Fußball-Oberliga: VfL bezwingt Aufsteiger Neckarrems glücklich mit 2:1
Kriks und Huber die Helden des Tages

Die lateinische Redewendung Carpe diem ist das Motto von André Kriks – „Nutze den Tag“, lautet die Übersetzung, und der 19-jährige Stürmer des VfL Kirchheim handelte danach beim Fußball-Oberligaspiel gegen den VfB Neckarrems. Kriks (Spitzname „Knipser“) schoss beide Tore und war damit der Matchwinner zum glücklichen 2:1-Heimsieg gegen den ­Abstiegskandidaten.

Kirchheim. Die Erfahrenen Benjamin Barth und Michael Kümmerle waren nach Spielschluss die Ersten, die auf den jungen Mann mit der Rückennummer 9 zurannten und ihm mit einem Klaps auf die Schulter Anerkennung zollten. Aber auch die anderen Spieler wussten, bei wem sie sich für die drei Punkte zu bedanken hatten.

Kirchheims Retter Nummer zwei nach Kriks in einer über weite Strecken unansehnlichen Partie hieß Torwart Benjamin Huber. Ihm galt ein Sonderlob von Trainer Rainer Kraft: „Ohne ihn wären wir gnadenlos untergegangen.“ Mit Kriks und Huber sind die besten Spieler genannt. Daneben verdiente sich Mischa Welm als lautstarker Abwehrorganisator eine gute Note, während die übrigen Akteure der Offensivabteilung mehr Schatten als Licht verbreiteten. Chris­tian Kuhn und Abdulsamed Akin brachten kein Bein auf den Boden und wurden folgerichtig ausgewechselt. Sabri Gürol ließ nur einmal sein Können aufblitzen, als er im Fix aufs Tor zustrebte, und VfB-Schlussmann Zimmermann seinen Flachschuss nur mit Mühe zur Ecke abwehren konnte (17.). Uwe Beran punktete mit der Vorarbeit zu beiden Toren, leistete sich aber diesmal zu viele Ballverluste. Stürmer Mario Klotz machte nur mit einer leichten Gehirnerschütterung, die er sich bei einem Kopfballduell zuzog und die ihn zum Ausscheiden zwang (39.), von sich reden.

In der ersten Halbzeit war der VfB Neckarrems die tonangebende Mannschaft. Sie machte das Spiel und hätte eigentlich bis zur 39. Minute mit zwei Toren in Führung gehen können, wenn Huber nicht zweimal bei einem Kopfball von Zimmermann (14.) und einem Freistoß von Michele Ancona aus 22 Metern, den er an den Pfosten lenkte, hervorragend reagiert hätte (25.). VfL-Trainer Rainer Kraft flippte angesichts der trostlosen Vorstellung seiner Mannschaft fast aus. „Mehr anbieten, mehr Bälle fordern! Wir machen alle viel zu wenig“, rief er aufs Spielfeld.

Trotzdem hieß es zur Pause 1:0. Durch ein Tor aus heiterem, 26 Grad warmem Himmel. André Kriks war kaum eine Minute für den verletzten Klotz auf dem Platz, als er mit seiner ersten Ballberührung auf Vorlage von Uwe Beran sein erstes Oberligator überhaupt erzielte. Ausschlaggebend war die bemerkenswerte Antrittsschnelligkeit des Torschützen, der seinem Gegenspieler mühelos davonlief und unaufgeregt vollstreckte.

„Dieses Tor war ein Knackpunkt für unsere Mannschaft. Die Spieler waren in der Halbzeit sehr niedergeschlagen“, berichtete Trainer Markus Koch später. Fast hätte der VfB auch noch das zweite Gegentor kassiert, als Kuhn nach einem Traumpass von Beran auf und davonzog, aber das leere Tor verfehlte (55.). Stattdessen fiel das 1:1 in der 69. Minute durch einen 18-Meter-Freistoß von Del Genio, bei dem Benjamin Huber sein einziger Fehler unterlief. Der VfL-Keeper spekulierte auf einen Heber über die Mauer, doch der Ball kam scharf in die Torwartecke und erwischte Huber auf dem falschen Fuß. Schon zwei Minuten später machte er den Lapsus wieder wett, als er sich Berkowitsch mutig vor die Füße warf.

In der 83. Minute profitierte der VfL vom unebenen Rasen im eigenen Stadion. Barths Zuspiel nach Vorarbeit von Beran veränderte die Richtung so günstig für Kriks, dass der Youngster mit seinem zweiten Treffer den VfL-Sieg perfekt machen konnte. Eine Minute vor Schluss hatte Kriks sogar sein drittes Tor auf dem Fuß, verfehlte jedoch den Kasten nur knapp. Worüber sich Kraft mächtig erregte: „Der Junge muss froh sein, dass ich ihn nicht in der Luft zerreiße, weil er nicht quer gespielt hat.“