Parasport
Linn Kazmaier: Zwischen Kampfgeist und Kant

Biathletin Linn Kazmaier aus Lenningen bereitet sich derzeit im Trainingslager in Livigno auf die anstehenden Aufgaben vor. Und das sind einige.

Linn Kazmaier (links) und Florian Baumann wollen bei den Paralympics so gut wie möglich performen. Archivfoto: Ralf Kuckuck/DBS

Im Sommer ist es erfahrungsgemäß etwas ruhiger um Linn Kazmaier. Ist die 19-Jährige doch vornehmlich im Schnee unterwegs. Doch auch ohne die weiße Pracht war die Lenningerin überaus fleißig. „Ich habe ziemlich viel Grundlagentraining absolviert, um ein gutes Gerüst für den Winter aufzubauen“, erklärt die Gymnasiastin. Während sie einerseits die Schulbank drückt, ist sie andererseits oft auf den Skates unterwegs. So zum Beispiel beim City-Biathlon in Dresden, einer Art Show-Wettkampf, wo sie im Teamsprint den Sieg holte. Aber auch bei der deutschen Meisterschaft im Langlauf und Biathlon, die in Oberhof in der Skihalle stattfand, landete sie zweimal auf dem obersten Treppchen. „Da lief es noch viel besser als ich erwartet hatte“, war sie von ihren Leistungen im Langlauf-Sprint und im Biathlon-Sprint selbst ganz begeistert. Doch während in den Sommermonaten der Spaßfaktor noch eine größere Rolle spielt, geht es nun wieder richtig ernst zur Sache.

Vor Kurzem standen die ersten Leistungstests an, seitdem lag der Fokus auf dem Training in Freiburg, bevor es nun bis zum 23. November gemeinsam mit der deutschen Nationalmannschaft ins italienische Livigno ging. „Da steht vor allem die Schneegewöhnung im Vordergrund. Und wir machen viel Ausdauertraining.“ Auch das Schießen soll in den Alpen nicht zu kurz kommen. „Allerdings haben wir im Hotel keine Schießstand, weshalb wir Trockentraining machen“, erklärt Linn Kazmaier. Die Wintersportler bauen sich quasi ihren Schießstand im Hotel selbst, können die Situation im Wettkampf allerdings nur bedingt simulieren. „Es kann schon sein dass wir dann ein paar Treppenläufe machen, bevor wir zielen. Aber es macht schon einen großen Unterschied, ob ich einen kurzen Sprint einlege und dann schieße, oder ob ich mich im Wettkampf über einen längeren Zeitraum anstrenge. Da kann ich die Belastung viel besser steuern“, erklärt die 19-Jährige. Mit einer Herzfrequenz von etwa 190 kommt sie üblicherweise an den Schießstand. „Ich bin grundsätzlich jemand, der einen recht hohen Puls hat“, sagt die Lenningerin. In der Spitze komme sie auf etwa 215.

Deutlich darunter liegen dürfte die Herzschlagzahl, wenn sie nebenher noch den Schulstoff büffelt. Auch eine Klassenarbeit steht während des Trainingslagers in Italien an. „Es ist Ethik. Da geht es gerade um Utilitarismus und Immanuel Kant.“ Im Hinterkopf hat die 19-Jährige aber immer das große Ziel für diesen Winter, die Paralympics vom 7. bis zum 15. März. Die Biathlon- und Skilanglauf-Wettkämpfe finden In Val die Fiemme statt, wo sich Linn Kazmaier bereits zu Beginn des Jahres einen Eindruck vom renovierten Langlaufstadion von Lago di Tesero und den neuen Loipen gemacht hat. „Da kenne ich mich inzwischen schon aus. Das ist ein Vorteil“, weiß die Lenningerin.

Im Sommer ging es für das Duo auf die Skates. Foto: pr

Den Weltcup in Kanada im Dezember lässt die 19-Jährige sausen. „Mein Fokus liegt auf den Paralympics, und ich habe ohnehin nicht den Anspruch im Gesamtweltcup vorne zu laufen.“ Lieber legt sie nochmal ein Trainingslager ein, ehe am letzten Tag vor den Weihnachtsferien noch eine Matheklausur wartet. Die Feiertage verbringt die Ausnahmesportlerin bei der Familie in Lenningen, bevor es zu einem City-Biathlon auf Schalke geht. Am 8. Januar steht dann der Heim-Weltcup in Notschrei im bayrischen Wald an, und dann geht es nach Polen. „Ich werde natürlich schauen, dass ich bis dahin gesund bleibe, denn ich möchte bei den Paralympics so gut wie möglich performen“, gibt sich die 19-Jährige kämpferisch. Mit dabei ist natürlich auch ihr Guide Florian Baumann aus Balzholz, der sich schon auf die Wettkämpfe freut: „Für mich gibt es ja auch immer eine Medaille.“