Im Kickboxen hat Bircan Pinar schon einige Herausforderungen gemeistert. Im Amateurbereich wurde das Mitglied der Nationalmannschaft bereits dreimal deutsche Meisterin, feierte 2019 sogar den WM-Titel und wurde 2023 im Profibereich DM-Erste. Ihre letzte Challenge war aber eine ganz andere. Kurz vor der Geburt ihres Sohnes im Januar wog die hübsche junge Frau 110 Kilogramm. Dabei lag ihr Gewicht immer so um die 65 Kilo. „Ich hab’ natürlich während der Schwangerschaft weniger gemacht. Auch weil ich durchgehend müde war. Und etwas mehr gegessen habe ich auch“, erinnert sich die 22-Jährige. Welches Ausmaß das annehmen würde, war ihr freilich nicht klar. „Mein Selbstwertgefühl hat das krass runtergezogen. Ich fand’, dass ich echt krass ausgesehen habe.“ Deshalb gibt es auch keine Fotos von ihr aus dieser Zeit. „Ich war echt selbst geschockt.“
Mutter als Vorbild genommen
Sich ihrem Schicksal einfach zu ergeben, kam für die Weilheimerin nicht in Frage. „Es ist mir schon sehr schwer gefallen das Ruder wieder herumzureißen. Am Anfang habe ich erstmal nur ein bisschen weniger gegessen“, erzählt Bircan Pinar. Im Juni stieg sie wieder ins Training ein. Inzwischen hat sie sich dem Team Sharks in Sindelfingen angeschlossen, und lässt sich vom dortigen Trainer Tarek El-Saleh für den nächsten Kampf fitmachen. Allerdings musste dafür einiges an Gewicht runter. „Da meine Mutter in der Schwangerschaft auch so viel zu- und danach wieder abgenommen hat, habe ich ihre Diät von damals gemacht.“ Bei der so genannten Dukan-Diät lässt man konsequent Kohlenhydrate weg. „Das ist schon eine krasse Umstellung und ich würde das nicht jedem empfehlen. Man muss auf jeden Fall jede Menge Wasser trinken.“
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen hat Bircan satte 35 Kilogramm abgenommen, wiegt im Moment 74, und möchte bei ihrem nächsten Kampf am 14. Dezember bis unter 70 Kilo kommen. „Das ist kein Problem. Das kann man sogar an einem Tag schaffen“, hat die 22-Jährige mittlerweile viel Erfahrung mit dem „Gewicht machen“.

Durch das gute Netzwerk ihres Trainers hat die Weilheimerin nun einen Kampf in Belgien bekommen. „Dort und in Holland findet das nochmal auf einer viel professionelleren Ebene statt“, erklärt die junge Mutter, die mittlerweile dreimal die Woche in Sindelfingen in den Kämpferklassen trainiert, und an den restlichen Tagen in der Heimat in Eigenregie. Bergsprints macht sie an der Limburg, aufs Rad kann sie zuhause im Keller, und verschiedene Gewichte besitzt sie ebenfalls. „Langfristig möchte ich wieder bis 65 Kilo kämpfen, dabei aber athletischer werden und mehr Muskeln aufbauen“, berichtet die Weilheimerin, die mit ihrer Geschichte auch eine Message verbreiten möchte. „Ich habe so viele junge Mütter kennengelernt, die nicht an sich glauben, die vielleicht auch extrem zugenommen haben, die Kilos aber nicht mehr loswerden. Ich möchte zeigen, dass jede Frau es schaffen kann.“
Maximal gut vorbereiten
In den kommenden Tagen ist sie nun voll auf ihren Kampf fokussiert. In Genk wird sie im so genannten Oktagon, einem Kampfkäfig, im K1-Stil auf eine ebenbürtige Gegnerin aus Belgien oder Holland treffen. „Ich kenne sie noch gar nicht. Ich werde mich einfach maximal gut auf den Kampf vorbereiten“, gibt sich Bircan Pinar kämpferisch. Viel Einzeltraining und zahlreiche Ausdauereinheiten stehen noch an, bevor es mit der ganzen Familie nach Belgien geht.

