Fußball-EM
„Kirsche“ in Dortmund: Über Umwege zum Achtelfinale

Martin Kirschmann aus Neidlingen verfolgt heute sein viertes deutsches EM-Spiel im Stadion.

Mittendrin statt nur dabei: Martin Kirschmann war auch bei der EM-Generalprobe vor drei Wochen in Nürnberg.  Foto: pr

Neidlingen. Schottland, Ungarn, Schweiz – „Kirsche“ hat sie alle gesehen. Live, vor Ort, im Stadion. Als Mitglied des „Fanclub Nationalmannschaft“ war Martin Kirschmann aus Neidlingen bei allen drei bisherigen EM-Spielen der Deutschen in München, Stuttgart und Frankfurt dabei.

„Kirsche“, wie der 32-Jährige gerufen wird, hat es über Umwege auch zum heutigen Achtelfinale der DFB-Elf in Dortmund gegen Dänemark geschafft. „Eigentlich war ich leer ausgegangen“, berichtet der gebürtige Holzmadener, der bei den „Sauriern“ das Kicken lernte und dort auch zwei Jahre aktiv spielte, von der Ticketvergabe, die sich bei den rund 50.000 Mitgliedern des „Fanclub Nationalmannschaft“ nach einem Ranking richtet: Je nach Anzahl der besuchten Länderspiele sammelt man Punkte. Kirschmann, der seit 2008 Mitglied ist und seitdem nach eigener Schätzung 30 Freundschafts- und Pflichtspiele der DFB-Elf in ganz Europa verfolgt hat, liegt um Platz 2500. Dass es bei 6000 Tickets, die dem „Fanclub Nationalmannschaft“ für die deutschen EM-Spiele zukommen, trotzdem nicht gereicht hat, macht ihn stutzig. Zumal es bei den drei Vorrundenspielen problemlos geklappt hatte. „Muss an der Uefa liegen, die regeln das bei so einem großen Turnier anders als der DFB“, sagt der ehemalige Landesligakicker des TSV Weilheim, der Kroos und Co. heute trotzdem in Dortmund anfeuern kann. Innerhalb des Fanclubs gehört „Kirsche“ zu jenem Team, das bei Länderspielen die Choreografie im Stadion organisiert. So wie beim vorletzten Test vor dem EM in Nürnberg Anfang Juni gegen die Ukraine, als auf der Gegengerade ein riesiges Transparant („Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein“) entrollt wurde. Für das heutige Spiel gegen Dänemark suchte der Orga-Chef des Choreo-Teams aus Mannheim kurzfristig einen Fahrer, der die Fan-Utensilien nach Dortmund fährt – „Kirsche“ übernahm den Job, zumal es als Belohnung ein Ticket fürs Westfalenstadion gibt. „Ich hatte eh nix vor“, lacht er.

Vor diesem Hintergrund ist auch klar, was am Freitag kommender Woche ansteht: Bei einem Sieg über Dänemark (Kirschmann: „Ich tippe auf ein 3:1 für uns“) winkt das Heim-Viertelfinale in Stuttgart – ob’s danach weitergeht? „Der Titel ist nicht unmöglich“, orakelt „Kirsche“, „aber dafür muss alles passen. Wir sind leider nicht die beste und gefestigtste Mannschaft.“

Das gilt im umgekehrten Fall auch für die offizielle Fan-Nationalmannschaft, für die Martin Kirschmann bereits zwei Mal spielen durfte. Unter Hunderten Bewerbern ausgelost, war der gelernte Innenverteidiger, der seine aktive Laufbahn beim TV Neidlingen beendete und mittlerweile in der „AH“ des TSV Holzmaden kickt, vor dem Test in Nürnberg vor drei Wochen im DFB-Trikot beim 2:0 gegen die Ukraine im Einsatz. Vor dem EM-Spiel gegen Schottland kassierte die deutsche Fan-Elf ein 1:6 gegen die Auswahl der Bravehearts. „War trotzdem ein riesen Spaß“, schwärmt „Kirsche“, dessen Highlight als Fan das EM-Viertelfinale 2012 war, als Deutschland in Bordeaux im Elfmeterschießen Italien ausschaltete. „Da war ich kurz vor dem Umkippen, so spannend war das“, erinnert er sich an das Drama mit jeweils drei Fehlschüssen – auf eine Wiederholung heute kann nicht nur er getrost verzichten.