Owen. Fabian Gutbrod wird wohl seinem Göppinger Mannschaftskollegen Kai Häfner zum Ligakonkurrenten auf die Schwäbische Alb folgen. Nach Rechtsaußen Häfner, der schon vor Wochen seinen Abschied nach Saisonende besiegelt hat, steht einem Wechsel Gutbrods nun offenbar ebenfalls nichts mehr im Wege. Die beiden ehemaligen Junioren-Nationalspieler erhoffen sich im Team von Rolf Brack in der neuen Saison mehr Spielanteile. Anders als Häfner, der hinter Christian Schöne als zweiter Mann auf der Rechtsaußenposition zuletzt zum festen Kader zählte, kam Fabian Gutbrod in seinem zweiten Jahr in Göppingen über sporadische Einsätze nicht hinaus. Meist dann, wenn Not am Mann war. So wie vergangene Woche im EHF-Pokal beim slowenischen Vertreter RK Gorenje Velenje. Der 22-jährige Rückraumspieler aus Owen reiste kurzfristig nach und steuerte in einer personell stark geschwächten Mannschaft zwei Treffer zum Halbfinaleinzug bei.
Für Frisch Auf-Geschäftsführer Gert Hofele ein Zeichen, dass jeder seine Chance bekommt, wenn er die nötige Geduld aufbringt. Hofele macht keinen Hehl daraus, dass man beide Nachwuchskräfte nur ungern ziehen lässt. Häfner versuchten die Göppinger zuletzt mit einem Zweijahresvertrag umzustimmen. „Er hätte die Chance gehabt, neben Christian Schöne zum Stammspieler zu werden“, sagt Hofele. Gutbrods Kontrakt läuft ohnehin noch bis 2012. Die Aussicht auf die eingleisige zweite Liga in der kommenden Saison mit dem TV Neuhausen, wo er per Zweitspielrecht am Ball ist, war dem Zwei-Meter-Mann am Ende zu wenig. Er will endlich Spielerfahrung sammeln und Fuß fassen in der Bundesliga. In Rolf Brack, der mit der Verpflichtung von Kai Häfner und Daniel Wessig seinen Ruf als Nachwuchsförderer in den vergangenen Wochen untermauert hat, sieht Gutbrod einen passenderen Fürsprecher als in Göppingens Erfolgscoach Velimir Petkovic. Hofele sieht das anders: „Fabian ist noch nicht so weit“, meint der Geschäftsführer, äußert jedoch Verständnis für den Ehrgeiz eines jungen Spielers. „Beide Seiten pflegen ein sehr offenes Verhältnis,“ betont er. Deshalb schließe er auch eine spätere Rückkehr des Oweners nach Göppingen nicht aus.
Ob Fabian Gutbrod der Durchbruch in Balingen gelingt, wird neben seiner spielerischen Entwicklung auch von der Konkurrenz im Rückraum abhängen. Der Druck ist auf jeden Fall ein anderer. Göppingen ist feste Größe im europäischen Geschäft, in Balingen heißt das Thema traditionell Klassenerhalt. „Wir werden wie schon im Vorjahr mit sieben Rückraumkräften an den Start gehen“, sagt HBW-Geschäftsführer Benjamin Chatton. „Fabian Gutbrod passt dabei gut in unser Konzept.“ In Balingen hat der Newcomer zwar keinen Konkurrenten vom Schlage eines Pavel Horak oder Lars Kaufmann vor der Nase, aber dennoch äußerst erfahrene Leute im halblinken Rückraum. Österreichs Nationalspieler Roland Schlinger hat einen Vertrag bis 2012, mit dem Franzosen Johan Boisedu, der sich vor zwei Wochen einer Knieoperation unterziehen musste und dessen Einjahresvertrag zum Saisonende ausläuft, wird derzeit verhandelt. Einen Stau auf der Königsposition sieht Chatton nicht: „Johan ist ein Allrounder. Er kann überall im Rückraum spielen.“
