Fußball-Bezirksliga: VfL II und AC Catania im Kirchheimer Kellerduell
Nachbarn im Überlebenskampf

Vor dem Hintergrund ständig brodelnder Fusionsgerüchte treffen am Sonntag die beiden Kirchheimer Kellerkinder VfL II und AC Catania im direkten Abstiegsgipfel der Fußball-Bezirksliga aufeinander. Es könnte das letzte Duell zweier Teams sein, die schon bald unter dem gleichen Vereinsbanner kicken.

Kirchheim. Die Wiedereingliederung des AC Catania in den VfL ist schon seit Monaten heiß diskutiertes Thema in Fußball-Kirchheim. Scheiterte die Fusion bislang meist an den Befindlichkeiten Einzelner, könnte das Thema bereits in der Winterpause eine neue Dynamik entwickeln. Spätestens, wenn beim AC Catania im Zuge notwendiger Neuverpflichtungen ein Kassensturz gemacht wird, dürfte sich die Frage nach dem (Un)Sinn einer eigenen Fußballmannschaft stellen.

„Irgendwann stimmen Aufwand und Ertrag nicht mehr“, weiß auch AC-Trainer Paul Lawall, der gemeinsam mit Vereinsvize Bippo Forzano größter Fürsprecher einer Fusion ist. Beide beklagen mit Vereinsboss Pasquale Martinelli schon seit Langem den mangelnden Fanzuspruch bei Heimspielen sowie den fehlenden Nachwuchs auf Spieler- und Funktionärsebene. Folge: Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs droht immer mehr zum Draufleggeschäft für die rührigen Catania-Macher zu werden.

Da passt die sportliche Talfahrt der Azzurri in den vergangenen Wochen wie die Faust aufs Auge. Obwohl die junge Mannschaft spielerisch zu den besseren der Bezirksliga gezählt werden kann, taumeln die Kirchheimer auf Tabellenplatz 16 der Kreisliga A entgegen. Trainer Lawall ist Woche für Woche weniger als Einpeitscher denn als Seelenmasseur gefragt. „Das Niveau für die Bezirksliga ist absolut vorhanden. Was fehlt, ist das letzte Quäntchen Selbstbewusstsein.“ Doch wie impft man das einer Mannschaft ein, die wie zuletzt gegen Berkheim aus einer 5:1-Führung noch eine 5:6-Niederlage macht? „Dass wir nach 60 Minuten gegen ein Topteam wie Berkheim mit 5:1 führen, muss uns Selbstbewusstsein geben“, sagt Lawall, der auch aus einem ganz anderen Grund an den Klassenerhalt seiner Mannschaft glaubt. „Ich bin in zwölf Jahren als Trainer noch nie abgestiegen. Wenn wir uns nicht gegenseitig zerfleischen, werden wir es schaffen.“ Am Sonntag gegen den VfL II muss er dennoch weiter auf die Langzeitverletzten Fatih Altinkaya, Andrej Pop, Henry Erhardt und Cosimo Di Mitri sowie den gesperrten Tino Jungblut verzichten.

Noch größer sind die Personalsorgen beim Stadt- und Tabellenkonkurrenten VfL II. Gerade mal acht Spieler waren am Dienstag im Training, für das Spiel am Sonntag muss Trainer Jens Roth mehr oder weniger alles zusammenkratzen, was laufen und einen VfL-Pass hat. Zumal die zuletzt immer stabiler agierende Viererkette durch das Fehlen von Deniz Yandemir und Thomas Uhlig (beide beruflich verhindert) sowie Daniel Cisternino (Hochzeit) gesprengt wird. Unklar ist noch, ob und welche Spieler aus dem Verbandsligakader eingesetzt werden können: Die VfL-Erste spielt bekanntlich am Sonntag selbst, braucht dabei womöglich auch Akteure wie Josip Colic, Deni Kalfic und Manuel Rothweiler, die zuletzt immer wieder in der Bezirksligamannschaft ausgeholfen hatten.

Ähnlich wie beim AC Catania kämpfen die VfL-Verantwortlichen an (zu) vielen Nebenkriegsschauplätzen. Der frühe Rücktritt von Trainer Björn Kluger und das Theater um Teammanager Benito Drechsler haben die ohnehin strukturarme Mannschaft zusätzlich verunsichert. Umso bemerkenswerter, dass die bunt zusammengewürfelte Truppe aus den letzten vier Heimspielen zehn Punkte holte und damit rein von der Papierform her als Favorit ins Stadtduell mit dem AC Catania geht, der neun der letzten zehn Spiele verloren hat. Doch von Überheblichkeit ist beim VfL deswegen noch lange keine Spur. „Die Situation ist sehr angespannt“, weiß Sprecher Alexander Capano, „wir müssen Woche für Woche zaubern, um eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen. Jetzt zu sagen, wir hauen Catania weg, wäre vermessen.“

So oder so wird nur der Sieger des Stadtduells den Anschluss ans Tabellenmittelfeld halten. Bei fünf Absteigern beträgt der Abstand des auf Platz 15 liegenden VfL zum Relegationsplatz drei, der des ACC (16.) vier Punkte – beide kämpfen ums Überleben in der Liga.