Zweitligaturnerinnen des VfL starten in Großburgwedel die Mission Klassenerhalt
Reisefieber trifft Lampenfieber

So weit wie zum ersten von drei Saisonwettkämpfen ist für die Zweitligaturnerinnen des VfL Kirchheim auch der Weg zum anvisierten Saisonziel: Im 570 Kilometer entfernten Großburgwedel geht‘s am Samstag gleich um den Klassenerhalt.

Kirchheim. Eine Saison mit vielen Unbekannten liegt vor der ranghöchsten Turnequipe des VfL. Die größte Unbekannte ist dabei die eigene Durchschlagskraft. Zu gravierend sind die personellen Umstellungen in der Kirchheimer Mannschaft, um eine passende Prognose für das dritte Zweitligajahr seit dem Abschied aus dem deutschen Turn­oberhaus 2008 abzugeben. Schließlich müssen die VfL-Frauen, von denen nur zwei älter als 18 sind, im ers­ten Wettkampf übermorgen im niedersächsischen Großburgwedel auf zwei Leistungsträgerinnen verzichten. Pia Pohl, normalerweise Punktegarantin an allen vier Geräten, fällt aufgrund eines Riss‘ des Innenminiskus aus. Daniela Flaig, mit 28 Jahren die erfahrenste Kirchheimerin, ist beruflich verhindert.

Wie schwer beider Ausfall wiegt, ist unklar, zumal zwei andere Etab­lierte am Samstag nur reduziertes Programm werden turnen können. Hanna Grosch wird nach im Winter ärztlich verordneter Zwangspause in Großburgwedel nur am Barren und Balken eingesetzt. Dorothee Henzler, körperlich auch noch nicht hundertprozentig fit, geht nur an Sprung und Barren an den Start. Aus der Stammmannschaft, die vergangenes Jahr erst im Relegationswettkampf die 
2. Liga sicherte, sind nur Lisa Kie­daisch (Vierkampf) und Jessica Preuss (Sprung/Boden) problemlos durch die Vorbereitung gekommen.

Ergänzt wird der VfL durch die beiden Youngster Joanna Preuss (11) und Ersatzturnerin Lory Fröchtling (12), die ebenso ihre Premiere in der ersten Mannschaft geben wie Gastturnerin Antonia Alicke von der TG Böckingen. Die Vierkämpferin ist zwar auch erst elf, aber immerhin schon Mitglied im Bundeskader und damit regelmäßig Trainingskollegin der Kirchheimerinnen im Leistungszentrum Ruit. Das Jungtalent will sich beim VfL für höhere Aufgaben empfehlen, hat erst kürzlich den Sprung ins Erstligateam des MTV Stuttgart verpasst.

Wohin die Reise für den VfL in dieser Besetzung gehen wird, ist der verantwortlichen Trainerin bereits vor dem ersten Einsatz klar. „Wir werden wohl ziemlich weit hinten landen“, sagt Michaela Pohl mit entwaffnender Offenheit. „Die Konkurrenz ist zwar auch schwer einzuschätzen, aber unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt.“

Der Weg dahin ist weit – im übertragenen als auch im wahrsten Sinn des Wortes: 1 140 Kilometer Hin- und Rückweg stehen am Samstag für den VfL-Tross an. Mit dem Flieger geht‘s am Samstag noch vor 6 Uhr morgens nach Hannover, von dort mit dem Bus die restlichen 20 Kilometer nach Großburgwedel. Für die Heimreise am Samstagabend haben die Kirchheimer aus Kostengründen einen Mietwagen organisiert – so groß der Aufwand, so groß ist zusätzlich zum Lampen- auch das Reisefieber. „Gerade die Jüngeren sind schon richtig aufgeregt, vor allem wegen des Flugs“, verrät Michaela Pohl, für die der Wettkampf trotz der anstrengenden An- und Abreise eine willkommene Abwechslung darstellt.

Schließlich laufen bei ihr als Leiterin der VfL-Turngeschäftsstelle derzeit alle Fäden im Zusammenhang mit dem Umzug von der Konrad-Widerholt- in die Raunersporthalle an. Die ist bekanntlich für 3,3 Millionen Euro umgebaut worden und bietet den Kirchheimer Turnern zusammen mit Teck-Real- und Raunerschülern sowie zwei benachbarten Kindergärten eine neue Heimat. „Nach den Osterferien wollen wir komplett umgezogen sein“, so Pohl.

Bis dahin wird noch einige Male der Umzugslaster hin- und herfahren, da längst noch nicht alle Turn­utensilien aus der KW-Halle geräumt sind – aus gutem Grund: Die VfL-Männer bereiten sich dort auf ihren letzten Oberligawettkampf vor. Der steigt am kommenden Sonntag in Wangen und birgt nicht minder große Brisanz als der Saisonauftakt der Frauen – den Herren der Schöpfung winkt die Teilnahme am Aufstiegswettkampf zur Regionalliga.