Radsport: Der GP Kirchheim meldet sich am 29. Mai als „Lightweight-Cup“ zurück
Neubeginn als Leichtgewicht

Totgesagte leben lang. Nach einem Jahr Pause und mitten in des Radsports schärfster Krise ist der GP Kirchheim zurück auf der Rennbühne. Das traditionsreiche Straßenrennen auf dem Alleenring geht als „Lightweight-Cup“ am 29. Mai mit neuem Titelsponsor und als Plädoyer für den Amateursport an den Start.

Kirchheim. Die einen wenden sich ab, die anderen setzen ein Zeichen, das Mut machen soll. Während bei ARD und ZDF die Mattscheibe schwarz bleibt, wenn im Juli beim bedeutendsten Radrennen der Welt die Profis durch Frankreich rollen, gibt es 2011 in Kirchheim wieder Radrennsport hautnah zu erleben. Nach dem Ausstieg der wichtigsten Geldgeber hat der Veranstalter die einjährige Pause für eine umfangreiche Renovierung genutzt. Rennchef Albert Bosler und seinem noch jungen Verein Radsport Kirchheim steht nach der Trennung vom langjährigen Veranstalter RKV die Reifeprüfung bevor. 36 Mitglieder hat die neue Kirchheimer Radsportgemeinde nach einem Jahr – genug, um Veranstaltungen wie den GP Kirchheim oder auch den Albtraufmarathon im September zu stemmen, ist Bosler überzeugt. „Wir sind ein motiviertes Team“, sagt der Mann aus Notzingen, der sich in seiner Arbeit bestätigt sieht, nachdem fast alle Rennklassen drei Wochen vor dem Start so gut wie ausgebucht sind.

Dass es 2011 überhaupt zu einer Neuauflage kommt, ist einem erfolgreichen Geschäftsmann zu verdanken, der vom beschaulichen Ochsenwang aus die Fachwelt mit superleichten und exklusiven Carbon-Laufrädern erobert. „Lightweight“-Chef Erhard Wissler ist Radsportfan durch und durch. Einzusteigen, wenn andere aussteigen und die halbe Welt in Grabgesänge einstimmt, ist für ihn kein Widerspruch. „Ich will ein Signal setzen“, sagt Wissler. „Weil ich an den Radsport glaube.“ Keine hochdotierte Profischau, sondern gute Unterhaltung mit hochklassigem Amateursport – und das auf lange Sicht: Mit dem GP Kirchheim will Wissler sich ein zweites Standbein zulegen. Seit 2006 betreibt das Unternehmen mit Stammsitz in Friedrichshafen das „Lightweight uphill“, Deutschlands populärstes Bergzeitfahren auf den oberschwäbischen Höchsten. Das Rundstreckenrennen vor der eigenen Haustür passt für Wissler daher gut ins Konzept. Am Rahmen der Veranstaltung, die 2009 trotz Sonnenscheins und Hochspannung in puncto Zuschauer an Schwindsucht litt, soll sich vorerst nichts ändern. „Das Konzept gefällt mir“, sagt Erhard Wissler. „Wir werden aber ganz genau auf die Menschen hören und uns weiterentwickeln.“

Neu ist 2011 die Rückkehr zum eintägigen Modus. Den vorgeschalteten Citysprint der Mountainbiker am Samstag wird es nicht mehr geben. Dafür stimmen am Sonntag die Zutaten für ein spannendes Rennen, das mit den Racing Students Freiburg und dem Team Baier aus Landshut zwei der besten Amateurteams aus Süddeutschland am Start haben wird. Die radelnde Studentenverbindung aus der Breisgau-Metropole ist nicht nur was die Mannschaftsstärke anbelangt die Nummer eins im Land. Mit den beiden ehemaligen Merida-Fahrern Andreas Mayr und Steffen Greger haben die Freiburger zudem zwei alte Hasen in ihren Reihen, die den Kurs in Kirchheim bestens kennen. Vor allem Mayr brennt auf seinen Einsatz auf dem Alleenring, wo ihn ein Sturz nach einer Rangelei im Zielsprint 2008 den möglichen Sieg kos­tete.

Nur knapp am Erfolg vorbeigeschrammt ist bei der letzten Auflage 2009 auch Alexander Aeschbach. Der mehrfache schweizer Bahnmeister – damals Zweiter hinter Lars Teutenberg – sucht in diesem Jahr erneut seine Chance. Dasselbe gilt für Erik Hoffmann, der ebenfalls vom ersten Sieg in Kirchheim träumt. Einen seiner härtesten Konkurrenten bringt der 29-jährige Deutsch-Namibier aus Stuttgart, der inzwischen für das Team Baier fährt, gleich mit: Der dreifache bayrische Meister Helmut Trettwer ist spätestens seit Ostermontag nicht nur im Freistaat ein Begriff. Beim traditionellen Frühjahrsauftakt Rund um Schönaich fuhr der 27-jährige Teisendorfer der gesamten Konkurrenz davon.

Auch Leif Lampater wird wieder dabei sein, und auch der hat bisher noch nicht herausgefunden, wie es geht: Der sechsfache Sixdays-Sieger war 2007 und 2008 jeweils Zweiter. Schwer auszurechnen und damit immer für eine Überraschung gut ist auch das Continental-Team von Sparta Prag, das erneut mit sechs Fahrern gemeldet hat. Den Tschechen gebührt schon wegen ihrer unerschütterlichen Treue zu Kirchheim ein Ehrenplatz im Feld. Keine Mannschaft war im Laufe der mehr als ein Vierteljahrhundert umspannenden Geschichte des Rennens häufiger auf dem Alleenring am Start.

Mehr Geduld als in früheren Jahren müssen die Zuschauer bis zum Programmhöhepunkt am 29. Mai aufbringen. Start des Hauptrennens wird diesmal erst um 16.55 Uhr sein. Den Auftakt bestreiten ab 11 Uhr die C-Amateure auf dem 1,5 Kilometer langen und unveränderten Kurs über Alleen- und Marktstraße mit 180-Grad-Kehre am Johannes-Busch-Gemeindehaus. Ab 12.45 Uhr gehört die Strecke dann den Hobbyfahrern, bevor um 14.25 Uhr der weibliche Teil der Zunft in den Sattel steigt. Das Elitefeld der Frauen startet gemeinsam mit den Juniorinnen und der weiblichen Jugend.

Mitmachen und Gutes tun heißt es beim besonderen Programmpunkt eine gute Stunde vor Beginn des Hauptaktes. Beim Sponsorenrennen um 15.50 Uhr stehen die Sieger schon vor dem Startschuss fest. Die Einnahmen der Benefizveranstaltung fließen direkt in den Bildungs- und Sozialfond Kirchheim (siehe Extra-Kasten).