Ex-Weltmeister gewinnt ersten Wertungstag der Doppelsitzer-Klasse
Karow mit Glanzstart

Erster Flug, erster Tagessieg – Holger Karow (Fliegergruppe Wolf Hirth) ist beim 47. Internationalen Hahnweidwettbewerb ein optimaler Start gelungen. Dabei sah es anfangs so aus, als könne der Exweltmeister in der Offenen Klasse gar nicht am Wettbewerb teilnehmen.

Kirchheim. Sechs Minuten nach Start der Onlineanmeldung waren alle 120 Startplätze vergeben. Erst einer der begehrten Nachrückerplätze verhalf Karow doch noch zur Teilnahme. Dabei tritt der gebürtige Hamburger nicht in der Offenen, sondern in der Doppelsitzerklasse an. Die Segelflugzeuge dieser Klasse sind in der Spannweite auf 20 Meter limitiert und müssen im Wettbewerb zu zweit geflogen werden. Der vom Kirchheimer Segelflugzeughersteller Schempp-­Hirth gefertigte Arcus E, den Holger Karow und sein Kopilot Ludwig Starkl fliegen, weist eine Besonderheit auf: Während viele moderne Segler mithilfe eines im Rumpf eingebauten Kolbenmotors mit ausfahrbarem Propeller ohne Schlepphilfe starten können, sorgt im Arcus E ein 42 kW starker Elektromotor für den nötigen Schub. Geladen von einem eigens auf der Hahnweide installierten Windrad, fliegt der Segler komplett CO2-neutral.

Als „schwer lesbar“ bezeichnete Karow das Wetter, das den Piloten der Doppelsitzerklasse entlang ihrer 352,4 Kilometer langen Aufgabe um die Wendepunkte Beilngries (nördlich von München), Feuchtwangen und Söhnstetten begegnete. Schlechte Sicht und zerlaufene Wolken machten die Wahl des richtigen Flugweges zu einer besonders anspruchsvollen Aufgabe. Am Ende bewiesen Holger Karow und Ludwig Starkl das beste Auge für die Wolken. Mit einem Stundenmittel von 108,5 km/h hatten sie am Ende sieben Minuten und 41 Sekunden Vorsprung vor der Konkurrenz. Knapp am Treppchen vorbei landeten Felix Breckel und Steffen Keppler von der Fliegergruppe Wolf Hirth auf Platz vier. Ein bewusster Umweg auf dem dritten Schenkel bescherte den Kirchheimern einen starken Aufwind und brachte sie mit 2,8 Metern pro Sekunde zügig auf Endanflughöhe. Schlusslicht der Doppelsitzerklasse war nach dem ersten Wertungstag ein Team der Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe. Noch vor dem Abflug hatten sie die Wolken falsch eingeschätzt und beendeten ihren Flug vorzeitig mit einer Außenlandung nahe Owen.

In der Standardklasse holte Andreas Belz (FG Dettingen) den Tagessieg. Er war 30 Sekunden vor Dirk Kaltenmark aus Tübingen auf die Strecke gegangen und konnte auf der 386,4 Kilometer langen Strecke 39 Sekunden Vorsprung herausfliegen. Vergleichbar knapp ging es in der Offenen Klasse zu. Nach über drei Stunden und 40 Minuten verhalfen Alexander Späth vom Aero-Club Esslingen zwei Minuten und neun Sekunden Vorsprung zum Tagessieg.

Fest in englischer Hand waren am ersten Wertungstag die 15-Meter-Klasse und die 18-Meter-Klasse, in denen sich Timothy Scott und Mark Holden die Tagessiege holten. Die beiden gehören zum neunköpfigen Pilotenteam aus England, das den Hahnweidwettbewerb nutzt, um sich vor den im Juni anstehenden Europäischen Segelflugmeisterschaften ­in Vinon vorzubereiten. Der Start auf der Hahnweide verlief vielversprechend, der Wettbewerb bleibt spannend. Bis maximal sechs Wertungstage stehen in dieser Woche noch aus.