Das Rennen um die Relegation in der Handball-Bezirksliga wird zum Duell zweier Lokalrivalen
Kampf um die Prinzenrolle

Da waren es nur noch zwei: Der Dreikampf um die Rolle des Kronprinzen in der Handball-­Bezirksliga ist seit Samstag zum Duell geschrumpft. Weilheim ist raus. Der VfL Kirchheim, lange Zeit aussichtsreichster Kandidat für Platz zwei hinter dem designierten Meister aus Uhingen, muss nun auf einen Lenninger Ausrutscher hoffen.

Kirchheim. Irgendwie krank, mag sich Alen Dimitrijevic gedacht haben. So recht erklären konnte es sich Weilheims Trainer auch bis gestern nicht. Die Grippewelle ist längst vorbei, erwischt hat es ihn trotzdem. Weil ein Unglück bekanntlich selten allein am Horizont heraufzieht, war das Spiel seiner Mannschaft am Samstag in Lenningen was? Richtig: irgendwie krank. Zumindest was die zweite Hälfte betrifft, denn ehe die begann, hatte der TSV in der Lenninger Sporthalle alles im Griff. Sieben Tore Vorsprung zur Pause, das Verdienst einer Weilheimer Mannschaft, die hinten wie vorne äußerst sicher agierte. Doch dann kam der Täles-Express ins Rollen, riss das Hallen-Inventar gleich mit und irgendwann war kein Halten mehr. Dimitrijevic hat es in der Halbzeitpause an den Gesichtern seiner Jungs abgelesen: „Da haben die entscheidenden fünf Prozent an Spannung gefehlt“, sagt er. Der Fluch des komfortablen Vorsprungs.

Drei Viertel des Spiels haben die Weilheimer gegen den Lokalrivalen aus Lenningen geführt und am Ende verloren. Zum zweiten Mal in dieser Saison, weshalb auch der direkte Vergleich für die SG spricht. Das heißt: Weilheim ist raus aus dem Rennen um Platz zwei, der die Relegationsteilnahme und damit die Chance auf den Landesliga-Aufstieg verspricht. „Die Enttäuschung ist groß, weil ich nicht glaube, dass es in den nächsten Jahren einfacher wird“, sagt Dimitrijevic, der auch in der neuen Saison beim TSV auf der Bank sitzen wird.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen Michael Rehkugler. Der hat sich entschieden, seinen Platz nach Saisonende zu räumen. Seinem Nachfolger Makus Hornung, der zuletzt die Zweitliga-Handballerinnen aus Nellingen trainierte, könnte Rehkugler ein willkommenes Erbe hinterlassen, sollte es mit dem Aufstieg klappen. Ein weiter Weg, weiß nicht nur Jo Häußler. „Wir werden um unsere Chance kämpfen“, sagt Lenningens Abteilungschef, der allerdings auch die Kehrseite des sportlichen Erfolges sieht. Eine Saison wie diese, mit insgesamt zwölf Lokalderbys in den Hallen rund um die Teck, war reizvoll wie selten. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Landesliga sicherlich weniger attraktiv,“ meint Häußler. Am Samstag war die Halle brechend voll. Die Bürgermeister beider Gegner schauten zu und mischten sich anschließend beim Bier im Foyer unters euphorisierte Volk. Bis deutlich nach Mitternacht ging die Sause in der Halle.

Vier harte Relegations-Spiele gegen zwei Spitzenklubs aus den Nachbar-Bezirken stehen dem Aufstieg im Weg. Und natürlich: der VfL Kirchheim. Die Blau-Weißen haben die Hoffnung trotz des Tiefschlags am Samstag in Uhingen noch nicht aufgegeben. Der direkte Vergleich mit Lenningen spricht für den VfL. Doch damit der greifen würde, müsste die SG in den restlichen beiden Spielen gegen die SG Hegensberg-Liebersbronn und in Dettingen/Erms noch einen Punkt liegen lassen. Beides Gegner aus dem gesicherten Mittelfeld, für die es um nichts mehr geht. „Wir haben es nun nicht mehr selbst in der Hand“, sagt ein enttäuschter Engelbert Eisenbeil nach der Niederlage beim Spitzenreiter. Er weiß: Nicht der Samstag war entscheidend, sondern das Hinspiel Ende November in eigener Halle, das der VfL mit 24:29 verlor. Wer aufsteigen will, muss seine Heimspiele gewinnen – erst recht gegen direkte Konkurrenten.

Die eigenen Aufgaben lösen. Der Rest ist Abwarten. Eine Situation, die kein Trainer mag. Auf den VfL dürfte es wie Hohn wirken: Nachdem eine lange Verletztenliste die Mannschaft durch die Saison begleitete, ist sie in den beiden letzten Saisonspielen wieder komplett.