Vor dem Spiel morgen gegen Neckarelz bezieht der VfL-Coach Stellung
Kraft kontert Kritiker

Sportlich schippert das VfL-Fußballboot in ruhigen Oberligagewässern, der anvisierte Top-Ten-Platz ist fünf Spieltage vor Saisonende kaum noch in Gefahr. Doch immer wieder zieht Sturm am Horizont auf und die Wellen abseits des Platzes schlagen hoch. Vor dem morgigen Heimspiel gegen Neckarelz (Anpfiff 19 Uhr) redet der Steuermann nun Klartext: Trainer Rainer Kraft will mit Gerüchten rund ums Team aufräumen.

Kirchheim. Wie bei jedem anderen Club auch, gehören sie beim VfL zum Fußball wie die Faust aufs Auge: Herren jenseits der 60, die vieles (besser) wissen, damit nicht hinterm Berg halten und positiv wie negativ Stimmung(en) im Umfeld der Abteilung machen. Egal, ob die Mannschaft gewinnt oder verliert, egal, ob der Trainer Michael Rentschler, Rolf Baumann oder Rainer Kraft heißt: Stets haben sie etwas auszusetzen, zeichnen fortwährend eine dem Tabellenplatz entsprechende VfL-Zukunft und sägen von diversen Stammtischen aus verbal kräftig an den Stühlen von Spielern und sportlich Verantwortlichen.

Aktuell erzürnt die vermeintlichen Edelfans der Umgang von VfL-Coach Kraft mit dem altgedienten Spieler Ferdi Er sowie dem langjährigen Physiotherapeuten der Mannschaft, Hartmut Munderich. Den 44-Jährigen soll Kraft eigenmächtig rausgeschmissen haben, wird auf der Tribüne geunkt, „Hardy“ habe einfach keinen Vertrag für die neue Saison mehr bekommen. „Ich kann ihn gar nicht rausschmeißen“, stellt Kraft klar, „da er genau wie ich vom Verein angestellt ist.“ Munderich, selbstständiger Physiotherapeut mit eigener Praxis in Dettingen, hat entgegen anders lautender Meldungen ein Angebot erhalten, ab der kommenden Saison seine helfenden Hände in den Dienst der zweiten Kirchheimer Mannschaft sowie der A-Jugend zu stellen. Nach einem Fachmann fürs Oberligateam sind Kraft, Sportkoordinator Dangel und Geschäftsführer Rau noch auf der Suche.

„Überrascht von den Reaktionen“ zeigt sich Kraft derweil im Fall Ferdi Er, den die Zuschauer lieber in der Startelf, als Woche für Woche auf der Bank und entsprechend seiner Verdienste um den VfL behandelt sehen wollen. Dem 30-Jährigen lediglich einen Einjahresvertrag anzubieten, fassen nicht wenige im Umfeld der Mannschaft als Affront auf, was Kraft relativiert. „Ferdi war nach Chris Eisenhardt der zweite Spieler, mit dem wir bereits im Winter in Vertragsverhandlungen eingestiegen sind.“ Dass das entscheidende Gespräch seitdem immer wieder verschoben wurde, ist Er als auch den Verantwortlichen zu gleichen Teilen anzulasten. Als offenes Geheimnis gilt in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass Er über mangelndes Vertrauen seitens Kraft geklagt hat, zuletzt am Rande des Auswärtsspiels in Villingen vor zehn Tagen. Für gestern Abend hat der teamintern „Ferdsch“ gerufene Defensivspieler, der am Samstag gegen Kehl eingewechselt wurde und nach einhelliger Meinung zum bes­ten Mann auf dem Platz avancierte, um ein Gespräch mit dem Trainer gebeten. Ein Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Auch die Zukunft von Sabri Gürol und Uwe Beran beim VfL ist noch nicht geklärt. Gürol liegen Angebote aus der Schweiz vor, zudem hat der 21-jährige Mittelfeldmann, dessen Vertrag in Kirchheim zum 30. Juni ausläuft, unlängst ein Probetraining bei einem Regionalligisten absolviert. Spielmacher Uwe Beran ist vertraglich noch bis Sommer 2012 an den VfL gebunden, was zahlreiche höherklassige Clubs jedoch nicht davon abhält, dem 21-Jährigen den Hof zu machen. Fest steht jedoch: Wer Beran im Sommer haben will, muss Ablöse zahlen.

Weitere Gespräche laufen derzeit noch mit Torwart Benny Huber, dessen bis Juni 2012 laufender Kontrakt vorzeitig verlängert werden soll, sowie mit Verteidiger Michael Hofstetter, dem der Karlsruher SC II Avancen macht. Der 20-Jährige hat allerdings bereits signalisiert, dass er beim VfL bleiben möchte.

Gleiche Signale haben den Teckstädtern gleich fünf neue Spieler von auswärts für die kommende Saison gegeben. Namen wollen die Verantwortlichen jedoch erst verraten, wenn den mündlichen Zusagen die schriftlichen gefolgt sind. Rainer Kraft verrät vorab nur so viel: „Drei sind zwischen 26 und 32, die beiden anderen 19 Jahre alt.“ Auch sollen zwei aus dem Neuzugangs-Quintett über 1,90 Meter groß sein, was das Kopfballspiel der unterdurchschnittlich kleinen Kirchheimer Truppe verbessern soll. Darüber hinaus gibt‘s zur neuen Saison einen zweiten Assistenz- sowie einen neuen Torwarttrainer (Walter Eschenbächer ersetzt Imdat Korkmaz) in Krafts Team. Wer der zweite „Co“ wird, ist noch offen, allerdings geht Kraft stark davon aus, dass Oliver Otto, sozusagen als erster Vize, weitermacht.

Der VfL hat vier Tage nach dem 3:3 gegen Kehl morgen Abend gleich das nächste Heimspiel vor der Brust. Ab 19 Uhr geht‘s am Mittwoch gegen die Spvgg Neckarelz, die auf Platz fünf mit Abstand bester Aufsteiger in dieser Saison ist, den VfL im Hinspiel im Oktober mit 3:0 abwatschte. „Die können wir nicht einfach im Hurra-Stil weghauen“, so Kraft, „nachdem wir in den letzten beiden Spielen sechs Gegentore kassiert haben, müssen wir hinten erst mal den Laden dicht machen.“ Personell stehen Kraft für dieses Vorhaben – die drei Langzeitverletzten Kauffmann, Laible und Klotz ausgenommen – alle Kaderspieler zur Verfügung.

Doch egal, wer morgen aufläuft: Auf der Tribüne wird‘s wieder genügend Leute geben, die anders aufgestellt hätten. Wetten, dass?