Ein Platz unter den besten 15: das ist das Ziel der Weilheimer Mountainbikerin Kira Böhm – nicht nur im Weltcup, sondern auch bei den Europameisterschaften. Diese werden am Wochenende in Melgaço ausgetragen, einem kleinen Städtchen in Nordportugal unmittelbar an der Grenze zu Spanien. Ein durchaus ambitioniertes Ziel für die 22-Jährige, die sich in dieser Saison erstmal in der höchsten Rennklasse „Elite“ beweisen muss.
Mit Erfolg, wie der Auftakt der Titelkämpfe am Donnerstag bewies: Mit Platz sechs im Shorttrack-Rennen startete Kira Böhm verheißungsvoll in die Titelkämpfe. „Ich bin glücklich“, verriet die Weilheimerin im Ziel, „eine Toptenplatzierung bei einer EM ist immer sehr gut.“ Auf der sehr staubigen Strecke (Böhm: „Man hat in der ersten Runde nichts erkannt“) musste die 22-Jährige eine Führungsgruppe ziehen lassen, wurde dafür aber Erste der Verfolgergruppe und fiebert nun dem Rennen am Sonntag entgegen.
Europameisterin wurde die Schwedin Jenny Rissveds (17,56 Minuten) mit drei Sekunden Vorsprung auf die beiden Schweizerinnen Nicole Koller und Linda Indergand. Böhm kam 43 Sekunden nach Rissveds ins Ziel.
Steine, Wurzeln und Staub
Melgaço liegt zwar im grünen Norden Portugals, doch der verwinkelte Kurs direkt am Sportzentrum ist extrem staubig und mit Wurzeln durchsetzt. „Wenn du da an dritter Stelle liegst, erkennst du den Boden nicht mehr“, hatte Böhm schon Erfahrung nach den wenigen Trainingsrunden auf dem 3,6 Kilometer langen Rundkurs. Trotzdem sagt Böhm: „Ich mag diesen sehr natürlichen Kurs, auch wenn er steinig und wurzelig und sandig ist.“ Auch die viele kurzen Anstiege lägen ihr, „auch wenn ich mir zumindest einen längeren Anstieg gewünscht hätte.“
Einige Spitzenathletinnen aus dem Weltcup werden in Melgaço nicht am Start sein werden – es fehlen natürlich vor allem die Nicht-Europäer wie die Weltcup-Führende Samatha Maxwell (Neuseeland), Jennifer Jackson (Kanada) und Candice Lill (Südafrika), aber auch einige andere Fahrer, die man bei einer EM erwartet hätte, so zum Beispiel die Schweizerin Alessandra Keller oder die Titelverteidigerin Puck Pieterse aus den Niederlanden.
Entsprechend offen ist das Rennen um den Titel 2025. Denn im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften sind die Europameisterschaften keine „Pflichtveranstaltung“. Viele Sportler überlegen es sich genau, ob sie sich den Reisestress und die zusätzliche Wettkampfbelastung antun für ein Rennen, bei dem in der Wahrnehmung der meisten Athleten fast nur der Titel zählt.
Weltcup und DM in den Beinen
Auch Luca Schwarzbauer aus Weilheim hat kurzfristig entschieden, die EM auszulassen und sich gezielt auf den letzten Wettkampfblock mit vier Weltcups und der Weltmeisterschaft im September und Oktober vorzubereiten. „Ich spüre schon die Belastung durch die Rennen beim Weltcup in Andorra und bei der Deutschen Meisterschaft in Wombach“, sinniert Böhm, die in Wombach am vergangenen Wochenende gleich zweimal mit Silber dekoriert worden ist: „Aber ich fühle mich gut erholt und bereit für die EM.“ Auch die Temperaturen von über 30 Grad gut 50 Kilometer von der Atlantikküste entfernt machen der Sportstudentin wenig zu schaffen. Mehr ist es der verwinkelte Kurs – eine Herausforderung mehr für den Kopf als für den Körper: „Beim Training wusste ich manchmal gar nicht, wo genau auf der Strecke ich eigentlich gerade bin“, sagte Böhm beim Gespräch lachend. „Aber ich habe ja noch bis Sonntag Zeit, mir den Kurs einzuprägen.“
Das Rennen der Frauen am Sonntag ab 14.30 Uhr wird live, aber kostenpflichtig bei Eurosport 2 übertragen, das der Männer ab 17.10 kommt kostenfrei um 20.30 Uhr bei Eurosport 1.

