Lokalsport
Nur an der Chefin kam keiner vorbei

Es war schon ein witziger Auftakt des Sponsoren-Rennens. Vorneweg die Oberbürgermeisterin in weißer Bluse und Dreiviertelhose auf einem Trekkingrad mit Einkaufskorb. Dahinter die Meute der Verfolger, allesamt auf Rennrädern und ausstaffiert wie die Profis. Angelika Matt-Heidecker hielt wacker mit, stieg jedoch nach 3:59 Minuten und einer 1,5-Kilometer-Runde durch die historische Altstadt Kirchheims wieder vom Rad.

Kirchheim. „Ich lasse mich nicht überholen“, meinte die Rathauschefin mit einem Augenzwinkern. Stadtrat Helmut Kapp hatte eine Sonderprämie von 100 Euro ausgelobt für den Fall, dass ihr Amtskollege Günter Riemer, seines Zeichens Vorsitzender des Württembergischen Radsportverbands und Bürgermeister der Stadt, seiner Vorgesetzten im Verlauf des Rennens drei Runden abnehmen würde. Doch so weit ließ es die „OBin“ nicht kommen, zumal sie an diesem Nachmittag noch andere Verpflichtungen hatte.

Trotz seiner 50 Jahre und etwa 20 Kilo Übergewicht steht Günter Riemer voll im Saft und machte im gelb-roten Dress des WRV, der zum Teil wesentlich jüngeren Konkurrenz mächtig Beine. Ob er jedoch die Vorgabe seines Sponsors geschafft hätte, darf mit einem Fragezeichen versehen werden. Weil die ganze Veranstaltung durch lange Siegerehrungen zeitlich in Verzug geraten war, wurde das Sponsoren-Rennen von einer Stunde auf 45 Minuten verkürzt. „Ich weiß nicht, ob ich der Oberbürgermeisterin in dieser Zeit drei Runden, gleich viereinhalb Kilometer, abgenommen hätte“, zweifelte er – noch ganz verschwitzt und etwas außer Puste – nach dem Rennen. Auch ihm ist bewusst, dass Frau Oberbürgermeisterin in vielen sportlichen Sätteln gerecht ist. Sie spielt Tennis beim SV Nabern, tritt aber seit einem Meniskusriss kürzer. Und es ist ihr mittlerweile unangenehm, „wenn die Leute am Zaun stehen und alle nur schauen, wie ihre Oberbürgermeisterin spielt.“ Sie schwimmt, fährt für ihr Leben gern Ski und radelt in ihrer wenigen Freizeit nicht nur zum Einkaufen. „Urlaub machen heißt bei uns Radfahren“, sagt sie. Im vergangenen Jahr allerdings mit einem unschönen Ende: Im Ausland wurden ihr und das Rad ihres Mannes gestohlen, obwohl sie aneinander gekettet waren.

Der Freude am Radeln tat der Vorfall keinen Abbruch. Sie war auch gleich Feuer und Flamme, als Renn-Organisator Albert Bosler mit dem Vorschlag zu ihr kam, das Radrennen mitten durch das Herz der Teckstadt wieder zu beleben. Dabei wurde auch die Idee eines Sponsoren-Rennes zugunsten des Bildungs- und Sozialfonds Kirchheim geboren.

22 Fahrerinnen und Fahrer waren am Start, darunter als Jüngster der siebenjährige Matteo Wastl, der an der Strecke den meisten Beifall einheimste. Jeder Teilnehmer hatte einen Geldgeber, der für jeden gefahrenen Kilometer zwischen 2,50 und 15 Euro spendierte. Andere Sponsoren engagierten sich mit 200 bis 300 Euro. So kam am Ende die stattliche Summe von 2 900 Euro zusammen.

Für den Anfang respektabel. Aber es hätte mehr sein können, wenn es dem Veranstalter gelungen wäre, den einen oder anderen Promi als weitere Zugpferde zu verpflichten. Dazu Albert Bosler: „Wir haben verschiedene angefragt, aber die erste Reaktion war: Wie hoch ist unser Antrittsgeld? Dann haben wir Abstand davon genommen. Es ist nicht Sinn der Sache, dass wir Spenden für einen sozialen Zweck entgegen nehmen und das Geld dann wieder für Promis ausgeben. Wer sich für unsere Sache engagieren will, muss mit dem Herzen dabei sein.“ Erhard Wissler vom Engelhof aus Ochsenwang und Chef von Titelsponsor Lightweight, meinte: „Das wird sich noch entwickeln.“ Er ließ durchblicken, sich im nächsten Jahr um Jan Ulrich zu bemühen: „Der ist für soziale Sachen immer zu haben.“

Insgesamt wurden von den Teilnehmern 570 Kilometer zurückgelegt. Sechs Fahrer schafften das Maximum von 20 Runden: Marcel Schantz, Bruno Wörn, Oliver Kiesel, Karl Blocher, Levin Klein, Uwe Kurz. Beste Fahrerin war Martina Banzhaf aus Kirchheim mit 19 vollendeten Runden. Sie hatte gleich drei Sponsoren und fuhr deshalb mit 430 Euro den größten Betrag aller Starter in die Spendenkasse. Klein, aber fein: die fünf Euro für die Ehrenrunde von Angelika Matt-Heidecker.