Stuttgart. „Ich habe bestimmt schon vieles erlebt, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen. Wie der Schiedsrichter uns heute nieder gepfiffen hat, da hat uns sogar der Gegner bemitleidet“, tobte VfL-Urgestein Norbert Krumm nach der Partie. Trotzdem, oder gerade deswegen war die Kirchheimer Nullnummer ein gefühlter Sieg. In der momentanen Situation war es dennoch ein Punkt, der zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel für die Teckstädter ist.
Den Höhepunkt der fragwürdigen Entscheidungen aus Kirchheimer Sicht lieferte der Referee in der 88. Minute. Michael Bezler erlief einen Diagonalball von Nebih Kadrija an der Grundlinie. Als er den Ball gestoppt hatte und nach innen ziehen wollte, holte ihn der herausgeeilte TSVW-Keeper Martin Bächler von den Beinen. Der fällige Elfmeterpfiff von Sascha Perekovic blieb zum Erstaunen aller jedoch aus. Es wäre die Krönung einer herausragenden Leistung, der Moral und des Kampfes für den VfL gewesen. So mussten sie sich am Ende mit dem 0:0 zufrieden geben.
Auf einem tiefen und unebenen Rasenplatz hatten die Kirchheimer auch den besseren Start. Bereits in der zweiten Minute verpasste David Hilger nur knapp einen Eckball von Emre Yildirim. Michael Bezlers Kopfball nach einem Kadrija-Freistoß senkte sich knapp über die Latte (5.). Und in der 13. Minute klärte ein Abwehrspieler der Gastgeber in höchster Not, als eine schöne Kombination über Bezler und Fatih Özkahraman keinen Abnehmer fand.
120 Sekunden später musste der VfL den ersten personellen Rückschlag verkraften. Özkahramen wurde in einem Laufduell an der Seitenlinie von Mihal Berberoglu festgehalten. Er riss sich los, um dem Leder nachzujagen, dabei sank Berberoglu theatralisch zu Boden. Das Schiedsrichtergespann wertete dies als Tätlichkeit und schickte Özkahraman mit Rot vorzeitig unter die Dusche.
Die Elf beziehungsweise dann die „Zehn“ von Erol Sarikoc zeigte sich keineswegs geschockt und versuchte weiterhin das Spiel zu bestimmen. Die Belohnung gelang beinahe dem agilen Nebih Kadrija. Er kam nach einem Fauxpas von Bächler nur einen Tick zu spät (35.). Quasi mit dem Halbzeitpfiff mussten die Kirchheimer den zweiten Rückschlag verkraften. Yasin Bozkurt sah wegen vermeintlichem Ballwegschlagens die Ampelkarte. Kurios, er bekam einige Minuten zuvor den gelben Karton unter die Nase gehalten, der eigentlich für Innenverteidiger Fatih Özge bestimmt war.
Von den gastgebenden Weilimdorfern war bis dahin, außer einigen harmlosen Distanzschüssen, nichts zu sehen. Dies sollte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht ändern. VfL-Goalie Marco Joos blieb bis auf ein paar hohe Bälle nahezu beschäftigungslos. Die Blauen standen mit neun Mann defensiv wie eine „Eins“ und hielten aufopferungsvoll dagegen. Die Offensivaktionen des VfL wurden freilich ebenfalls weniger.
Dennoch versuchten die Teckstädter alles Mögliche, um doch noch den Siegtreffer zu erzielen. Wenn, dann ging es meist über den erneut überragenden Nebih Kadrija. Doch zwei gute Schussversuche von Kadrija (76.) und Sascha Beck (85.) fanden nicht ihr gewünschtes Ziel.
„Hut ab vor der Mannschaftsleistung und speziell vor Nebih, der eine wahnsinnige Energieleistung abgerufen hat. Das ist ein Kapitän wie man ihn sich wünscht“, hatte Krumm weiteres Lob übrig. „Wir haben uns heute auch von den fragwürdigen Pfiffen und Abseitssituationen nicht unterkriegen lassen. So bin ich optimistisch, dass wir mit dieser Kampfkraft noch den Klassenerhalt schaffen können“, war VfL-Coach Erol Sarikoc ebenfalls stolz auf sein Team.
Ihren nächsten Einsatz haben die nach wie vor abstiegsgefährdeten Kirchheimer am kommenden Samstag beim TSV Köngen.wr
TSV Weilimdorf: Bächler – Stoppel (66. B.-F. Cömert), Christ (28. Can), Berberoglu, Sprenger – Woldezion, Boltos (66. Maier), Demir, G. Cömert, Hakimzade – Kücükcolak.
VfL Kirchheim: Joos – Hilger, Özge, Mende, Köber (90. Szabics) – Beck, Kadrija, Bezler, Bozkurt, Yildirm (72. Wagner) – Özkahraman
Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Boltos, Sprenger – Kadrija, Mende, Bozkurt
Gelb-Rote Karte: Bozkurt (45.)
Rote Karten: Özkahraman (15.), Maier (90.)
Schiedsrichter: Sascha Perekovic (Öhringen)
Zuschauer: 150