Lena Kolasinski und Robin Strohmaier wissen sofort, was mit dem T-Shirt zu tun ist. „Das ziehe ich gleich im nächsten Training an“, kündigen der Achtjährige sowie die um knapp fünf Jahre ältere Handballerin an. „Cool“ seien natürlich insbesondere die drei Unterschriften auf dem Shirt, sagt Lena Kolasinski. Das Dettinger Duo gehörte zu einer kaum enden wollenden Schlange von Kids, die beim SV-Cup für Autogramme bei den Stargästen des Events anstand. Michael Haaß (Handball-Weltmeister 2007), Birute Schaich (Sportliche Leiterin des Göppinger Frauen-Bundesligateams) sowie Nationaltorwart Daniel Rebmann sorgten am Sonntagmittag für ganz besonderes Flair beim lokalen Turnier-Klassiker auf dem Owener Sportgelände.
Nicht nur das freundliche Auftreten der drei Top-Sportler beim Shirt-Signieren lieferte reichlich Stoff für Frohsinn. In einer lockeren Talkrunde auf der Festzelt-Bühne hatte das Trio zuvor einen großen Bogen vom lokalen zum internationalen Handball gespannt. Die kommende Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland plus den Niederlanden bildete dabei einen Schwerpunkt. „Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke“, offenbarte Birute Schaich, deren Sohn im Übrigen auch unter den knapp 1500 teilnehmenden Kindern und Jugendlichen beim SV-Cup mitmischte. Just in Göppingen wird am 22. November die WM-Generalprobe des deutschen Teams mit einem Match gegen die Schweiz über die Bühne gehen. Deutschland startet nur vier Tage später in der Stuttgarter Porsche-Arena gegen Island ins Turnier.
Aus weiteren Gründen wirkte die einstige litauische Nationalspielerin positiv gestimmt: Wegen der ordentlichen Erstliga-Performance der Frisch-Auf-Handballerinnen als Aufsteiger (Platz acht in der Abschlusstabelle) sowie des allgemeinen Zuspruchs. „Wir hatten mit 2740 Besuchern sogar den besten Zuschauerschnitt aller Erstligaklubs“, berichtete sie am Mikrofon mit einem Lächeln auf den Lippen.
Was es bedeutet, eine Weltmeisterschaft im eigenen Land zu spielen, hat Michael Haaß vor mehr als 18 Jahren selbst erfahren. Der gebürtige Essener und heutige Esslinger wurde mit der deutschen Mannschaft Weltmeister. „Ich wünsche dem Frauenteam, dass es auch solch eine Begeisterung erfährt, wie wir sie damals erfahren haben“, formulierte der 120-fache Nationalspieler (s)einen speziellen Wunsch. An die großen Momente von einst kann sich Haaß noch gut erinnern: „Besonders an die Party nach dem WM-Sieg, da hatten wir jede Menge Spaß.“
Daniel Rebmann mischte bereits als Kind beim SV-Cup in Owen mit. Mittlerweile gilt der einstige Jugendspieler des TSV Wolfschlugen als gestandener Handballprofi, im Januar 2022 feierte er gegen Spanien sein Debüt als Nationalkeeper. Am letzten Bundesliga-Spieltag der vergangenen Saison widerfuhr dem damaligen Schlussmann der SG BBM Bietigheim dabei extrem Außergewöhnliches. Mit der SG verpasste Rebmann hauchdünn den Erstliga-Verbleib, den sicherte sich ausgerechnet der TVB Stuttgart, sein neuer Klub. „Das beste Szenario wäre sicher gewesen, wenn Wetzlar gegen Erlangen gewonnen hätte, dann wäre auch Bietigheim in der Liga geblieben, Erlangen stattdessen abgestiegen“, so Rebmann zum denkwürdigen Drama am 8. Juni. Kommende Woche geht es mit seinem neuen Team ins Zillertal, dort wartet ein Trainingslager.
Zu den gut gelaunten Personen gesellte sich kurz vor Ende des 33. SV-Cups auch Dietmar Kerner. Beim ersten Fazit fiel dem Vorstandsmitglied des TSV Owen nichts Negatives ein. „Wir hatten schon Höhen und Tiefen in Sachen Wetter“, rekapitulierte der Funktionär, diesmal hätten ganz einfach „perfekte Bedingungen“ geherrscht – weder Regen noch Gewitter, die Temperaturen blieben zudem bei unter 30 Grad im Schatten. „Keine besonderen Vorkommnisse“, vermeldete zudem ein erleichtert wirkender Timo Gökeler, im Cup-Organisationsteam unter anderem für die Koordination der Sicherheitsthemen zuständig. Nach einem unrühmlichen Vorfall im vergangenen Jahr mit juristischem Nachspiel für einige Festzeltbesucher, verlief diesmal wieder alles im grünen Bereich. „Das haben wir dem guten Zusammenwirken von Stadt, Polizei, Security und Verein zu verdanken“, konstatierte Gökeler.
150 Jugendmannschaften und 28 Hobbyteams mit insgesamt rund 2000 aktiven Spielerinnen und Spielern bildeten den sportlichen Rahmen, rund 30 Jungschiedsrichteranwärter aus dem Bezirk legten am Samstag ihre praktische Prüfung ab, Partys mit DJ Lally am Mischpult brachten am Freitag und Samstag jede Menge Geselligkeit, 250 Helferinnen und Helfer waren in Summe im Einsatz. „Einfach ein tolles Event“, resümierte Weltmeister Haaß beim Blick übers Owener Sportgelände. Solche Veranstaltungen zeigten, wie wichtig es sei, Sportangebote für Kids zu schaffen. Sätze, die das Organisationsteam von der HSG Owen-Lenningen gerne hört und die Ansporn für 2026 sein dürften. Die 34. Auflage des Klassikers ist dann erneut fürs zweite Juli-Wochenende terminiert.
Weitere Infos und Ergebnisse gibt es im Internet auf www.svcup-owen.de

