seine beiden einzigen Top-20-Resultate dieses Jahr jeweils im Zeitfahren einfuhr, einmal alleine, einmal mit seiner Mannschaft Q36.5. Dass die schweizer Equipe in dieser Saison renntaktisch eher auf Fluchtgruppen setzt, kam Steimle bislang nicht entgegen. In Kombination mit seiner oft angeschlagenen Gesundheit verhinderten ungünstige Rennverläufe, dass der Wahl-Schorndorfer öfter ins Rampenlicht fuhr.

Dass er es kann, bewies er nicht zuletzt bei der Deutschland-Tour. Auf der dritten Etappe von Arnsberg nach Kassel war Steimle rund 86 Kilometer lang in einer Ausreißergruppe mit dem Schweizer Marco Haller (Tudor) und dem Niederländer Enzo Leijnse (PostNL), ehe das Trio 80 Kilometer vor dem Ziel gestellt wurde. „Da sind wir Wattwerte gefahren wie sonst in einem Finale“, verdeutlicht Steimle die Schwierigkeit, konkurrenzfähig zu bleiben. „Das Niveau im Radsport ist mittlerweile so hoch, dass du keine Chance hast, wenn du nur bei 98 Prozent bist.“

Zumal es die Quittung dafür am Tag darauf gab: Auf der letzten Etappe schleppte sich der entkräftete Weilheimer knapp fünf Minuten nach Tagessieger Matthew Brennan (Visma) ins Ziel. „Ich hatte jeden Tag eine laufende Nase und Husten, daher hätte ich nicht gedacht, dass ich auf der dritten Etappe so einen raushauen kann“, so Steimle.

Nicht nur dieser Lichtblick macht Hoffnung auf eine versöhnliche Restsaison. Nach zwei Wochen im Rennsattel konnte Steimle zuletzt an der Heimatfront bei Ehefrau Lara und Söhnchen Marlon Kraft tanken. „Wahnsinn, was sich in so kurzer Zeit bei einem Baby alles tut“, frohlockt der frisch gebackene Papa, der dieses Jahr noch knapp 15 Renntage vor sich hat, die nächsten am 14. und 19. September beim Grand Prix de Fourmies in Frankreich und beim Kampionskamp van Vlaanderen in Belgien – die Tatsache, dass sein Vertrag bei Q36.5 am Saisonende ausläuft, macht ihm dabei keinen Druck. „Ich lasse alles auf mich zukommen und bin nach allen Seiten offen.“