Infrastruktur
Mehr als Basketball: Knights sehen neue Halle als Chance für ganz Kirchheim

Profi-, Vereins- und Schulsport sowie Veranstaltungen: Beim „Stadtgespräch“ in der Linde verweisen die Knights-Verantwortlichen einmal mehr auf den Mehrwert eines Neubaus.

Viele Richtungen, eine Entscheidung: Die Diskussion um eine neue Halle in Kirchheim bündelt unterschiedliche Bedürfnisse. Foto:
Viele Richtungen, eine Entscheidung: Die Diskussion um eine neue Halle in Kirchheim bündelt unterschiedliche Bedürfnisse. Foto: KI-generiert/ChatGPT

Beim „Stadtgespräch“, der vom Bürgertreff im Mehrgenerationenhaus Linde monatlich organisierten Talkrunde, haben die Kirchheim Knights ihre Position in der Hallendebatte bekräftigt und zugleich für mehr Rückhalt aus Politik und Gesellschaft geworben. Im Mittelpunkt des rund 90-minütigen Austauschs mit interessierten Bürgern stand neben Rückblicken auf die 20-jährige Ritter-Geschichte vor allem die Frage, wie es mit dem Profibasketball-Standort Kirchheim weitergeht.

Planungsmittel: Antrag noch vor der Sommerpause

Das Geschäftsführer-Duo Bettina Schmauder (Finanzen) und Chris Schmidt (Sport) machte einmal mehr deutlich, dass die Zeit drängt. Hintergrund sind die Lizenzauflagen der 2. Liga: Spätestens ab der Saison 2028/29 wird eine Halle mit Tribünen auf allen vier Seiten und Platz für mindestens 2000 Zuschauer benötigt. Um eine Übergangsregelung von maximal zwei bis drei Jahren nutzen zu können, müsste bis 2028 ein verbindlicher Baubeschluss vorliegen.

Im Gemeinderat soll noch vor der Sommerpause ein Antrag auf Freigabe der im Haushalt eingestellten 40.000 Euro für weiterführende Planungen gestellt werden, voraussichtlich in der Sitzung im Juni. Voraussetzung dafür ist ein konkretes Konzept für die Verwendung der Mittel.

Enge Verzahnung mit dem VfL

Die Knights verstehen sich dabei als Teil eines Systems. „Wir sehen Kirchheimer Basketball als Einheit“, betonte Bettina Schmauder mit Blick auf die enge Verzahnung mit der VfL-Abteilung. Der Profibereich sei Voraussetzung dafür, dass die umfangreiche Nachwuchsarbeit überhaupt in diesem Maß möglich ist. „Das eine wird es ohne das andere nicht geben“, so Schmauder. Fiele der Profibereich weg, würde darunter auch die Jugendarbeit leiden, nicht zuletzt wegen fehlender finanzieller Mittel und Vorbilder wie Nil Failenschmid, das Kirchheimer Eigengewächs, das sämtliche VfL-Nachwuchsteams durchlaufen hat und mittlerweile feste Größe bei den Knights ist.

Letzter bei den Zuschauereinnahmen

Gleichzeitig verwiesen Schmauder und Schmidt auf strukturelle Grenzen. Trotz sportlichen Erfolgs – die Knights gelten seit Jahren als „Überperformer“ in der Liga – bleibe das wirtschaftliche Wachstum begrenzt. Hauptgrund sei die Hallensituation. Während andere Standorte einen deutlich höheren Anteil ihrer Einnahmen über Ticketing generieren (können), liege dieser in Kirchheim bei nur rund zehn Prozent, die restlichen 90 kommen über Sponsoren. „Wir sind bei den Zuschauereinnahmen Letzter“, so Schmidt, „nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern wegen der Halle.“ Die regelmäßig ausgetragenen Eventspiele in Göppingen mit mehreren tausend Zuschauern zeigten hingegen das vorhandene Potenzial.

