Kirchheim. Wer ist höher: Die Achalm, der Hausberg der Reutlinger, oder die Teck? Das Lexikon beantwortet die Frage mit 775:707 Höhenmetern klar zugunsten des Wahrzeichens der Region Kirchheim. Auch in der Tabelle steht der VfL nach vier gewonnenen Spielen der letzten sechs momentan zwei Ränge über dem SSV, der wahrlich schon bessere Zeiten gesehen hat.
So soll es bleiben. VfL-Kapitän Chris Eisenhardt sagt: „Wir werden in Reutlingen anders auftreten als gegen Neckarrems. Wir werden enger an den Leuten sein und aggressiver in die Zweikämpfe gehen. Ich rechne uns drei Punkte aus.“ Ähnlich optimistisch hatte sich Trainer Rainer Kraft schon am Samstag nach dem bescheidenen Auftritt seiner „Wundertütenmannschaft“ geäußert.
Ihre Zuversicht ist der Tatsache geschuldet, dass der VfL bisher auswärts erfolgreicher abgeschnitten hat als zu Hause. 18 Punkten auf fremden Plätzen stehen 15 auf heimischem Terrain entgegen. Warum das so ist, erläutert Eisenhardt: „Wir sind mehr eine Kontermannschaft. Wir versuchen zwar, zu Hause immer das Spiel zu machen, aber wir können es noch nicht. Wir arbeiten weiter dran.“
Mit zwei dieser typischen Konter entschied der VfL das Spiel gegen Neckarrems zu seinen Gunsten. Dass der eingewechselte André Kriks beide Tore erzielte, kam nicht von ungefähr. Der 19-jährige Joker ist antrittsschnell und nervenstark. „Eine coole Socke“, sagt Kraft. Kriks ist in der Lage, seine Gegenspieler auf kürzeste Distanz zu überlaufen und zielsicher zu vollstrecken. Voraussichtlich wird er in Reutlingen von Anfang an spielen, zumal Mario Klotz am Samstag mit einer leichten Gehirnerschütterung ausgefallen und Maximilian Laible länger verletzt ist.
Die Reutlinger feierten mit 3:0 gegen den ASV Durlach erst den ersten Rückrundensieg. „Die Mannschaft ist unberechenbar und bei nur fünf Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz noch lange nicht über den Berg“, weiß Rainer Kraft. Mit einem Sieg würde der VfL ein dickes Polster zwischen sich und die kritische Zone legen. Es folgen ein weiteres Auswärtsspiel am Samstag in Freiberg und anschließend der nächste Heimauftritt gegen Hollenbach. Kraft: „Erst nach diesen Spielen kann ich eine Aussage treffen, wo es für uns in dieser Saison noch hingeht.“
Normal weiter geht‘s für Christian Kuhn. Der Stürmer hat sich beim Verein und beim Trainer für seinen Ausraster gegen Neckarrems, als er bei seiner Auswechslung mit einer vollen Trinkflasche vor Wut die Scheibe der Ersatzbank zerdepperte (wir berichteten), entschuldigt. Rainer Kraft hakte den Fall ab, meinte aber: „Er muss lernen, seine Emotionen besser in den Griff zu kriegen.“ Eindringliche Worte richtete der Trainer auch an den Zwischenrufer von der Tribüne, der Kuhn provoziert hatte: „Er hat mit dem Kauf einer Eintrittskarte zwar das Recht erworben, Kritik zu üben, aber nicht, Spieler zu beleidigen.“
