Weilheim/Kirchheim. Viereinhalb Kilometer trennen die Sportplätze, 14 Punkte die Mannschaften und am Sonntag 180 Minuten die jeweiligen Gefühlswelten: TSV Weilheim II und TSV Jesingen II stehen vor dem wohl spannendsten Spieltag der laufenden Kreisliga-Saison.
Wer den Rechenschieber rausholt, weiß auch, warum: Gewinnt Tabellenführer Weilheim (56 Punkte) sein Heimspiel gegen den AC Catania Kirchheim II und Verfolger TSV Jesingen II (42) gewinnt daheim nicht gegen den SV Nabern, ist der TSVW fünf Spieltage vor Saisonende Meister. Mehr noch: Sollte Nabern Jesingen schlagen, rückt der SVN, mit 37 Zählern aktuell Tabellendritter, bis auf zwei Zähler an den TSVJ II heran.
Als wäre das nicht bereits aufregend genug, finden die Partien in Weilheim (Anpfiff um 15 Uhr) und Jesingen (17 Uhr) auch noch zeitversetzt statt. Hintergrund ist ein U 12-Turnier in den Lehenäckern, das bis in den frühen Nachmittag dauert und so den ursprünglichen Anpfiff um 13.15 Uhr unmöglich macht – ein Umstand, der für zahlreiche Zaungäste aus Weilheim beim Jesinger Kick sorgen dürfte. „Sollten wir gewinnen, werden wir sicher nach Jesingen fahren und zuschauen“, sagt TSVW-Trainer Jürgen Fritsch, der von offiziellen Feiervorbereitungen für den Fall der Fälle übrigens nichts weiß: „Wenn, dann planen die Jungs das in Eigenregie“, lacht er, „ich zumindest habe für Montag keinen vorsorglichen Urlaub genommen.“
Dass er sich allzu frühen Meisterlorbeer verbittet, hat seinen Grund: Schließlich wurde sein Team vergangene Saison noch am letzten Spieltag von der TG Kirchheim von Platz eins verdrängt. Ob die Dominanz der Weilheimer in dieser Saison Ursache oder Wirkung des letztjährigen Fiaskos ist, sei dahingestellt. Anerkennung verdienen 18 Siege und zwei Remis aus 20 Saisonspielen allemal – findet auch Fritsch: „Wie die Mannschaft dem Druck bisher stand gehalten hat, ist topp.“ Wer jedoch glaubt, der designierte Meister würde den sonntäglichen Gegner AC Catania II unterschätzen, sieht sich getäuscht. Fritsch lässt sich vom letzten Tabellenplatz der Bezirksligareserve nicht blenden. „Die sind viel besser, als es die Tabelle weiß machen will“, sagt er – Beweis: der knappe Weilheimer 4:3-Sieg im Hinspiel, der erst kurz vor Schluss per Elfmeter gelang.
Ein Blick auf die Vorrunde lohnt auch beim Duell Jesingen II gegen Nabern. 1:3 hieß es damals aus SVN-Sicht, was Trainer Axel Maier übermorgen nur allzu gerne ausmerzen will. „Unser Ziel ist, alle Mannschaften zu schlagen, gegen die wir in der Hinrunde verloren haben.“ Gelänge dies am Sonntag in den Lehenäckern, hätten die Naberner den Neun-Punkte-Rückstand, den sie zur Winterpause auf Jesingen hatten, auf zwei Zähler verkürzt – entsprechend groß das Selbstbewusstsein. „Wenn wir gewinnen, bin ich mir sicher, dass wir Platz zwei noch packen“, glaubt Maier, der die momentane Stärke seines Teams mit der „super Vorbereitung“ begründet. „Im Winter haben alle mitgezogen und wir sind auch von Verletzungen verschont geblieben“, freut sich der SVN-Trainer, der pikanterweise selbst in Jesingen wohnt. Wie er seinen „Landsleuten“ übermorgen in die Suppe spucken will, weiß er bereits: „Hinten reinstellen ist nicht unser Ding“, so Maier, „wir wollen vorne die Tore machen und hinten hilft dann der liebe Gott.“
In Jesingen war unter der Woche Wundenlecken angesagt, das Team um Spielertrainer Marc Augustin musste die 1:2-Pleite in Unterlenningen vom vergangenen Sonntag verdauen. „Die Stimmung war schon geknickt“, so Augustin, „aber dafür haben die Jungs gut trainiert und alle sind gewillt, es am Sonntag besser zu machen.“ Dass dann unter den Zuschauern Dutzende Weilheimer sein könnten, beschäftigt den TSV-Coach kaum. „Das ist mir ehrlich gesagt völlig egal, das Thema Meisterschaft ist eh schon durch.“
Ganz im Gegensatz zum Kampf um Platz zwei, der bekanntlich zur Relegation berechtigt. Augustin betont: „Wir bekommen kein Nervenflattern. Bei der Niederlage in Unterlenningen hatten wir einfach einen schlechten Tag.“ Der Coach setzt am Sonntag auf die Routine seiner Mannschaft, in der etliche Spieler mit Bezirksligaerfahrung sind. Nichtsdestotrotz muss er zugeben: „Wir haben mehr zu verlieren als Nabern.“
Nutznießer einer SVN-Niederlage in Jesingen gäbe es übrigens auch: der TSV Holzmaden liegt nur drei Punkte hinter Nabern, hat dabei das deutlich bessere Torverhältnis. Bei eigenem Sieg über Schlierbach und gleichzeitiger Nabern-Pleite, wären die „Saurier“ neuer Tabellendritter.
