Sportstättenbau
Ohne Halle keine Zukunft: Den Knights läuft die Zeit davon

Vor den Haushaltsdebatten im Herbst warnt die Geschäftsführerin der Zweitligabasketballer Bettina Schmauder einmal mehr vor dem Aus des ProA-Standorts Kirchheim, wo das Defizit an Kapazitäten für Schul- und Vereinssport bereits riesig ist.

Ob und wie lange es in Kirchheim noch Basketball auf Pro-A-Niveau gibt, ist offen. Symbolbild: Markus Brändli

In drei Wochen beginnt für Kirchheims Basketballer die 18. Saison in der zweithöchsten deutschen Spielklasse – dass es für die Knights die viertletzte in der ProA sein könnte, liegt an der nach wie vor ungeklärten Frage nach einer zweitligatauglichen Spielstätte. Bis zur Saison 2028/29 müssen die Verantwortlichen entweder eine den Lizenzauflagen entsprechende Halle oder einen unterschriebenen Baubeschluss für eine solche nachweisen. In dem Fall dürfte die Sporthalle Stadtmitte, unter deren Dach der dienstälteste Zweitligist seit 2008 seine Heimspiele austrägt, mit einer Ausnahmereglung übergangsweise weiter genutzt werden.

Dann werden wir unseren Sponsoren sagen müssen, dass es keine Perspektive in Kirchheim gibt.

Bettina Schmauder Die Knights-Geschäftsführerin wappnet sich für den Fall, dass es dieses Jahr kein politisches Signal für das Hallenprojekt gibt.

All diese Faktoren sind nicht neu, im Gegenteil: Dass die Zukunft der Knights am seidenen Faden hängt und die Tage von Basketball auf Pro-A-Niveau in Kirchheim gezählt sein könnten, ist bekannt. Brisant ist das immer kleiner werdende Zeitfenster. „Wenn es dieses Jahr kein Signal gibt, dass es mit den Planungen für eine Halle weitergeht, dann werden wir unseren Sponsoren sagen müssen, dass es keine Perspektive am Standort Kirchheim gibt“, betont Knights-Geschäftsführerin Bettina Schmauder. Jenes Signal wäre demnach die Einstellung von Planungsmitteln für einen Hallenneubau im kommenden Haushalt der Stadt, über den der Gemeinderat, in dem Schmauder für die Freien Wähler sitzt, mit der Verwaltung im Oktober berät und der im besten Fall im Dezember verabschiedet werden soll.

Schule und Vereine brauchen zwei Hallen

Dass es in der Diskussion entgegen landläufiger Meinung nicht um den Bau einer Halle nur für die Knights geht, hat das Problem über die Frage nach der Zukunft des Profibasketballs hinaus (zu) lange überlagert. Seit Jahren ist bekannt, dass im innerstädtischen Bereich rechnerisch zwei Hallen für den Schul- und Vereinssport fehlen. Die Planungen für den Bau von zumindest einer sind bereits konkret. Der Gemeinderat hat den Parkplatz des Schlossgymnasiums als Standort beschlossen, ungeklärt ist die Art der Ausstattung. Eine klassische Dreifeldhalle für 400 Zuschauer kostet rund 16 Millionen Euro, eine als „mittlere Variante“ titulierte Dreifeldhalle für 2700 Zuschauer, die den Lizenzauflagen der Pro A entspräche, knapp 19.

Seit eine Machbarkeitsstudie diese Zahlen ermittelt hat, mobilisieren die Knights alle Kräfte, um das Projekt auf den Weg zu bringen und im Falle eines entsprechenden politischen Signals für die Überbrückung des Finanzierungsdeltas zwischen kleiner und mittlerer Variante zu sorgen. „Wir erwarten nicht mehr oder weniger, als dass Gemeinderat und Verwaltung sagen: Ja, wir brauchen eine Halle für Schul- und Vereinssport. Danach können die Knights schauen, ob und wie man daraus eine größere Halle machen kann. Aber ohne das nicht genau untersucht zu haben, können wir keine Begehrlichkeiten wecken.“

Eine Frage der Attraktivität

Dabei hätte die „mittlere Variante“ viele Profiteure: Neben weiterer Profisportteams wie den Zweitligahandballerinnen der TG Nürtingen gibt es rund um die Teck auch aus Kultur, Unterhaltung und Wirtschaft den Wunsch nach einer Möglichkeit, Messen, Konzerte und Firmenveranstaltungen zu organisieren. Kaum zufällig haben im Frühjahr rund 50 Unternehmen aus der Region mit einer Unterschriftenliste auf die Notwendigkeit einer weiteren Sportstätte in der Teckstadt hingewiesen, die in erster Linie dem Schul- und Vereinssport dienen und in Form der „mittleren Variante“ die Attraktivität des Standorts Kirchheim erhöhen soll.

Baukonzession denkbar

Dass die Diskussion um einen Hallenneubau vor dem Hintergrund kaum vorhandener staatlicher Fördermittel, der immer klammer werdenden städtischen Kassen und eines beträchtlichen Investitionsstaus in Kirchheim geführt wird, macht die Sache nicht einfacher. „Da die Stadt ihre Investitionsprojekte aktuell über Kredite finanzieren muss, sind wir alle aufgefordert, neue Wege zu beschreiten“, betont Bettina Schmauder, die in diesem Zusammenhang eine Baukonzession ins Spiel bringt, mit der die Kosten für Kirchheim gesenkt werden könnten. „Wir sollten die finanzielle Belastung der Stadtverwaltung reduzieren und trotzdem neue Projekte realisieren“, sagt sie, die mit einem konkreten Wunsch in die Haushaltsdebatten geht: „Der Haushalt sollte trotz der schwierigen Situation ein klares Votum aussenden, dass Kirchheim auf den Sport als soziale Komponente setzt.“

EWS-Arena: Kompletter Umzug nicht möglich?

Auf der Suche nach Alternativen in Sachen Spielstätte ist die EWS Arena in Göppingen, in der die Knights seit 2022 bereits acht Event-Spiele veranstaltet haben, seit Jahren ein Thema. Nun haben Gerd Hofele, Geschäftsführer von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen und der EWS-Betreibergesellschaft in Personunion, sowie der Frisch-Auf-Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Weigele klar gemacht: Die Knights können ihren Spielbetrieb nicht komplett nach Göppingen verlegen. Mehr als Eventspiele sei nicht möglich.
Grund sind Kapazitätsprobleme, die Halle ist laut Hofele zu 95 Prozent ausgelastet. Auch deshalb wird unterm Hohenstaufen aktuell über einen An- und Neubau diskutiert, was wiederum die Hoffnungen der Knights nährt: „Es könnte ja sein, dass sich etwas tut“, sagt Knights-Sportchef Chris Schmidt, „grundsätzlich konzentrieren wir uns auf Kirchheim und achten darauf, was in Göppingen passiert.“
Deutlicher formuliert es Geschäftsführerin Bettina Schmauder: „Die Zukunft der Knights ist massiv mit dem Hallenprojekt in Kirchheim verbunden, nachdem es momentan nicht sehr viele realisierbare Alternativen gibt.“ pet