Die Sorgen bei den Knights werden vor dem Saisonfinale nicht weniger
Mit Haut und Haaren

Der Vorrat an Glück scheint aufgebraucht. Vor dem finalen Doppelspieltag in der Pro A hat das Flagschiff der Kirchheimer Basketballer bedrohlich Schlagseite. Spielmacher Bryan Smithson angeschlagen, DJ Byrd seit Samstag außer Gefecht – da helfen nur noch ungewöhnliche Maßnahmen.

Kirchheim. Was seine Frau davon hält, wissen wir nicht. Sie dagegen weiß: Er ist der, der den Kopf hinhält, wenn etwas schiefläuft. Dass dies neuerdings auch im Erfolgsfall gilt, dürfte sie überrascht haben. Sollten seine Jungs am Sonntag den Einzug in die Play-offs schaffen, wird Frenkie Ignjatovic zumindest für drei weitere Spiele mit kahlrasiertem Schädel auf der Trainerbank sitzen. Als „Head­coach“ im besten Sinn greift Ignjatovic zum Äußersten.

Daraus mag die Erkenntnis sprechen, dass die Chancen auf die Finalrunde schon einmal besser standen, auch wenn der 47-jährige Serbe nicht als auffallend eitel gilt. Fair ist der Deal mit der Haarpracht allemal. Zwar hat es die Mannschaft seit Samstag nicht mehr selbst in der Hand, ob der Trainer im Obergeschoss blankziehen muss. Mit zwei Siegen am Freitag daheim gegen Gießen und am Sonntag in Gotha wäre das Haupt des Anführers jedoch gewaltig in Gefahr.

„Zwei Siege und wir sind dabei“, so die Überzeugung Ignjatovics, der ohne den verletzten Diego Kapelan nicht an einen Essener Sieg am Freitag in Heidelberg glaubt. Sollte er recht behalten, stünde ein Sonntags-Krimi im Programm. Dann käme es zum erhofften Dreier-Vergleich zwischen den Teams aus Kirchheim, Essen und Gotha. Umgekehrt gilt: Verlieren die Knights bereits ihr Heimspiel gegen Gießen, sinken die Chancen auf ein Minimum. In diesem Fall dürfte keiner der beiden Konkurrenten mehr punkten.

An der Route auf dem Weg unter die besten acht hat sich für Ignjatovic und die Seinen seit Samstag also nicht viel verändert. An den Rahmenbedingungen dagegen schon. Nach Smithson und Rockmann hat am Samstag auch bei DJ Byrd das Verletzungspech hart zugeschlagen. Kirchheims bester Distanzschütze wird das Saisonfinale wohl von der Bank aus verfolgen müssen. Morgen soll eine Kernspinuntersuchung Klarheit über das Ausmaß des Schadens im Sprunggelenk bringen. Der Knöchel des 23-Jährigen, der nach einem Korbleger in den Anfangsminuten des Göttingen-Spiels unglücklich gelandet war, ist noch immer dick geschwollen. Eine Rückkehr am Wochenende aufs Spielfeld käme folglich einem Wunder gleich.

Während Rockmann inzwischen wieder beschwerdefrei trainiert und am Samstag ein solides Spiel bot, gilt die derzeit größte Sorge dem Spielmacher. Bryan Smithson laboriert noch immer an einer Zerrung im Oberschenkel, die er sich im Spiel gegen Chemnitz zugezogen hat. Dass der Kopf der Mannschaft in Göttingen nicht geschont wurde, lag auch an Byrds frühem Ausscheiden. In den gut 23 Minuten Spielzeit blieb Smithson mit neun Punkten und einer Korbvorlage ungewohnt blass. „Ihm fehlt die Spritzigkeit und Sprungkraft“, sagt der Coach, der hofft, dass sich dies bis Freitag noch bessert. Ignjatovic muss weiter improvisieren. Baumer und Speaks haben zuletzt gute Ansätze gezeigt, Kapitän Radi Tomasevic kürte sich in Göttingen mit 13 Punkten im Schlussviertel zum Kirchheimer Topscorer, und auch die Nachwuchskräfte Buntic und Joos haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, vor 3 000 Zuschauern beim Tabellenführer einen drohenden Untergang zu verhindern.

Es gibt also Alternativen. Ob dies gegen Gießen und Gotha reicht, bleibt abzuwarten. „Wir werden vermutlich nie erfahren, welches Potenzial wirklich in dieser Mannschaft steckt“, sagt Frenkie Ignjatovic. Sollte es für die Knights am Sonntag in Gotha doch noch Grund zum Feiern geben, wird auch er kein Haar mehr in der Suppe finden.