Eine Top-15-Platzierung hatte Mountainbikerin Kira Böhm aus Weilheim als Ziel für ihre ersten Europameisterschaften in der Elite-Klasse im portugiesischen Melgaço über die olympische Distanz ausgegeben. Als die 22-Jährige nach 1.29,04 Stunden nach sieben Runden mit viel schwarzem Staub im Gesicht und deutlich erkennbaren Rückenschmerzen die Ziellinie im Sportstadion überquerte, hatte sie den 13. Platz erreicht – und war doch nicht ganz zufrieden.
Denn in den ersten drei Runden hatte sie nach einem guten Start sogar noch in den Top 10 gelegen. Doch dann verkrampfte auf der holprigen und verwinkelten Strecke durch einen Pinienwald, mit vielen Wurzeln, Steinen und Sprüngen der Rücken. Die Schmerzen wurden von Runde zu Runde größer, die Rundenzeiten wurden langsamer, Böhm fiel zurück. „Ich konnte einfach keinen Druck mehr aufs Pedal bringen“, zeigte sie sich im Ziel trotz des eigentlich guten Ergebnisses etwas enttäuscht.
„Das Rennen hat mir bewiesen, dass ich unter die besten Zehn fahren kann“, nahm Böhm durchaus Positives mit von der Europameisterschaft unmittelbar an der Grenze von Portugal und Spanien: „Mit dem Start war ich richtig glücklich, auch in den ersten drei Runden habe ich mich ja richtig gut gefühlt.“
Und das, obwohl es bereits das dritte aufeinanderfolgende Rennwochenende mit viel Reisestress dazwischen war: Schließlich lagen schon der Weltcup in Andorra und die Deutsche Meisterschaft in Wombach hinter Böhm. Auch der sechste Platz beim Shorttrack am Donnerstagabend hatte Kraft gekostet. „Trotzdem hat es mir hier gut gefallen“, zog Böhm insgesamt eine positive Bilanz ihrer ersten Europameisterschaften in der Elite-Klasse, schließlich sei die Stimmung in der deutschen Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer Marc Schäfer ebenso gut gewesen wie an der Strecke, wo viele Zuschauer der Nachmittagshitze trotzten und die Sportlerinnen lautstark mit Tröten und Kettensägenmotoren anfeuerten.
Der Sieg ging nach 1.21,47 Minuten an die Olympiasiegerin von Rio 2016 und Teamkollegin von Luca Schwarzbauer, Jenny Rissveds (Schweden), die fast von Anfang an ein einsames Rennen durch den Pinienwald fuhr, während dahinter die amtierende Weltmeisterin über die Kurzdistanz, Evie Richards (Großbritannien), und die Schweizerin Nicole Koller um die Medaillenplätze kämpften. Am Ende war die Britin die Schnellere. Beste Deutsche wurde die Deutsche Meisterin Nina Graf, die als Elfte nur knapp die Top 10 verpasste und 1,05 Minute vor Böhm die Ziellinie überquerte.
Urlaub vor dem Saisonfinale
Während Luca Schwarzbauer sich bereits vor einer Woche nach den Deutschen Meisterschaften in Wombach in die Sommerpause verabschiedet und so auf Europameisterschaft verzichtet hatte, geht nun auch Kira Böhm in den Urlaub, um Kräfte für die letzten vier wichtigen Rennen der Saison zu sammeln: dem Weltcup in Hochsavoien (Frankreich) am letzten Ausgust-Wochenende, der Weltmeisterschaft im nur gut 60 Kilometer Luftlinie entfernten Schweizer Skiort Crans Montana (mit dem ausgelagerter Shorttrack-Rennen in Zermatt) und dem unmittelbar anschließenden finalen Weltcup-Block mit Lenzerheide (Schweiz), Lake Placid (USA) und Mont Sainte Anne (Kanada).
Vorbereitung in der Höhe
Weil die europäischen Rennen alle in einer Höhe von über 1.600 Metern stattfinden, werden sowohl Luca Schwarzbauer als auch Kira Böhm ihre Wettkampfvorbereitungen ebenfalls in der Höhe absolvieren, um die den Körper an die zusätzliche Belastung unter Sauerstoffentzug zu gewöhnen.

