Kirchheim. Kirchheims Trainer Pasko Tomic macht viel durch in dieser reinen „Überlebens-Saison“ seiner Schützlinge. Doch was am Sonntagabend in der Sporthalle Stadtmitte geschah, setzte den Turbulenzen noch einmal einen drauf. „Da war ich wirklich ein bisschen stinkig“, fasste Tomic das gnadenlose Auf und Ab zusammen – es war eine Reise ins Paradies, durch die Hölle und wieder zurück.
Tatsächlich lieferte der VfL in den ersten 13 Minuten eine echte Sahneleistung ab. Und das, obwohl Topscorer Constantin Munz (Rippenprellung) und Chara Kiriakidis (Muskelzerrung) passen mussten, dafür aber Jan Reichmuth trotz seiner Achillessehnen-Probleme spielen konnte.
Für den Start zeichnete, wie zuletzt regelmäßig, Chris Schraml verantwortlich: Er begann mit einem Dreier, legte bis zur siebten Minute noch zwei hinterher, und als es nach neun Minuten 26:12 stand, hatte der Guard bereits 13 Punkte auf dem Konto. Marsel Sibinovic, der nach seinem Kreuzbandriss Ende vergangenen Jahres wieder im Team angekommen scheint, übernahm fließend die Hauptlast beim Scoring. Zwischen dem 18:10 (7.) und dem 42:20 (13.) stammten 17 Punkte von dem 22-jährigen Center. Neckarsulm schien geschlagen, das Spiel entschieden.
Doch denkste: Elf fürchterliche Minuten waren zu überstehen, ein Dreierhagel der Gäste, wenig Gegenwehr, kaum Fouls, seltene Korberfolge. Nach 24 Minuten stand es 52:61 gegen Kirchheim – der VfL hatte in elf Minuten 41 Punkte kassiert. Tomic: „Wir haben alles verloren. Erst das Herz, dann den Kopf.“ Aber das Team rappelte sich wieder auf. „Die Jungs haben eine Riesen-Moral gezeigt“, lobte Tomic. Plötzlich stoppte die Achterbahn ihre Talfahrt – 58:67 (28.), dann fuhr sie wieder nach oben (65:67, 30.).
Noch einmal versuchten die Gäste zu kontern und legten wieder ein paar Punkte zum 67:74 (32.) drauf, doch jetzt stimmte die Einstellung bei den Einheimischen, kein Ball wurde verloren gegeben und jeder kämpfte für jeden. Bis zur 36. Minute stand das Spiel auf des Messers Schneide, zwei Schraml-Freiwürfe eroberten dem VfL erstmals seit dem zweiten Viertel aber wieder die Führung (76:75) zurück. Und das befreite offensichtlich dieses Team, das in den acht vorangegangenen Spielen noch keinen einzigen Erfolg erlebt und nun die Witterung des ersten Sieges in der Nase hatte: In den letzten vier Minuten zog Kirchheim durch und feierte das 90:78. „Das erste Miniziel ist erreicht. Das ist ein sehr gutes Gefühl nach so einer langen Durststrecke“, so ein erleichterter Pasko Tomic.
Vor Weihnachten stehen noch die Spiele bei Tabellenführer TS Göppingen (8:1 Siege) und zu Hause gegen den TV Derendingen (5:4) auf dem Programm. Vielleicht gelingt ja noch der zweite Sieg.ut
VfL Kirchheim: M. Beck (2), C. Bozic (9), Eberle (8), Gritschke (6), Reichmuth (5), Reza (10), Schlipf (2), Schraml 24/3), Sibinovic (24/1) M. Wanzke
