Fußball-Verbandsliga: VfL Kirchheim gastiert morgen Abend bei Lokalrivale FC Frickenhausen
Kein Spiel wie jedes andere

Bonlanden, Göppingen, Gmünd – Derbys gibt es in dieser Saison viele für Fußballverbandsligist VfL Kirchheim. Doch keines elektrisiert Spieler, Fans und Verantwortliche so wie das Duell mit dem FC Frickenhausen. Morgen Abend (Anpfiff um 19 Uhr in Frickenhausen) ist es so weit.

Kirchheim. Es ist eines dieser Spiele, denen im Vorfeld gerne eigene Gesetzmäßigkeiten zugeschrieben werden. Ähnlich wie bei Pokalpartien orientieren sich (Meinungs-)Macher auf beiden Seiten nicht an der aktuellen sportlichen Situation, sondern an der dem Duell innewohnenden Emotionalität. Dass die vor dem morgigen Match zwischen dem VfL Kirchheim und dem FC Fricken­hausen gegeben ist, liegt nicht nur an der geografischen Nähe. Dafür haben zu viele Frickenhausener in ihrer Fußballvergangenheit bereits das Trikot des VfL getragen (siehe Infokasten).

Einer davon ist Chris Eisenhardt, von 2003 bis 2011 unverzichtbarer Teil der Blauen und deren langjähriger Kapitän, der den Anpfiff morgen kaum noch erwarten kann. „Ich freue mich auf dieses Spiel, seit feststand, dass wir aufsteigen und der VfL wieder eine Mannschaft melden würde“, sagt der 28-Jährige, für den es kein Spiel wie jedes andere ist. „Mit den Beinen bin ich zwar Frickenhausener, aber das Herz hängt doch noch am VfL“, bekennt Eisenhardt, der gleichzeitig um die Bedeutung des Derbys für seinen neuen Klub weiß: „Im Frickenhausener Umfeld brennen alle auf dieses Spiel. Jetzt will man endlich auch auf dem Platz zeigen, dass man ein ernst zu nehmender Konkurrent für Kirchheim ist“, so Eisenhardt.

Rein tabellarisch haben die FCF-Kicker diesen Nachweis schon längst erbracht. Mit 17 Punkten aus neun Spielen steht der Aufsteiger auf dem fünften Platz und hat dabei nur drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Zwar will im Neuffener Tal niemand vom Aufstieg reden. Doch ist die Tatsache, dass man nach einjähriger Verbandsligaabstinenz wieder zur erweiterten Spitze im württembergischen Oberhaus zählt, wie Balsam auf die nach dem unglücklichen Abstieg vor zwei Jahren geschundene FCF-Seele. „Die Verbandsliga ist die Liga, in der wir unserer Meinung nach hingehören“, so Spielertrainer Martin Mayer, „hier fängt der Amateurfußball so richtig an, Spaß zu machen.“

Sein Kirchheimer Pendant Stefan Haußmann ist mit seiner Mannschaft vom Spaßfußball derweil noch weit entfernt. „Wir sind nicht in der Lage, fünf, sechs Spiele hintereinander konstant gut abzuliefern“, klagt er einmal mehr über die spielerischen Grenzen seiner Truppe, ohne sie nicht gleichzeitig in Schutz zu nehmen. „Wir haben einen niedrigeren Etat als so mancher Landesligist. Da kann man doch nicht erwarten, dass wir jede Mannschaft weghauen“, weist er Dauernörgler, die im Jahr eins nach dem finanziellen Schiffbruch der Abteilung immer noch Anspruch und Wirklichkeit verwechseln, in die Schranken. Stattdessen setzt der 37-Jährige auf Besonnenheit. „Wenn wir ruhig bleiben, wenn das Umfeld ruhig bleibt, dann ist der Klassenerhalt machbar“, glaubt er, der in diesem Zusammenhang große Hoffnungen an die morgige Partie in Frickenhausen hegt. „Wenn du in so einem Spiel ein Erfolgserlebnis hast, kann der Knoten auch schnell mal platzen“, sagt Haußmann, dessen Ziel noch möglichst viele Punkte bis zur Winterpause sind. „Wenn wir bis Weihnachten den Kontakt zum unteren Mittelfeld herstellen können, haben wir in der Rückrunde reelle Chancen, die Klasse zu halten.“ Wie er morgen in Frickenhausen den ersten Schritt auf diesem Weg machen will, verrät er freilich nicht. Nur so viel: „Wir wollen diejenigen sein, die den Lauf der Frickenhausener stoppen wollen.“ Mangels Alternativen dürfte sich die Mannschaft ohnehin von alleine aufstellen.

Nichtsdestotrotz nötigen die Kirchheimer dem Gegner Respekt ab. „Das ist unabhängig vom Tabellenstand ein Spiel auf Augenhöhe“, glaubt Chris Eisenhardt, der den Saisonverlauf seines Ex-Klubs positiv bewertet. „Der VfL schlägt sich überraschend gut, besser als ich gedacht hatte“, sagt er. Ähnlich sieht‘s FCF-Trainer Martin Mayer. „Es gibt in der Verbandsliga keine Mannschaft, die leistungsmäßig abfällt. Da ist alles eng beieinander.“

Stichwort eng beieinander: Die Frickenhausener Verantwortlichen hoffen morgen auf regen Zuschauerzuspruch. „Um die 500 sollten‘s schon sein“, sagt Sprecher Werner Schmid. Käme es so, wäre es für die Frickenhausener eine enorme Steigerung. Zu den bisherigen vier FC-Heimspielen kamen im Schnitt 180 Fans. Wenigstens hier ist der VfL besser: An die Jesinger Allee pilgerten heuer durchschnittlich 270 Zaungäste. Im Ligavergleich liegt man damit übrigens auf Platz vier, der FCF auf Platz zehn – ein gutes Omen?