Wenn die internationale Para-Biathlon-Elite vom 8. bis 11. Januar im Nordic Center Notschrei im Südschwarzwald zum Weltcup zusammenkommt, rückt eine Athletin besonders in den Fokus: Linn Kazmaier. Die 19-jährige Oberlenningerin von der Skizunft Römerstein zählt mit ihrem Guide Florian Baumann aus Balzholz (SZ Uhingen) zu den prägenden Gesichtern des Heimweltcups und steht exemplarisch für die sportlichen Ambitionen der Gastgeber wenige Wochen vor den Paralympischen Spielen, die vom 7. bis 15. März im italienischen Val die Fiemme stattfinden.
Für den Weltcup am Notschrei haben 17 Nationen ihre Meldungen abgegeben, doch die Aufmerksamkeit richtet sich am Notschrei nicht zuletzt auf die junge Frau mit Sehbehinderung, die auf ihrer Trainingsstrecke ein weiteres Ausrufezeichen setzen will. Kazmaier gehört trotz ihres jungen Alters längst zur Weltspitze im Para Ski nordisch. Ihre Vielseitigkeit, ihre Konstanz und ihre bemerkenswerte Entwicklung haben sie zu einer der Hoffnungsträgerinnen im deutschen Aufgebot gemacht. Der Heimweltcup besitzt für sie eine besondere Bedeutung. Auf den anspruchsvollen Loipen des Bundesstützpunkts, die sie aus zahllosen Trainingseinheiten kennt, trifft sportlicher Ehrgeiz auf emotionale Verbundenheit. Familie, Freunde und Wegbegleiter verfolgen ihre Rennen vor Ort – ein zusätzlicher Antrieb in einer Phase der Saison, in der jede Leistung doppelt zählt.
Der Weltcup am Notschrei bildet den ersten Teil eines intensiven Heimspiel-Doppels für die deutsche Mannschaft. Nach dem Auftakt im kanadischen Canmore im Dezember, bei dem das Team nur in reduzierter Besetzung antrat, präsentiert sich die Nationalmannschaft nun nahezu komplett. Für Kazmaier und ihre Teamkolleginnen und Teamkollegen geht es dabei nicht allein um Spitzenplätze, sondern um die endgültige Absicherung der Startplätze für die Paralympics in Val di Fiemme. Die Qualifikationsnorm – ein Weltcup-Rennen mit maximal fünf Prozent Rückstand auf Rang drei – rückt dabei besonders in den Mittelpunkt.
Während der Konkurrenzkampf bei den Männern angesichts der begrenzten sieben Quotenplätze besonders ausgeprägt ist, stellt sich die Situation bei den Frauen übersichtlicher dar. Für Linn Kazmaier bedeutet das dennoch keine Entlastung. Die Erwartungen an sie sind hoch, ihr eigener Anspruch noch höher. Ihre bisherigen Saisonleistungen unterstreichen, dass sie dieser Rolle gerecht wird. Der Heimweltcup bietet die Bühne, um die Form zu bestätigen und zugleich Selbstvertrauen für den Saisonhöhepunkt im März zu sammeln.

