Kindertraum Andrea Barths Kunstrad-Laufbahn begann mit acht – „davor habe ich Reiten, Schlittschuhlaufen und Turnen ausprobiert. Nichts davon hat mir großen Spaß gemacht“, berichtet sie. Kaum hatte sie ihr Vater 1980 das erste Mal ins Wendlinger Kunstrad-Training gebracht, da wusste die überaus ehrgeizige Klein-Andrea bereits, was sie später einmal werden wollte: „Weltmeisterin“. 14 Jahre später war sie‘s. Job-Frust Nachdem sie auf dem Wendlinger Rathaus Verwaltungsangestellte geworden war, trat sie Stellen bei diversen Krankenkassen an – in Kirchheim. Als sie 2004 nach Göppingen versetzt werden sollte, kündigte der eingefleischte Kirchheim-Fan Barth („atmosphärisch eine Superstadt“) frustriert und ging auf Weltreise, „ganz allein“, wie sie bemerkt. Der Rucksack-Trip nach Australien, Neuseeland und Bali geriet schließlich zur persönlichen Tour d‘horizon: Wieder daheim, ließ sie Büroarbeit Büroarbeit sein und begann in Waldenburg eine zweite Berufsausbildung zur staatlich anerkannten Sportlehrerin und Sporttherapeutin. Top-Fahrerin Mit ihren drei Titelgewinnen bei den Weltmeisterschaften 1994 (Saarbrücken), 1995 (Frankreich) und 1996 (Malaysia) ist Andrea Barth hinter der fünffachen WM-Siegerin Annemarie Flaig (Deckenpfronn) zu einer der erfolgreichsten deutschen Einer-Kunstradfahrerinnen aller Zeiten aufgestiegen. Daneben war Barth noch dreifache Vizeweltmeisterin, zweifache Europameisterin und fünffache Deutsche Meisterin. Kleines Geld Obwohl sie jahrelang auf Welt-Topniveau fuhr, verdiente Andrea Barth in ihrer (Amateur-)Sportart nie das große Geld. Nach ihrem zweiten EM-Titel bot ihr das kanadische Unterhaltungs-Unternehmen Cirque du Soleil 1990 einen lukrativen Vertrag als Zirkus-Fahrerin an – sie lehnte ab. „Da hätte ich in Ländern wie Japan vier bis sechs Monate lang bis zu zwei Mal täglich auftreten müssen. Das alles erschien mir damals zu riskant. Ich war ja erst 18.“ Später, als sie Showauftritte bei regionalen Turngalas und dem Teckboten-Presseball hatte, verdiente sie sich dann doch noch ein paar Euros hinzu. Verbundenheit Wann immer es ihre knappe Zeit erlaubt im bayerischen Wohnort Bruckmühl, reist Andrea Barth-März mit Familie im Wohnmobil zurück in ihre 250 Kilometer entfernte Ex-Heimat Wendlingen am Neckar: Eltern, Freunde und alte Bekannte besuchen. Bestimmte „sehr nette Menschen“ will sie auf gar keinen Fall missen: „Zur Volleyballabteilung des TSV Ötlingen habe ich immer ein besonders gutes Verhältnis gepflegt. Dort habe ich in meiner Kirchheimer Zeit öfters mitgespielt. Volleyball hat mir immer riesig Spaß gemacht.“
Mit acht Jahren wusste sie bereits, was sie einmal werden will
