Weinheim. „Das war eine Frechheit, was wir heute geboten haben“, wetterte der Kirchheimer Übungsleiter nach Spielschluss, „da sind wir fast 200 Kilometer gefahren und dann lassen wir uns vom einem Absteiger so vorführen.“ Bereits die Anreise war nicht reibungslos verlaufen, denn kurz vor Weinheim stand der VfL-Mannschaftsbus auf der Autobahn 5 über eine halbe Stunde lang im Stau und kam deshalb erst eine Stunde vor Spielbeginn im Sepp-Herberger-Stadion an.
Die Gastgeber waren über eine Stunde lang die bessere Elf und die Teckstädter konnten froh sein, nicht schon in der ersten Halbzeit in Rückstand geraten zu sein. „Wir haben in der ersten Halbzeit zu viele Torchancen liegen gelassen“, sagte Weinheims Trainer Michael Köpper. In den ersten Minuten reagierte VfL-Torwart Norman Volber gegen Erich Strobel (4.) und Michael Bitz (7.) zwei Mal glänzend. Auf der Gegenseite stand Steffen Mayer plötzlich alleine vor dem Tor, zögerte aber zu lange beim Abschluss (8.). Krafts Kommentar am Spielfeldrand war unüberhörbar. „Mann, mach einfach das Tor“, rief er dem Fehlschützen entgegen. Es blieb für lange Zeit die einzige gefährliche Aktion der Gäste.
Denn fast ausschließlich spielte die TSG Weinheim – allerdings ohne zählbaren Erfolg: Zu viele hochkarätige Torchancen wurden ausgelassen. „Wir waren vor dem Tor einfach nicht konsequent genug“, meinte Köpper. Es kam auch noch Pech hinzu, denn Daniel Hahn traf den Innenpfosten (30.). Kurz darauf zeigte sich der Weinheimer Michael Bitz zu ballverliebt und scheiterte erneut am VfL-Keeper (36.). Es kam wie es kommen musste. Nach einer Vorlage von Abdulsamen Akin lief Kirchheims Benjamin Barth alleine aufs Tor zu und erzielte mit einem beherzten Rechtsschuss kurz vor dem Seitenwechsel die glückliche 1:0-Gästeführung (42.).
Die aufmunternde Kabinenansprache vom Weinheimer Trainer zeigte kurz nach Wiederanpfiff fast Wirkung, doch Volber entschärfte den Kopfball von Daniel Hahn glänzend (47.). Auch der VfL hatte jetzt eine gute Möglichkeit. Einen Weitschuss von Sabri Gürol konnte TSG-Torwart Marc Bisch gerade noch über die Querlatte befördern (57.). Dies war die letzte gute VfL-Chance im Spiel – Weinheim machte nun Druck.
Innerhalb von fünf Minuten drehten die Gastgeber das Spiel. Zunächst erzielte Daniel Hahn nach schöner Vorarbeit von Michael Bitz das 1:1 (70.), und kurz darauf sorgte Erich Strobel wiederum nach Vorlage von Bitz für den 2:1-Führungstreffer (75.). Doch es war kein Aufbäumen der VfL-Mannschaft zu erkennen. Die Spieler ergaben sich fast kampflos ihrem Schicksal. Nach 87 Minuten ließ Marc Haffa vier Kirchheimer Abwehrspieler stehen und Erich Strobel hatte keine Mühe, die Hereingabe aus einem Meter über die Torlinie zum 3:1-Endstand zu drücken.
