Kraftsport
Kraftpaket mit Köpfchen und Kittel

Zwischen Klinikalltag und Wettkampfbühne: Franziska Weil meistert den Spagat zwischen Assistenzärztin und Profi-Bodybuilderin.

Franziska Weil gibt alles für ihren Sport. Foto: pr

Wenn Franziska Weil um 3.45 Uhr den Wecker ausschaltet, beginnt ihr Tag nicht mit dem Job, sondern mit Krafttraining. Während andere noch tief schlafen, hat die 30-Jährige ihre erste Einheit meist schon hinter sich. „Ich trainiere am liebsten frühmorgens, wenn es ruhig ist und ich ganz bei mir sein kann“, sagt sie. Wenig später tauscht sie die Sportklamotten gegen den Arztkittel und steht ihren Patien­tinnen und Patienten in der Rheumatologie der Medius-Klinik in Kirchheim mit Rat und Tat zur Seite. Denn die 30-Jährige ist nicht nur junge Assistenzärztin, sie ist auch professionelle Bodybuilderin, Deutsche Meisterin und Teilnehmerin an einer Weltmeisterschaft. Eine Kombination, die auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, für Franziska aber ganz selbstverständlich ist: „Beides – die Medizin und der Sport – haben für mich gleichzeitig angefangen und hängen eng zusammen. Das eine gibt mir Kraft für das andere.“

Erst Fußball, dann Fitness

Dass sie einmal Ärztin werden würde, war jedoch keineswegs vorherbestimmt. Die junge Frau, die heute so strukturiert und zielstrebig wirkt, befand sich damals auf der Suche nach sich selbst. Sie begann ein Studium der Neurowissenschaften in London, wechselte später zum Bereich Wirtschaft in Frankfurt – doch nichts davon erfüllte sie. Es brauchte einen Neustart. „Ich hatte ein gutes Abitur, war immer sportlich und interessiert an Gesundheit, also dachte ich, ich probiere es mit Medizin.“ Sie absolvierte ein Pflegepraktikum, bewarb sich in Tübingen. Und wurde angenommen.

Franziska Weil arbeitet hauptberuflich in der Medius-Klinik Kirchheim. Foto: pr

Gleichzeitig suchte sie auch sportlich nach einem neuen Ziel. Die einst leidenschaftliche Fußballerin wechselte daraufhin vom Rasen ins Fitnessstudio. Dort traf sie auf eine Athletin, die Bodybuilding-Wettkämpfe bestritt. „Das hat mich inspiriert. Ich wollte wieder mit meinem Körper arbeiten, nicht gegen ihn“, erzählt sie.

Zwei Extreme treffen aufeinander

Heute trainiert sie bis zu fünfmal pro Woche, in Diätphasen kommt tägliches Cardio hinzu – alles stets vor der Frühschicht in der Klinik. Auch die Ernährung ist bis ins kleinste Detail geplant. „Meine Kollegen schauen oft neidisch auf meine bunten Boxen“, sagt sie lachend. Der Sport sei für sie kein Muss, sondern ein Geschenk: „Für mich ist das Training wie eine Meditation. Ich kann den Kopf freibekommen, das ist mein Ausgleich.“

Was jedoch für Außenstehende nach einem Spagat zwischen zwei Extremen klingt, hat für Franziska erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. „Alles, was ich im Studium über Stoffwechsel, Ernährung und Muskelphysiologie gelernt habe, kann ich im Sport anwenden. Und umgekehrt fiel mir das Lernen leichter, weil ich es im Training gespürt habe.“ Und auch menschlich profitiert sie. Denn Bodybuilding, so sagt sie, formt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist. „Ich habe gelernt, Frustration auszuhalten. Geduldig zu sein. Und an mich zu glauben, selbst wenn es andere nicht tun.“

Mittlerweile hat Franziska Weil zahlreiche Erfolge gefeiert: Sie ist Deutsche Meisterin, erreichte internationale Topplatzierungen und holte bei der Bodybuilding-Weltmeisterschaft einen beeindruckenden siebten Platz. Doch das größte Geschenk sei nicht die Medaille, sondern die persönliche Entwicklung, sagt sie. „Der Sport hat mich stärker gemacht – körperlich und mental.“

Kirchheim statt Salzburg

Ursprünglich wollte die 30-jährige Sportskanone Unfallchirurgin werden, ein entsprechendes Angebot aus Salzburg lag bereits auf ihrem Tisch. Doch eine „versehentliche“ Bewerbung in der Rheumatologie brachte alles Weitere schließlich ins Rollen. „Heute kann ich aus Überzeugung sagen: Es war das Beste, was mir passieren konnte.“ Inzwischen ist sie Co-Autorin eines medizinischen Fachbuches, präsentiert spezielle Fälle vor zahlreichem Publikum und ist Teil internationaler Fachprogramme.

Kilos stemmen und den Arztkittel tragen? Franziska Weil liebt das eine wie das andere. Foto: pr

Ob sie nun in absehbarer Zeit ihre Karriere als Wettkampf-Athletin beendet? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. „Ich bin mittlerweile an einem Punkt, an dem ich sagen kann: Wenn ich jetzt mit den professionellen Wettkämpfen aufhöre, gehe ich im Reinen mit mir selbst.“ Der Sport bleibt, sagt sie, „aber nicht mehr um jeden Preis“. Die Medizin habe ihr Herz endgültig gewonnen.