Infekt zwingt Kirchheimer Sprinter zu WM-Absage
Pechvogel Schaf

Gäbe es die ARD-Fernsehsendung „Pleiten, Pech und Pannen“ noch, wäre Alex Schaf ein heißer Kandidat. Kaum war der Sprinter aus Kirchheim für die Hallen-WM am Wochenende im polnischen Sopot nominiert worden, musste er dem DLV wieder absagen. Eine Krankheit verhinderte seinen Start.

Kirchheim. Der 26-Jährige vom Kirchheimer Schafhof im Trikot des VfB Stuttgart ist geknickt. Er war in guter Frühform, hatte in Sindelfingen mit 6,59 Sekunden über 60 Meter die WM-Norm geknackt und freute sich auf seinen ersten WM-Start unterm Hallendach. Doch wie schon so oft kam ihm im letzten Moment etwas in die Quere – eine Magen-Darm-Infektion mit Fieber bis 40 Grad. Angesteckt hat er sich vermutlich bei zwei Kollegen im Büro der Bundeswehr-Kaserne in Bad Cannstatt, wo Alex Schaf seinen Dienst tut. „Das meiste hat er inzwischen überstanden, aber sein Körper ist geschwächt. Als Tourist schicke ich ihn nicht zur WM“, sagte Trainer Micky Corucle und schickte eine Mail mit der Absage in die DLV-Zentrale nach Darmstadt.

Schaf ist ein Pechvogel. Immer wieder warfen ihn Missgeschicke in seiner Sportlerkarriere zurück. Bei der WM 2011 in Daegu ließ er als Schlussläufer die 100-Meter-Staffel platzen und fiel beim Verband in Ungnade. Dann beeinträchtigten unerklärliche Schmerzen im Gesäßmuskel, die erst nach eineinhalb Jahren behoben waren, seine Leistungen. 2013 kämpfte er mit allergischen Reaktionen auf einen Bienenstich. Endlich wieder fit, glänzte er in Köngen mit einer Siegerzeit von 10,35 Sekunden über 100 Meter.

Vergangene Woche bei der DM in Leipzig stellten sich plötzlich Wadenkrämpfe ein. Gehandicapt musste er sich im Finale hinter Christian Blum und Lucas Jakubczyk mit Bronze zufriedengeben. Denselben Einlauf hatte es bereits vier Jahr vorher gegeben – ebenfalls nach Wadenkrämpfen von Schaf. „Für mich war das in Leipzig ein Deja-vu-Erlebnis“, meint Corucle.

Trost für Soldat Schaf: Unmittelbar nach der Meisterschaft wurde er wieder in den bundesdeutschen B‑Kader berufen – die Voraussetzung für eventuelle Freistellungen durch die Bundeswehr für Trainingsmaßnahmen. Ob er wieder in den Spitzensportkader der Bundeswehr aufgenommen und sich damit ganz auf den Sport konzentrieren kann, wird gegen Ende des Jahres in Absprache zwischen DLV und Verteidigungsministerium entschieden.

Unabhängig davon hofft Alex Schaf auf eine erfolgreiche Sommersaison. Die Team-WM in Braunschweig, die DM in Ulm und vor allem das Erreichen des 100-Meter-Finales bei der Europameisterschaft in Zürich sind seine großen Ziele. „10,15 Sekunden müssten drin sein“, prophezeit sein Trainer Micky Corucle.