Ex-Leichtathlet in Südafrika
Ricko Meckes: „Ich habe mir das Planen abgewöhnt“

Der ehemalige Speerwerfer aus Weilheim nimmt sich gerade eine Auszeit in Südafrika.

Happy am Ende der Welt: Ricko Meckes am Tafelberg in Südafrika. Foto: pr

Urlaub vom ich, Auszeit vom Alltag, Sabbatical – wenn man ihn fragt, was er momentan eigentlich macht, muss Ricko Meckes erstmal nachdenken. „Ich erfülle mir einen Traum“, sagt der 32-Jährige aus Weilheim, der in der Teckregion lange eines der Aushängeschilder der Leichtathletik war und seit knapp drei Jahren in Südafrika lebt.

Dort genießt er Land, Leute und das Leben, nachdem er zuvor in den USA seinen Master in Wirtschaft gemacht und sich im Network Marketing ein berufliches Standbein aufgebaut hatte. „Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich den Job gerade hinten anstellen kann“, sagt Meckes, der im Dress der LG Teck zur erweiterten deutschen Spitze im Speerwurf zählte – selbst dann, als er schon gar nicht mehr in Deutschland war. Nach dem studiumsbedingten Umzug nach Charlotte/North Carolina 2018, knackte Meckes bei seinem ersten Wettkampf in Übersee die 70-Meter-Marke und wurde College-Meister. „Ich hatte dort drei tolle Jahre“, denkt er gerne an die Zeit in den Staaten zurück, die vor knapp drei Jahren zugunsten von Südafrika zu Ende ging. „Ich war einfach neugierig, weil ich schon immer von dem Land fasziniert war.“

Zunächst noch auf drei-bis sechsmonatige Visa angewiesen, bemüht er sich aktuell um eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Da er deshalb das Land vorsichtshalber nicht verlassen will, verpasste er schweren Herzens auch ein großes Familienfest unter der fernen Limburg: Oma Gretl feierte am vergangenen Samstag ihren 85. Geburtstag. „Das tut mir wahnsinnig leid, zumal Weilheim immer meine Heimat sein wird“, sagt er, der ansonsten alle sechs Monate eine Stippvisite im Schwäbischen macht.

Ob er je wieder zum Speer greifen wird, ist dabei genauso unklar, wie sein weiterer Lebensweg. „Ich habe mir das Planen abgewöhnt“, lacht Meckes, der Kontakt, Umgang und Austausch mit Menschen höher schätzt als einen vorgefertigten Lebensentwurf. Zumal gerade sein sportlicher Werdegang von zu vielen Unwägbarkeiten geprägt war, als dass eine zielgerichtete Vorgehensweise möglich gewesen wäre. Bereits im Jugendalter musste der verletzungsanfällige Athlet zwei Knie-Operationen über sich ergehen lassen. Dass er trotzdem immer wieder den Weg, zurück auf die Tartanbahn schaffte, und dort erfolgreich war spricht für den unerschütterlichen Willen und Optimismus des Weilheimers. Auch nach dem bislang größten Rückschlag seiner Laufbahn hat Ricko Meckes den Leistungssport noch nicht abgeschrieben. Vor zweieinhalb Jahren riss er sich während eines Heimatbesuchs bei einem Wettkampf im Besigheim die Achillessehne – nicht beim Speerwerfen sondern beim Weitsprung. Die Folgen sind bis heute spürbar. „Außer Strandspaziergängen und Schwimmen ist Schonprogramm angesagt“, so Meckes, der ein Comeback trotzdem nicht ausschließen will. „Dafür liegt mir die Leichtathletik nach wie vor zu sehr am Herzen.“