Kirchheim. Nach dem Schlusspfiff fielen sich die Spieler auf dem Rasen und die Betreuer an der Seitenlinie freudestrahlend um den Hals. Vor der Gegengeraden dankte die Mannschaft den Fans per Abklatschen für die lautstarke Unterstützung. Dann tanzten die Sieger ausgelassen auf dem Rasen und sangen „Humba, humba, täterä“, während die Göppinger mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen. Szenen, wie sie an der Jesinger Allee schon lange nicht mehr zu sehen waren.

Natürlich war gegen den Sportverein noch nicht alles Gold, was glänzte. In der ersten Halbzeit leistete sich der VfL Fehlpässe am laufenden Band. Nach vorne ging so gut wie nichts. Chancen? Fehlanzeige. Die hatten nur die technisch besseren Gäste. Glück für Sören Mende in der 12. Minute. Nach einer Notbremse an der Strafraumgrenze hätte er sich als letzter Mann nicht beschweren dürfen, wenn ihm der Schiedsrichter Rot statt Gelb gezeigt hätte. Dusel auch in der 18. Minute, als der Göppinger Lars Ruckh frei stehend über den Kasten ballerte.
Kein Glück dann in der 26. Minute: Zu kurze Faustabwehr von Kapitän Manuel Doll nach einer Ecke, Heber von Fabian Ammon über Freund und Feind hinweg zum 0:1 ins verlassene Tor. Sollte der VfL den Platz schon wieder als Verlierer verlassen?
Wild entschlossen, nicht die nächste Niederlage zu kassieren, kam der VfL nach der Pause aus der Kabine. „Wir können nur über den Kampf gewinnen. Jeder muss hundert Prozent geben“, hatte ihnen Trainer Rueff eingetrichtert. Die Spieler setzten die Vorgabe in der zweiten Halbzeit noch konsequenter um als zuvor. Die kämpften mit Herz bis zum Umfallen. Auf dem tiefen und holprigen Boden das richtige Rezept.
Innerhalb von 70 Sekunden drehten die Blauen die Partie mit einem Doppelschlag. Erst köpfte Roberto Forzano eine Ecke zum 1:1 ein, dann traf Marcel Helber nach einem mutigen Solo. Von der Unterkante der Latte sprang der Ball zum 2:1 ins Tor.

„Die Mannschaft hat ihre Tugenden über neunzig Minuten konsequent durchgezogen“, lobte der neue Coach. Fügte aber gleich hinzu: „Wir haben in vielen Bereichen noch viel Arbeit vor uns.“ Wobei die Abwehr zeigte, dass sie schon einiges dazu gelernt hat. Die besten Noten verdienten sich Rechtsverteidiger Denis Marcelles und Sören Mende im Zentrum. Im Mittelfeld war Dauerrenner Marcel Helber am wirkungsvollsten, in der Offensive der zweifache Torschütze Roberto Forzano.