Vor diesem Hintergrund treiben die Knights die Suche nach einer Lösung weiter voran. Zur Debatte steht eine als „mittlere Variante“ titulierte Dreifeldhalle für 2700 Zuschauer, die den Lizenzauflagen der 2. Liga entspräche und für knapp 19 Millionen Euro am Parkplatz des Schlossgymnasiums gebaut werden soll.

Angesichts fehlender Fördermittel des Landes und der finanziellen Not der Stadt rückt dabei zunehmend ein Investorenmodell in den Fokus. „Wenn die öffentliche Hand nicht bauen kann, müssen wir andere Wege denken“, verdeutlichte Bettina Schmauder. Voraussetzung sei allerdings, dass die Stadt als Partner eingebunden bleibe, etwa über die Nutzung für Schul- und Vereinssport.

Impulse für Innenstadt, Gastronomie und Handel

Ein solches Projekt hätte aus Sicht der Verantwortlichen einen deutlich breiteren Nutzen. Neben den dokumentierten Bedarfen im Schul- und Vereinssport sowie den Anforderungen des Profibereichs verweisen die Knights auch auf den Veranstaltungssektor. „Es gibt in der Region eine Lücke zwischen kleinen Hallen und großen Arenen“, beruft sich Chris Schmidt auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie von 2024. Eine multifunktionale Halle könnte diese Lücke schließen und zusätzliche Impulse für Innenstadt, Gastronomie und Handel setzen.

Die Ausgangslage sei grundsätzlich günstig: „Wir haben vier Säulen: Schulsport, Vereinssport, Profisport und Veranstaltungen“, so Chris Schmidt. Unter diesen Voraussetzungen lasse sich eine Halle auch wirtschaftlich betreiben. Entscheidend sei jedoch, dass diese Zusammenhänge auch politisch und gesellschaftlich anerkannt würden. „Die Chance gibt es nur jetzt“, warnte er.

Entsprechend formulierten die Knights-Verantwortlichen auch ihre Erwartungen. „Wir wünschen uns mehr Unterstützung aus dem Gemeinderat und laute Stimmen aus der Bevölkerung“, sagte Bettina Schmauder. Wichtig sei vor allem die Erkenntnis, „dass so eine Halle ein Mehrwert für ganz Kirchheim wäre“.

 

Kommentar: Stadtgespräch, das keines ist

Es ist eine der auffälligsten Beobachtungen des „Stadtgesprächs“ in der Linde: Zuhörer zeigen sich überrascht von Zusammenhängen, die seit Monaten öffentlich diskutiert werden. Vom Einfluss des Profibereichs auf die Jugendarbeit. Vom wirtschaftlichen Druck durch die Hallensituation. Vom möglichen Mehrwert einer Halle über den Sport hinaus.

Man reibt sich ein wenig die Augen. Denn neu ist das alles nicht, im Gegenteil: Es wurde berichtet, eingeordnet, kommentiert. Und trotzdem entsteht der Eindruck, als beginne die Debatte immer wieder von vorn. Dazu gehört auch ein Narrativ, das sich hartnäckig hält: dass es bei der Hallenfrage in erster Linie um eine Spielstätte für den Profisport gehe. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass diese Verkürzung der Komplexität des Themas nicht gerecht wird.

Das ist weniger ein Vorwurf als eine Beobachtung. Klar, die Hallendebatte ist komplex, sie berührt Sport, Finanzen und Stadtentwicklung zugleich. Wer sie nicht kontinuierlich verfolgt, kann schnell den Überblick verlieren. Und doch bleibt die Frage, warum es so schwerfällt, aus vielen Informationen ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

So entsteht eine seltsame Situation: Auf der einen Seite wächst der Zeitdruck. Auf der anderen wird immer noch um Grundlagen gerungen. Die Argumente sind da, aber sie erreichen ihr Ziel offenbar (noch) nicht. Und genau das macht eine ohnehin schwierige Entscheidung nicht leichter. Peter Eidemüller