Olympische Spiele
Micky Corucle macht das halbe Dutzend voll

Die Trainer-Legende betreut in Paris zum dritten Mal Weitspringerin Alina Rotaru-Kottmann bei den Spielen, war aber davor schon drei Mal beim größten Sportevent der Welt.

Optimistisch: Micky Corucle und Alina Rotaru-Kottmann bereiten sich aktuell noch im Trainingslager in der Slowakei auf die Spiele von Paris vor. Foto: pr

Wenn am Freitag die Olympischen Spiele in Paris beginnen, ist Micky Corucle noch gute 1300 Kilometer entfernt. Der Leichtathletik-Trainer aus Köngen befindet sich seit knapp einer Woche mit Weitspringerin Alina Rotaru-Kottmann im X-Bionic-Trainingszentrum im slowakischen Šamorín. „Wir isolieren uns. Niemand soll jetzt noch Einfluss auf Alina haben“, erklärt der 62-Jährige. Der Trainer des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes arbeitet inzwischen seit zehn Jahren mit der rumänischen Athletin aus Stuttgart zusammen, wobei der Beginn mehr durch Zufall zustande kam.

„Die Rumänen waren vor der EM in Prag hier im Trainingslager und haben mich gebeten, für sie nach einem Hotel zu suchen. Weil der Trainer von Alina so krank war, dass er nach Hause reisen musste, fragte der Verbands-Präsident mich, ob ich nach ihr schauen könnte“, berichtet er von Dezember 2014. „Für mich war das wie ein Weihnachtsgeschenk.“ Denn als Rotaru nach der EM einen neuen Trainer bekommen sollte, und dabei auch der eine oder andere renommierte Name im Spiel war, entschied sich die damals 21-Jährige für Micky Corucle. „Das hat mich schon ziemlich geehrt.“ Seither betreut er die beste rumänische Athletin, war mit ihr bereits bei den Olympischen Spielen in Rio und Tokio. Für den ehemaligen Sprinter nichts Neues, schließlich hatte er mit Tobias Unger schon einige internationale Erfahrung gesammelt. 2004 war er mit ihm bei den Spielen in Athen, 2008 in Peking und 2012 in London.

Nun steht Paris auf dem Plan. Für den Köngener Trainer, der jede Woche mit seiner Trainingsgruppe im Kirchheimer Stadion ist, kein Event, auf das er viel Wert legt. „Für mich gibt es keine unbeliebtere Veranstaltung als Olympia“, betont der 62-Jährige. „Die meisten Sportler sind doch nur Kanonenfutter“, schiebt er hinterher und erklärt: „Erst mal wird von der Presse extremer Druck erzeugt. Es zählen nur Medaillen. Werden die nicht geliefert, zählt der Athlet nicht. Das ist gerade so, als würde man sagen, man gibt nur einem Pulitzerpreis-Träger ein Interview“, regt sich der Köngener auf. „Und dann waren zum Beispiel im olympischen Dorf in Rio nicht mal die Häuser fertig. Es gab 16 Stockwerke, ohne Aufzug. Unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit werden Betten aus Karton bereitgestellt, und es gibt keine Klimaanlagen in den Zimmern. Die Funktionäre übernachten aber sicher in noblen Suiten. Ich schätze, deren Unterbringung ist teurer als die von 15.000 Athletinnen und Athleten.“ Er und sein Schützling sind im olympischen Dorf in Paris in Haus 5 untergebracht. Die genauen Gegebenheiten werden sie aber erst am kommenden Dienstag sehen, wenn sie von der Slowakei angereist sind. Dann hat die 31-jährige Weitspringerin noch bis Dienstag, 6. August, Zeit, um sich zu akklimatisieren.

Dann wird es ernst. Die Rumänin geht mit der achtbesten Weite der insgesamt 32 Athletinnen ins Rennen. „Beim Weitsprung kommt es auf viele Faktoren an. Wie ist der Tag gelaufen? Ist da vielleicht gerade eine kleine Böe beim Sprung? Und das nötige Quäntchen Glück darf auch nicht fehlen“, zählt Micky Corucle auf. Aus seiner Sicht haben theoretisch ganze 15 Frauen das Potenzial, eine Medaille zu gewinnen. „Wenn wir das Finale erreichen, bin ich zufrieden“, sagt Corucle. Ist Rotaru eine der zwölf Finalistinnen, darf sie am 8. August erneut antreten. Ihre Bestmarke liegt bei 6,96 Metern, die von Deutschlands Titelhoffnung Malaika Mihambo bei 7,30 Metern. „Zuletzt ist sie allerdings einen Meter kürzer gesprungen, weil sie neulich erst Corona hatte. Es ist also alles offen“, so der 62-Jährige, der seine Athletin jeden Tag mindestens einmal im Training sieht. „Manchmal auch zweimal.“ Wenn er also nicht in seinem Köngener Sportlershop in Sachen Laufschuhe und Einlagen berät, geht er seiner Trainertätigkeit nach. Häufig ist er auch im Kirchheimer Stadion anzutreffen. Und im Winter machte er Alina Rotaru-Kottmann dienstags in der KW-Halle fit. „Da habe ich bestimmte Matten und Zubehör und kann mit ihr Spezialsprünge machen, die im Olympia-Stützpunkt in Stuttgart nicht gehen“, sagt er.

Die beste rumänische Athletin geht also bestens vorbereitet in das Wettkampf-Highlight.