Notzingen. Anfang des Jahres war Ole Peters kurz davor, alles hinzuschmeißen. Irgendwie wollte es einfach nicht laufen mit den Radrennen. Der Auszubildende aus Wellingen, der am Dienstag seinen 18. Geburtstag gefeiert hat, fährt seit Ende 2023 in Diensten des Teams Walter Fensterbau – Marco Brenner aus Augsburg. „Erst mal war ich nur zum Schnuppern dort, weil ich ja vom Mountainbiken auf die Straße wechseln und Erfahrung sammeln wollte“, erzählt Ole Peters. Vermittelt hatte das sein Trainer Boris Griesinger vom Team MTB Teck.
Alle sechs Wochen durfte er mit dem Team trainieren, hinterließ allerdings gleich bei ersten Treffen keinen guten Eindruck. „Ich war krank, hab das aber niemandem gesagt, weil ich unbedingt mitmachen wollte.“ Da er nicht die gewünschte Leistung zeigen konnte, war die Begeisterung zunächst auch nicht so groß. „Erst wollten sie mich nicht, aber weil einer abgesprungen ist, durfte ich doch ins Team und habe einen Einjahresvertrag bekommen“, berichtet der U 19-Fahrer, der im ersten Rennen am 17. März in der Schweiz gleich mal bei Kilometer 30 stürzte. Dabei brach der Rahmen. Das zweite Rennen in Österreich bestritt er mit seinem privaten Rad, weshalb er im starken Teilnehmerfeld keine Chance hatte. Beim ersten Bundesliga-Rennen am 1. April kam er als 33. ins Ziel, eine Woche später wegen eines technischen Defektes gar als Letzter. „Ich war echt kurz davor, wieder aufzuhören. Die Motivation war komplett weg.“
Doch Aufgeben war nicht drin, also biss er die Zähne zusammen und fuhr beim nächsten Bundesliga-Rennen in Steinfurt als Dritter sogar aufs Podium. „Da war die Team-Taktik zum ersten Mal auf mich ausgelegt.“
Beim Bundesliga-Rennen in Karbach bei Würzburg holte er dann zum ersten Mal den Sieg. „Ich hatte zweieinhalb Minuten Vorsprung aufs Hauptfeld. Da wusste ich wieder, was ich kann.“ Das Führungstrikot in der Bundesliga gehört seit 9. Juni ebenfalls dem Wellinger. Nachdem er bei einem Rennen in der Schweiz drittbester Deutscher wurde, bei der Zeitfahr-DM 31. – „da hatte ich mir allerdings mehr erhofft“ – und Siebter bei einem Liga-Rennen im Erzgebirge, konnte ihm das Führungstrikot noch keiner streitig machen. „Momentan habe ich 80 Punkte Vorsprung“, sagt Ole Peters, der bei der deutschen Meisterschaft am Sonntag in Bad Dürrheim über 138 Kilometer und 1700 Höhenmeter erneut eine gute Rolle spielen will.

