Mit einer unerwarteten Personalentscheidung und einer doch eher seltsam verklausulierten Pressemitteilung sorgt der Fußball-Oberligist 1. Göppinger SV derzeit für Aufsehen. Nur wenige Wochen nach Amtsantritt hat der Verein seinen Cheftrainer Mario Klotz freigestellt und damit für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.
Die Entlassung kommt überraschend. Klotz, erst im Juli vom FC 08 Villingen nach Göppingen gewechselt, schien sportlich auf Kurs. Nach einem durchwachsenen Start – einer 1:3-Niederlage gegen den FV Ravensburg – blieb der GSV zuletzt drei Spiele ohne Gegentor und holte sieben Punkte: ein 0:0 in Nöttingen, ein 5:0-Heimsieg gegen Bissingen und zuletzt ein souveränes 2:0 in Gmünd. Sportlich gab es also kaum Gründe für eine Trennung. Eigentlich. Doch die Vereinsführung begründete den Schritt in ihrer Mitteilung mit großen Worten über „Mission und Vision“, „kontinuierliche Professionalisierung“ und der Notwendigkeit „kommunikationsstarker, teamorientierter Führungspersonen“. Schließlich heißt es: „Leider ist die Vereinsspitze aufgrund der jüngsten Erfahrungen zu dem Entschluss gekommen, dass diese Weiterentwicklung nicht mit Mario Klotz möglich scheint.“ Wie das zu interpretieren ist, wissen wohl nur die Göppinger selbst. Die Formulierungen werfen jedenfalls mehr Fragen auf, als sie beantworten.
Unruhe im Hintergrund
Aus dem Umfeld des Vereins jedenfalls ist zu hören, dass weniger sportliche Ergebnisse, sondern vielmehr die Konstellationen im Hintergrund zum Problem geworden sein könnte. Elf Jahre lang prägte Gianni Coveli den GSV als Cheftrainer, ehe er im Sommer auf den Posten des Sportdirektors wechselte. Dass er zunächst weiterhin auf der Bank saß und erst kürzlich auf die Tribüne wechselte, irritierte bereits viele Beobachter. Auch in Interviews ließ Coveli durchblicken, dass er zwar Distanz halten wolle, bei Bedarf aber durchaus noch eingreifen könne – ein schwieriger Balanceakt für einen Nachfolger.
Hinzu kommt die Rolle der beiden Co-Trainer Daniel Budak und Pavlos Osipidis, die beide enge Verbindungen zu Coveli haben. Budak arbeitete schon Jahre an dessen Seite, Osipidis spielte lange unter ihm in Göppingen und sammelte zuletzt auch schon erste Cheftrainer-Erfahrung in der Oberliga bei der TSG Backnang. Bei den ersten Spielen saßen alle vier nebeneinander auf der Bank, was bei manchen Fans den Eindruck erweckte, Klotz’ Autorität könne in dieser Konstellation leiden.
Ein Opfer eingefahrener Strukturen?
Dass Klotz trotz sportlich ordentlicher Bilanz und erst kurzer Amtszeit wieder Geschichte ist, deutet für viele eher auf interne Spannungen als auf fachliche Defizite hin. Vorerst übernehmen nun die bisherigen Assistenten Budak und Osipidis das Team und stehen gleich vor einer schwierigen Aufgabe: Am Samstag muss der GSV beim Tabellenführer TSV Essingen antreten, ehe am 2. September der VfR Aalen an die Hohenstaufenstraße kommt. Ob der Verein bis dahin Klarheit in die eigene Außendarstellung sowie die Trainernachfolge bringt, bleibt abzuwarten.

