Lokalsport
Nüchterne Analyse statt WM-Frust bei den Teck-Mountainbikern

Luca Schwarzbauer und Kira Böhm gehen bei den Titelkämpfen in der Höhe von Andorra leer aus. Ein Weltmeister-Titel bleibt trotzdem in der Region.

„Es ist, wie es ist“: Kira Böhm hat die verpasste WM-Chance nach Magenproblemen schnell abgehakt. Foto: Armin Küstenbrück

Keine Medaille für die Mountainbiker aus der Teckregion: Das ist die ernüchternde WM-Bilanz im Skigebiet von Pal-Arinsal im Pyrenäen-Zwergstaat Andorra. Dabei waren Hoffnungen darauf durchaus berechtigt gewesen: Die amtierende Europameistermeisterin Kira Böhm aus Weilheim führt die Weltcup-Gesamtwertung in der U23 sowohl im Shorttrack als auch über die olympische Distanz an. Luca Schwarzbauer konnte den Shorttrack-Weltcup bei den Männern vor einem Jahr auf knapp 2.000 Metern über dem Meer gewinnen. Doch am Ende gingen beide leer aus.

Bei Böhm war das durchaus absehbar: Seit dem Ende ihres Höhentrainingslagers in der Schweiz und Italien plagt sie sich mit Magenproblemen herum, die sie bis zuletzt nicht in den Griff bekommen hat. Am Sonntag musste sie einsehen: „Ich konnte heute einfach nicht ans Limit gehen. Das Rennen war die reinste Qual.“ Dabei sah es zu Beginn in dem etwas chaotischen Rennen, bei dem wegen einer Unwetterwarnung die U23- und die Elite-Frauen gemeinsam starten mussten, gar nicht so schlecht für sie aus: Nach dem harten Startanstieg kam sie als zweite U23-Fahrerin den Hügel herunter. Danach wurde sie jedoch bis zum Ende der zweiten von insgesamt fünf Runden bis auf Platz acht durchgereicht. Zu diesem Zeitpunkt lag sie bereits 1:35 Minuten hinter der späteren Doppelweltmeisterin, Isabella Holmgren aus Kanada, aber nur 24 Sekunden hinter deren Landsfrau Emily Johnston, die im Ziel den dritten Platz belegen sollte.

Doch Böhm kämpfte nicht nur gegen die schwere Strecke in Andorra, sondern auch gegen die aufkommende Übelkeit. Mit viel Willensstärke hielt sie ihre Position, verlor aber weiter Zeit auf das Podium. Im Sprint auf der zuschauergesäumten Zielgerade holte sich die 21-Jährige bei ihrer letzten Nachwuchs-Weltmeisterschaft den zwischenzeitlich verlorenen achten Platz zurück. „Letztes Jahr hätte ich mich über dieses Ergebnis riesig gefreut,“ meinte sie. Sie sei traurig, aber nicht tief enttäuscht. „Es ist, wie es ist.“

Luca Schwarzbauer hatte aus einem Fauxpas am Freitag beim Shorttrack gelernt. Der Medaillenaspirant über die Kurzstrecke hatte das Startsignal verpasst und war im Gedränge um die besten Plätze schnell bis auf Rang 22 zurückgespült worden. Schwarzbauer nannte seine Rot-Grün-Sehschwäche als Grund: Seit zwei Jahren werden die meisten internationalen Rennen mit Ampelanlagen gestartet. Doch während bei herkömmlichen Ampeln verschiedene Lichter leuchten, sind es bei den modernen Bildschirmen oft die gleichen Felder, die einfach die Farbe wechseln. Am Sonntag gelang ihm der Start deutlich besser. Als Erster stürmte er nach dem Start den Berg hinauf. Fast eine halbe Stunde lang diktierte der Schwabe den besten Mountainbikern der Welt das Tempo. Doch ein paar von ihnen konnten noch schneller – und nutzten ihre Chance, während Schwarzbauer mit weiterhin konstanten Rundenzeiten den Anschluss an die Spitzengruppe verlor.

„Das war absolut das, was ich heute maximal erreichen konnte,“ zeigte auch er sich nicht tief enttäuscht Am Ende wurde er als bester Deutscher Siebter, mit 1:55 Minuten Rückstand auf den Südafrikaner Alan Hatherly. Der Weltcup-Führende hatte in der letzten Runde den neuen Shorttrack-Weltmeister und Olympia-Zweiten Victor Koretzky abgehängt und fuhr zum Titel. Bronze holte sich der Brite Tom Pidcock. Immerhin: Mit Hatherly, der fürs Team Cannondale fährt, das unter Manuel Fumic seinen Sitz in Wernau hat, landet das prestigeträchtige Regenbogentrikot exakt 20 Jahre nach dem U23-Titel von Manuel Fumic wieder in der Teckregion.