Der neue Coach weckt einen neuen Geist beim VfL – Acht Wochen Sperre für Basol
Reicht der Rueff-Effekt bis Ravensburg?

War der überraschende 3:1-Sieg gegen den SV Göppingen wirklich schon die Trendwende zum Positiven beim VfL Kirchheim? Eine mögliche Antwort auf diese Frage gibt es morgen, wenn die „Blauen“ unter ihrem neuen Trainer Ralf Rueff beim FV Ravensburg gastieren. Mit dem Tabellenzweiten haben die Teckstädter das nächste Schwergewicht der Verbandsliga vor der Brust.

Kirchheim. Rueff ist Filialleiter einer Stuttgarter Bank. In seiner Führungsposition ist er bestrebt, den Teamgeist zu fördern und bei seinen Mitarbeitern maximale Arbeitsbereitschaft abzurufen. Dasselbe tut er als Fußballtrainer. Da werden bei der Mannschaftsbesprechung Videosequenzen als Motivationshilfe eingestreut. Da klatschen sich die Spieler ab, bevor sie auf den Platz gehen, bilden einen Kreis und bedanken sich nach dem Abpfiff beim Publikum. „Es herrscht ein neuer Geist in der Mannschaft. Die Spieler haben sich vom Trainer emotional mitreißen lassen und die letzten zehn bis 15 Prozent abgerufen, die bisher gefehlt haben“, meint Co-Abteilungsleiter Frank Sedlmayer.

So soll es in Ravensburg weitergehen. Ralf Rueff ist jedoch Realist genug, um die Erwartungen auf Sparflamme zu halten: „Wir wissen sehr wohl, was uns dort erwartet. Ich habe die Ravensburger in Frickenhausen gesehen. Die 0:3-Niederlage war unglücklich und täuscht über das wahre Leistungsvermögen der Mannschaft hinweg. Für mich gehören sie zu den großen Aufstiegsfavoriten.“ Vor ihrem Ausrutscher hatten die morgigen Gastgeber dreimal hintereinander gewonnen. Mit 29 Zählern sind sie punktgleich mit Spitzenreiter 1. FC Heidenheim II. Um die Rollenverteilung deutlich zu machen: Kirchheim ist 13. mit elf Punkten.

Der VfL bleibt im Wiesentalstadion trotz des 3:1-Coups im Derby in der Rolle des Außenseiters. Allerdings mit deutlich mehr Selbstvertrauen als in den 13 Spielen zuvor. „Die Spieler sind wissbegierig und mit Feuereifer bei der Sache“, lobt Rueff, der in allen Bereichen Nachholbedarf sieht. Sein besonderes Augenmerk legt er momentan auf das Spiel gegen den Ball, das die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gegen Göppingen schon gut umgesetzt hat. Nun gelte es auch, die Spieleröffnung zu verbessern.

Große Änderungen in der Aufstellung sind morgen nicht zu erwarten. Dazu fehlen geeignete Alternativen. Emrah Basol wäre eine, aber der Offensivspieler ist nach seiner Roten Karte gegen Neckarrems gesperrt. Und zwar nicht nur für zwei Spiele – er wäre nächste Woche in Ehingen wieder einsatzfähig gewesen – sondern für nicht weniger als acht Wochen. Das WFV-Sportgericht hat Basols Aktion im zweiten Augenschein als Tätlichkeit bewertet und sein erstes Urteil korrigiert. Das war passiert: Der VfL-Spieler wurde gefoult, verlor das Gleichgewicht und stürzte. Im Fallen schlug er nach seinem Gegenspieler und traf ihn leicht im Gesicht. Glücklicherweise fällt der Großteil der Sperre in die Winterpause, sodass Basol zu Beginn der Rückrunde am 9. März gegen die SF Schwäbisch Hall wieder zur Verfügung stehen wird.

Ob die Mannschaft für den zweiten Teil des Abstiegskampfs verstärkt wird, ist weiterhin völlig offen. „Der Vorstand wird sich nächste Woche zusammensetzen und die Finanzen prüfen. Klar ist, dass wir stark limitiert sind“, sagt Frank Sedlmayer ohne große Illusionen. Man werde nichts überstürzen. In erster Linie wolle man versuchen, noch mehr eigene junge Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen.