Es gibt viele Wege, ein Spiel zu verlieren. „Dieser war für mich der schlimmste.“ Knights-Headcoach Igor Perovic war nach der sang- und klanglosen 56:77-Niederlage seiner Mannschaft in der Karlsruher Europahalle spürbar angefasst. Ganze sechs Korbvorlagen im gesamten Spiel, 20 Ballverluste, 4:17 Offensiv-Rebounds und 16:35 Freiwürfe – mit einer solchen Bilanz ist man in jeder Halle ein gerngesehener Gegner. Selbst frühe fünf Teamfouls des Tabellen-Sechzehnten aus Karlsruhe nach etwas mehr als drei Minuten im Schlussviertel, war nichts, aus dem die Kirchheimer an diesem Abend hätten Kapital schlagen können. Perovic dürfte sich am Samstag allzu sehr an den rabenschwarzen Heimauftritt vor vier Wochen gegen Bayreuth erinnert haben. Auch da hatte die Gegenseite keine Wunderwaffe im Gepäck, sondern schlicht die bessere Körpersprache. „Giftiger sein als der Gegner – wenn wir in dieser Liga konkurrenzfähig sein wollen, ist das unser einziger Weg,“ stellte Karlsruhes Coach Aleksandar Scepanovic nach dem Sieg bescheiden fest. Mut- und ideenlose Kirchheimer gegen einen Gegner, der mit dem Rücken zur Wand und dem Messer zwischen den Zähnen losschlägt. Aggressivität, Entschlossenheit und Physis haben gegen die badischen Löwen im negativen Sinn den Unterschied ausgemacht. Schlecht gebrüllt. Wieder einmal, könnte man aus Kirchheimer Sicht sagen oder auch: erst zum zweiten Mal in dieser Saison – Ansichtssache.
Solche Spiele sollten niemanden ernsthaft überraschen.
Knights-Teamchef Chris Schmidt hält Leistungseinbrüche bei einer jungen Mannschaft für völlig normal.
Das gilt auch innerhalb der Kirchheimer Führungsriege, wo die Sicht auf die Dinge sich bisweilen unterscheidet. Während in der Schule Wiederholungsfehler eher milde beurteilt werden, gibt es nichts, was ein Basketball-Lehrer mehr hasst. „Dass uns dies zum zweiten Mal passiert, ist das Hauptproblem,“ verschafft Igor Perovic seinem Ärger Luft. Der Meister des Vorjahres, der in dieser Saison auch verletzungsbedingt nicht recht in Tritt kommt, war auch am Samstag zunächst kein übermächtiger Gegner. Die Verunsicherung der Lions war in der ersten Spielhälfte deutlich spürbar. Nur: Die Kirchheimer machten nichts draus.
Fünf Tage bleiben Perovic Zeit für Aufräumarbeiten, ehe am Samstag der Weihnachtskracher gegen Tübingen steigt – dann wieder vor großer Kulisse in der Göppinger EWS-Arena. Das Gute daran: Mit einer ähnlichen Reaktion wie nach dem Bayreuth-Spiel, wäre die Party samt Weihnachtsfest gerettet.
Weniger dramatisch beurteilt Kirchheims Teammanager die Lage: „Solche Spiele sollten niemanden ernsthaft überraschen,“ meint Chris Schmidt. „Die Mannschaft ist jung, das darf man nicht vergessen. Wir wussten schon zu Beginn der Saison, dass solche Spiele kommen werden.“ Die Wahrheit ist: Trotz solcher Spiele und trotz heikler Phasen wie zuletzt gegen Münster und auch gegen Düsseldorf stehen die Knights nach 13 Spieltagen auf Platz drei, was nach wie vor als Überraschung gilt.
Welpenschutz also für ein Team, das hochgehandelte Gegner an die Wand spielt und sich von vermeintlichen Außenseitern den Schneid abkaufen lässt? Alles nur Einstellungssache oder gibt es spätestens seit dem Bayreuth-Spiel ein strukturelles Problem, das vom Erfolg möglicherweise verdeckt wird? „Um Dinge grundsätzlich zu hinterfragen, ist dies der falsche Zeitpunkt,“ meint Chris Schmidt. Schlechtes Foulmanagement und mangelhaftes Teamplay an Tagen, wenn die Würfe einfach nicht fallen wollen, sind dennoch ein Muster. Dass ein Spielgestalter wie Braden Norris bei der Erledigung von Defensivaufgaben als Klassenbester voran geht, reicht dann oft nicht aus. Zu selten gelingt es dem 25-jährigen Point Guard bisher, Ordnung in ein zerfahrenes Spiel zu bringen – auch wenn er wie am Samstag als Topscorer vom Parkett geht. Norris ist ein Riesentalent, muss in die Rolle des Floor Generals in dieser Liga aber erst noch hineinwachsen.

