Montagabend, Viertel vor Sechs. Julian Auerbach ist der erste in der Sporthalle Stadtmitte. Er schiebt den Ballwagen übers Parkett, fährt die Körbe aus und legt die Taktiktafel zurecht. In der Vorwoche hat seine Mannschaft an gleicher Stelle beim 56:35 gegen SB Heidenheim den siebten Sieg im siebten Spiel der aktuellen Oberligasaison eingefahren. „Es läuft gut“, bleibt der 31-jährige Kirchheimer bescheiden. „Wir haben eben die perfekte Mischung im Team“, antwortet Leonie Mauritz auf die Frage, was die Mannschaft ausmacht. Der Kern ist im besten Basketballalter, ergänzt durch fünf Nachwuchsspielerinnen aus der eigenen Jugend und erfahrenen Spielerinnen, die zum Teil noch zu Jesinger Zeiten aktiv waren. „Die Altersspanne reicht von 16 bis 51 Jahre“, ergänzt Julian Auerbach.
Die Spielerinnen trudeln eine nach der anderen in der Sporthalle ein. Das Training kann pünktlich beginnen. Beim Aufwärmen gibt Kapitänin Sarah Wanzke den Ton an. Den Kreislauf in Schwung bringen, Dehnen, um Verletzungen vorzubeugen. Zweimal die Woche bittet Julian Auerbach zum Training. „Wir haben viele erfahrene Spielerinnen in der Mannschaft, und die Erwartungshaltung, in der Oberliga oben mitzuspielen, war vor der Saison durchaus gegeben. Die Mannschaft war aber neu zusammengewürfelt und wir hatten mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Deshalb haben wir uns zu Beginn der Saison eher schwergetan“, berichtet der Coach. Der Kader habe sich dadurch ständig verändert. Dieselbe Starting Five aufs Feld zu schicken, war schlicht nicht möglich. „Abläufe sitzen bei uns noch nicht so wie bei anderen Teams“, erklärt der 31-Jährige. Und dennoch ist der VfL mit seiner Maximal-Ausbeute von 14 Punkten das Maß der Dinge in der Oberliga.
Heute steht im Training eine weitere Defensiv-Variante auf dem Programm. „Die Zonenpresse ist eine eher weniger verbreitete Verteidigungsstrategie. Doch durch sie kann man das Tempo kontrollieren. Wir wollen jetzt eine andere Zone üben, um flexibler und unberechenbarer zu werden“, erklärt Auerbach. Drei Wochen lang hatte die Mannschaft kein Spiel, weil mit dem TV Derendingen, den Tigers Tübingen II und Esslingen drei Mannschaften zurückgezogen haben. „Derendingen fehlt die Quantität an Qualität“, so der Trainer. Die Tübingerinnen konnten ihre zweite Mannschaft nicht mehr halten, und den Esslingerinnen mangelt es am Unterbau. „Dieses Problem hat der VfL nicht“, weiß Julian Auerbach, der außerdem Coach der U14 ist. „Und in der U18 sind wir auch gut besetzt.“
Von Anfang an Druck machen
Sollte der Höhenflug weitergehen und die Regionalliga winken, würde Julian Auerbach das nur unter einer Bedingung begrüßen. „Ich möchte nur aufsteigen, wenn ich auch die Jüngeren spielen lassen kann. Wenn ich sie draußen lassen muss, damit wir gewinnen, würde das der Entwicklung des Nachwuchs schaden und den langfristigen Gedanken des Projekts verlieren. Bisher machen sich unsere Youngster gut und die Nervosität kriegen wir auch in den Griff.“
Bevor es soweit ist, stehen aber noch einige Spiele an. Das nächste Heimspiel findet zwar erst am 18. Januar statt, in der Fremde sind die Knights-Damen jedoch schon am Samstag, 22. November gefragt. Um 17.15 Uhr steht das Gastspiel beim BBC Stuttgart in Weilimdorf-Wolfbusch an. „Ich habe mir letzte Woche deren Partie gegen Möhringen angeschaut. Die Stuttgarterinnen haben zwar erst eins ihrer fünf Spiele gewonnen, sollten aber nicht unterschätzt werden. Sie spielen schnell und haben keine Angst den Ball zu werfen, da müssen wir dranbleiben. Wir müssen von Anfang an Druck in der Defense und Tempo in der Offense machen. Wenn wir das schaffen, bin ich positiv gestimmt“, sagt Julian Auerbach.
Er muss allerdings auf einige Spielerinnen krankheitsbedingt verzichten, so dass der VfL nur zu acht antreten kann. Wer abergläubisch ist, könnte das ja als Zeichen sehen – acht Spielerinnen holen im achten Spiel den achten Sieg.
Frauenbasketball im VfL Kirchheim
Seit dieser Saison gibt es im VfL Kirchheim ein Frauenteam. „Früher haben die Männer beim VfL gespielt und die Frauen beim TSV Jesingen“, erklärt Julian Auerbach. In der Saison 2014/15 stieg das Team in die Oberliga auf. In der Folgesaison wurde unter dem Dach der TG Nürtingen gemeldet, mit der Lizenz aus Jesingen. Als das Team dort in die Regionalliga aufstieg, es personell aber nicht mehr reichte, zog die TG die Mannschaft zurück. Mit eben dieser Lizenz und der ein oder anderen Spielerin hat der VfL ein eigenes Team gebildet.
Julian Auerbach hat selbst bis vor zwei Jahren Basketball gespielt. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga war er noch ein Jahr aktiv. Trainer ist er aber schon, seit er 15 ist. Sein erstes Team als Coach war eine männliche U14-Mannschaft. In den weiblichen Bereich wechselte er 2024, wo er mit der heutigen Kapitänin Sarah Wanzke als Co-Trainerin ungeschlagen die U18-Meisterschaft gewann. sl

