Gehandicapte Ötlinger in DM-Endrunde
Minimalziel: Kriftel schlagen

Bitter: Just zum DM-Finale fallen bei den Ötlinger Luftpistole-Schützen mit Mauro Badaracci und Yusuf Dikec gleich beide ausländischen Mannschafts-Stars aus. Doch TSV-Trainer Erwin Singvogel will in Paderborn aus der Not eine Tugend machen.

Kirchheim/Paderborn. Wenn die acht besten Bundesliga-Mannschaften am Wochenende im Paderborner Sportzentrum Maspernplatz zum 14. Mal ihren deutschen Luftpistole-Meister ermitteln, gelten vier übliche Verdächtige als aussichtsreichste Teilnehmer: Titelverteidiger SGi Waldenburg mit Nationalmannschaftsschütze Abdullah Ustaoglu, dazu SV Kelheim-Gmünd, SB Broistedt und PSV Olympia Berlin. Auch den TSV Ötlingen, Überraschungs-Zweiter der Südbundesliga-Vorrunde, hatten viele Insider ursprünglich auf der Rechnung, doch seit Sonntag ist dieser Kreis ziemlich geschrumpft. Weil die Rübholz-Schützen in Paderborn definitiv ohne die ausländischen Mannschaftsstars Mauro Badaracchi (27) und Yusuf Dikec (39) auskommen müssen, hat TSV-Trainer Erwin Singvogel das Ötlinger Ziel auf „Halbfinale“ herabgestuft. Vom ganz großen DM-Coup, nämlich der Goldmedaille, der die Ötlinger schon seit Jahren hinterher jagen, spricht auch Joachim Poppek vorerst nicht mehr. „Durch die Ausfällen von Badaracci und Dikec sind unsere Chancen in Paderborn kleiner. Jetzt wollen wir im Viertelfinale den SV Kriftel schlagen, um wenigstens ins kleine Finale einzuziehen“, sagt der TSVÖ-Abteilungsleiter.

Poppek ist, was Hiobsbotschaften in letzter Minute betrifft, ein gebranntes Kind: Just vor der Endrunde 2011 war Badaracci wegen einer Armverletzung ausgefallen. In diesem Jahr verbaut Italiens bestem Luftpistole-Schützen keine schwerwiegende Blessur, sondern die bevorstehende Europameisterschaft (14. bis 20. Februar im finnischen Vierumaeki) den Weg nach Paderborn: Die Teilnahme am Vorbereitungslehrgang der italienischen Nationalmannschaft ist absolute Pflicht. Ganz anders war der Fall bei Yusuf Dikec gelagert: Für den Türken im Militärdienst, der nächste Woche an den Landesmeisterschaften teilnimmt, scheiterte das DM-Vorhaben aufgrund eines fehlenden Flugplans. „Das Problem wäre nicht Dikecs Rückflug von Düsseldorf nach München geworden, sondern der Anschlussflug von München nach Istanbul und Ankara. Dikec wäre zu spät zu den türkischen Meisterschaften gekommen“, sagt Poppek, „und das wollten wir nicht.“ Zähneknirschend muss er nun auf die zwei größten Ringe-Garanten verzichten.

Wie groß die Ausfälle in der Achter-Endrunde mit zwei K.o.-Runden am Samstag und dem kleinen und großen Finale tags später letztlich wiegen werden für die ambitionierten Ötlinger, bleibt bis zum letzten Schuss ungeklärt. Sicher ist sich Erwin Singvogel darüber, dass seine Mannschaft vom Ausfallpech auch profitieren kann: „Angesichts der personellen Situation wird sie enger zusammenrücken. Vielleicht ist ja eine Überraschung möglich.“ Mit Leo Braun, seiner neuen Nummer eins, Patrik Lengerer, Jörg Kobarg, Markus Geipel, Achim Rieger und Stefan Scharpf als Ersatzschütze will der 52-jährige Trainer A-Lizenzinhaber den Nord-Dritten SV 1935 Kriftel schlagen. Verabreichte Motivationspille für seine Schützlinge: „Nach der 1:3-Niederlage im Viertelfinale 2011 haben wir mit denen noch eine Rechnung offen.“ Eine 50:50-Gewinnchance im Viertelfinale sieht Joachim Poppek („alles wird von der Tagesform abhängen“).

Nach einem Viertelfinalsieg, glaubtder Trainer, sei für die Ötlinger Mannschaft vieles möglich – wenn sie denn ihr Potenzial abrufe. Als Mutmacher für das mögliche Halbfinal-Duell gegen die SGi Ludwigsburg taugt für Singvogel auch jene Leistungsexplosion, die er neulich im Donnerstag-Training bei Achim Rieger erlebte: „Da hat Rieger nahezu sensationell 391 Ringe erzielt, so viele wie noch nie in der Liga.“ Singvogel („die Mannschaft hat gut trainiert in den letzten Wochen“) sieht seine Schützen gut gewappnet für Paderborn, wo sie an den Schießständen des Sportzentrums Maspernplatz vor allem eines bekommen werden: lautstarke Unterstützung von Ötlinger Schlachtenbummlern. „Rund 50 Leute fahren mit“, berichtet Poppek, „die Hotelzimmer sind bereits gebucht.“