Kirchheim. Ohne Spielmacher Bryan Smithson und mit einem angeschlagenen Maximilian Rockmann machen sich die Knights morgen am frühen Nachmittag auf den Weg nach Nürnberg. Gute Nachrichten sind rar in diesen Tagen. Kirchheims Coach Frenkie Ignjatovic versucht der aktuellen Situation trotzdem etwas Positives abzugewinnen: „Besser jetzt als noch im alten Jahr, als der Klassenerhalt noch nicht gesichert war.“
Der Ausfall zweier Schlüsselspieler in der Stammrotation war ein schwerer Schlag in dieser Woche. Rockmann verletzt, Smithson aus familiären Gründen in den USA. Viel schlechter könnte die Ausgangslage im Endspurt um die Play-off-Plätze kaum sein. Bei Rockmann, der im Heimspiel gegen Essen umgeknickt war und sich dabei noch am Rücken verletzte, besteht immerhin Hoffnung, dass er am Samstag wieder spielt. „Rücken und Fuß sind seit gestern deutlich besser“, sagt er. „Wenn es irgendwie geht, werde ich es versuchen.“ Sollte der deutsche Forward heute Abend das Abschlusstraining bestreiten können, wird er auf jeden Fall mit auf der Bank sitzen.
Damit hätte Ignjatovic ein gravierendes Problem weniger, den Rockmanns Ausfall wiegt aus taktischer Sicht genauso schwer, wie der des Spielmachers. Für den zuletzt überragenden Bryan Smithson wird morgen Michael Baumer seine Chance im Spielaufbau bekommen. Der 23-jährige Guard kam in den vergangenen sieben Begegnungen über zehn Minuten Einsatzzeit nicht hinaus. Dass der Deutsch-Amerikaner großes Talent besitzt, ist genauso unbestritten wie die Meinung, dass er dies selten gezeigt hat bisher. Unauffällig, das Risiko scheuend, bestenfalls solide, so ließe sich das Spiel des Ersatzmannes auf der Aufbauposition bisher beschreiben. Morgen gegen Nürnberg werden Führungsqualitäten gefragt sein.
Auch wenn es schwer werden dürfte, den Ausfall Smithsons wegzustecken, müssen die Knights das Rad nicht neu erfinden. Um zu erfahren, wie man gegen die Franken auch ohne ihn gewinnen kann, genügt das Video vom Hinspiel. Damals fehlte Smithson verletzt. Trotzdem gingen die Knights am Ende mit 101:95 als Sieger vom Feld. Vor allem deshalb, weil die Ritter als kompakte Mannschaft auftraten. Sechs von zehn Kirchheimern punkteten zweistellig, darunter auch Smithson-Ersatz Michael Baumer, der an diesem Abend eines seiner besten Spiele ablieferte. Morgen wird es im Kampf um die Play-off-Plätze folglich nicht nur um zwei Punkte, sondern auch um den direkten Vergleich gehen. Um den zu gewinnen, müssten die Franken das Spiel mit mindestens sieben Punkten Differenz für sich entscheiden.
Ersatzgeschwächt aber nicht chancenlos, das sind die Vorzeichen vor dem morgigen Spiel. Zumal die Nürnberger mit ihrem unumstrittenen Leader Ahmad Smith ebenfalls nicht frei von Sorgen sind: Forward Cornelius Adler, den nicht wenige Experten für einen der besten Deutschen der Liga halten, fehlte vergangenen Samstag in Göttingen mit einer Achillessehnen-Verletzung. Der reboundstarke Topscorer der Franken steht zwar seit vorgestern wieder im Training, inwieweit er morgen voll einsatzfähig sein wird, ist allerdings fraglich.
Die jüngsten Ergebnisse der Mannschaft von Coach Benjamin Travnizek sind hinsichtlich der aktuellen Formkurve jedenfalls nur mäßig aufschlussreich. Der klaren Niederlage beim Tabellenführer Göttingen ging ein ebenso deutlicher Sieg gegen an diesem Tag schwache Chemnitzer voraus. Auch in der Tabelle trennt die beiden morgigen Gegner nur ein Sieg. Für zusätzliche Spannung sorgt auch diese Konstellation: Die Nürnberger sind seit acht Spielen in eigener Halle ungeschlagen. Umgekehrt gilt: Wenn die Knights in dieser Saison mit unerwarteten Siegen überraschten, dann meist auf fremdem Parkett.
