Mountainbike
Regen, Rutschpartie und Rückschläge: Schwarzbauer und Böhm fahren hinterher

Luca Schwarzbauer und Kira Böhm erleben beim Weltcup in Les Gets ein Wochenende zum Vergessen: Sowohl im Shorttrack als auch über die olympische Distanz bleiben Topergebnisse aus.

Luca Schwarzbauer kam in Les Gets nicht über die Plätze 37 (Shorttrack) und 15 (Cross Country) hinaus. Foto: Canyon CLLCTV

Wenig erfolgreich ist das Wochenende für die Top-Mountainbiker aus Weilheim beim Weltcup im französischen Les Gets verlaufen: Sowohl Kira Böhm (Cube Factory Racing) als auch Luca Schwarzbauer (Canyon CLLCTV) mussten vor allem im Shorttrack empfindliche Niederlagen einstecken – Böhm wurde 22., Schwarzbauer infolge eines Sturzes nur 37. Ähnlich lief das Rennen über die olympische Distanz mit den Plätzen 15 (Schwarzbauer) und 33 (Böhm).

So lief der Shottrack

Kira Böhm gelang zunächst ein guter Start: „Ich bin gut weggekommen“, wie sie später sagte. Doch ein Regenschauer kurz vor dem Start hatte die Piste teils sehr rutschig werden lassen. Prompt rutschte Böhm in der zweiten Runde weg – und das bergauf. „Ich bin zwar nicht gestürzt, aber ich musste um die Kurve laufen, das hat viel Zeit gekostet.“ Als sie versuchte, wieder Anschluss zu finden, überzog sie das Tempo etwas – gerade in der Höhe, wo man sich ohnehin schlecht regenerieren kann, ein Fehler: „Ich habe lang gebraucht, mich zu erholen, erst hinten raus lief es dann wieder.“ Doch es war zu spät. Auf der kurzen Runde drohte die Überrundung durch Tagessiegerin Jenny Rissveds. Böhm wurde daher mit einer Runde Rückstand gewertet und erreichte mit dem 22. Platz gerade noch einen Platz in der dritten Startreihe.

Noch schlimmer lief es für Luca Schwarzbauer bei seinem ersten Auftritt im frisch gewonnenen Trikot des Deutschen Meisters. Wie immer war er explosiv gestartet, setzte sich an die Spitze des Feldes, doch bald merkte er, dass er dieses Tempo nicht würde halten können. Schwarzbauer fiel auf Platz zehn zurück. Und dann passierte das, was er durch seine viele Führungsarbeit vermeiden wollte: Unmittelbar vor ihm kam es zum Sturz: „Ich bin voll reingekracht, ich hatte keine Chance, auszuweichen.“ Mit 50 Sekunden Rückstand nahm er das Rennen wieder auf – im schnellen Shorttrack, der nur rund 20 Minuten dauert, eine Ewigkeit. Doch der gebürtige Nürtinger bewies Moral, fuhr das Rennen – obwohl er als Überrundeter gewertet wurde – auf Platz 37 zu Ende, was einen Platz in der vierten Startreihe beim Rennen über die olympische Distanz bedeutete. Der Sieg ging an den Briten Charlie Aldridge.

„Bin solide gefahren“

Bis zum Cross-Country-Rennen hatte sich zwar das Wetter deutlich gebessert, doch die Unsicherheit beim Deutschen Meister blieb: Wie würde sich das Höhentraining auf die Leistung auf der Langstrecke auswirken? „Ich bin solide gefahren“, bilanzierte Schwarzbauer. Bereits kurz nach dem Start war er unter den Top 20, im Laufe der ersten Rennhälfte arbeitete er sich bis auf den elften Platz vor. Da lag er dann auch, als der niederländische Radsport-Superstar Mathieu van der Poel von hinten kam. Doch während van der Poel an anderen Konkurrenten oftmals schnell vorbeizog, lieferte er sich lange ein Duell mit Schwarzbauer. Ungewohnt unsicher rollte van der Poel die steinigen und wurzeligen Downhills hinunter – und zeigte seine Größe als Sportsmann: Statt die Linie zu blockieren, „hat er mir die Tür aufgemacht und mich vorbeigelassen“, erzählte Schwarzbauer.

Der Wahl-Weilheimer revanchierte sich dann bergauf, und ließ seinerseits das holländische Kraftpaket vorbei. In der letzten Runde überholten ihn noch drei weitere Fahrer, darunter der Weltcup-Gesamtführende Christopher Blevins (USA). „Die hatten wohl zum Schluss noch ein Korn mehr als ich“, konstatierte Schwarzbauer, der sich nach dem „Desaster“ vom Freitag mit seiner Leistung durchaus zufrieden zeigte: „Jetzt hoffe ich, dass sich die aufwendige Vorbereitung für die Weltmeisterschaft auszahlt.“

Ähnliche Gedanken dürfte auch Kira Böhm haben. Ihr Rennen über die olympische Distanz lief ähnlich wie der Shorttrack – trotz des ungünstigen Startplatzes schoss sie beim Start nach vorne, war am ersten Anstieg direkt in der Spitze des lang auseinandergezogenen Feldes zu finden. Doch Runde um Runde verlor sie an Boden. „Die Beine haben sich von Anfang an schlecht angefühlt“, sagte die 22-Jährige später, „so schlimm wie heute war es noch nie in meiner Karriere.“ Deswegen war Böhm auch vom 33. Platz ziemlich enttäuscht: „Ich glaube nicht, dass ich am Start ‚überpacet‘ habe. Ich weiß aber auch nicht, ob es an der Höhe hier lag.“ Doch trotz der schweren Beine konnte sie die Stimmung in Les Gets genießen. Schließlich waren nicht nur viele Tausend Zuschauer am Streckenrand, auch die Familie war extra nach Hochsavoien gereist.

Der Sieg ging an die Olympiasiegerin von 2016 Jenny Rissveds (Schweden), die damit zum ersten Mal in ihrer langen und erfolgreichen Karriere das Double aus Shorttrack und olympische Distanz verbuchen konnte. Das Rennen der Männer gewann am Sonntag vor heimischen Publikum der Franzose Luca Martin.