Basketball 2. Liga
Ritter gewinnen Nerven-Krimi

Beim 105:98 nach Overtime in Koblenz drehen die Bozic Knights ein verloren geglaubtes Match und feiern den achten Sieg im neunten Spiel. 

Mit 33 Punkten bester Kirchheimer: Chuck Harris. Archivfoto: Nina Sander
Mit 33 Punkten bester Kirchheimer: Chuck Harris. Archivfoto: Nina Sander

Sechster Sieg in Folge, achter im neunten Spiel und das nach einer Partie, in dem die Knights lange wie der Verlierer aussahen. Beim 105:98 nach Overtime gegen die EPG Baskets Koblenz zeigen die Kirchheimer Korbjäger nach zwei katastrophalen ersten Vierteln ihr Kämpferherz, holen einen zwischenzeitlichen 21-Punkte-Rückstand auf und entledigen sich so nebenbei ihres Koblenz-Traumas – vor zwei Jahren hatten die Knights zwischen Rhein und Mosel verloren, nachdem sie zuvor wie dieses Jahr ihr Weihnachtsspiel in Göppingen gewonnen hatten. „In der Halbzeit war es ehrlich schwierig, noch an die Wende zu glauben“, gestand Kapitän Lucas Mayer, „aber das macht uns momentan aus, dass wir in solchen Situationen zurückkommen können.“

Begonnen hatte die Partie fahrig, erst nach mehr als 90 Sekunden fiel der erste Korb für Koblenz, nachdem beide Teams zuvor mehrfach verlegt hatten. In der Folgezeit gefielen die Gastgeber vor allem aus der Ferne (drei von fünf), während die Ritter in Person von Kapitän Lucas Mayer (fünf Punkte) auf Tuchfühlung blieben, sich gegen Ende des Viertels jedoch mit zehn Zählern im Hintertreffen sahen (11:21). Zu oft waren die Kirchheimer bis dahin an der Koblenzer Defensive hängen geblieben, agierten im Angriff zu fahrig und probierten es zu selten von außen. Nur zwei Dreierversuche standen nach den ersten zehn Minuten, die mit 19:28 zu Ende gingen, zu Buche. 

Wacher und konzentrierter dann der Start in den zweiten Durchgang, in dem die Knights dank je vier Spinoso- und Harris-Punkten zum 28:28 ausglichen und die Gastgeber erfolgreich vom eigenen Punkt fernhielten. Folge: Koblenz-Coach Stefan Dohrn tauschte mal eben die komplette Mannschaft aus. Mit Erfolg: Zwei Dreier von Garrett Hicks brachten die Baskets wieder ins Geschäft und zwangen Igor Perovic beim 30:36 zur Auszeit. Das Momentum blieb jedoch bei den Gastgebern, die angeführt vom energiegeladenen Calvin Wishart beim 41:30 auf elf und bis Viertelende auf 19 Punkte (58:39) enteilt waren. Den Rittern fehlte vor allem nach dem Fünfer-Wechsel der Gastgeber der Zug zum Korb und der Zugriff auf den zweiten Ball: Nur 14 Rebounds gelangen den Knights, während Koblenz 22 schaffte. Auch die Dreier-Quote war mit 14 Prozent (einer von sieben) unterdurchschnittlich.

Besser wurde dies zu Beginn des dritten Viertels, nachdem Chuck Harris zwei Fernwürfe in Folge verwandelt hatte und die Hoffnung der Knights am Leben hielt. Zumal die Gastgeber in dieser Phase in fünf Versuchen aus der Ferne erfolglos blieben, ehe Ex-Ritter Jonas Niedermanner den Dreier-Bann der Baskets knackte. Dennoch: Die Kirchheimer waren nun unter beiden Körben deutlich präsenter, hielten den zuvor heißgelaufenen Wishart in Schach und waren nach acht Punkten in Folge von Philipp Russell wieder auf drei Punkte dran. Der Anschluss wollte allerdings nicht gelingen, im Gegenteil: Plötzlich hatten die Gastgeber wieder Oberwasser und konterten die Kirchheimer Aufholjagd mit einem 13:2-Lauf zum 76:62 nach dem dritten Viertel. Bemerkenswert: Die zuvor gegen Bremerhaven so starken Tylan Pope und Tyrel Morgan waren mit zwei beziehungsweise null Punkten bis dahin unsichtbar.

Beide konnten auch im letzten Viertel zunächst keine Akzente setzen, dafür versuchten die Knights vor allem in Person von Chuck Harris, am Ende mit 33 Puntken auch bester Kirchheimer, die Wende zu erzwingen. In die Crunchtime starteten die Ritter mit minus 13, allerdings ohne Center Nick Spinoso, der nach seinem fünften Foul runtermusste. Hoffnung in einer von wenig Spielfluss geprägten Phase machte ein famoser Zwischenspurt, der beim 85:84 in der ersten Führung im Spiel überhaupt gipfelte. An Spannung kaum zu überbieten dann die letzten 120 Sekunden – Dreier Koblenz, Dreier Kirchheim, vergebene Freiwürfe Koblenz, verwandelter Freiwurf Kirchheim gefolgt von verwandelten Dreier und schon waren die Knights vier Punkte vorne, ehe Koblenz wieder ausglich und die Ritter bei 21 verbleibenden Sekunden den letzten Angriff hatten – ohne Erfolg, Overtime war angesagt.

Hier konnte sich bis zum 98:98 kein Team, absetzen, ehe Tyrel Morgan seine ersten beiden Freiwürfe verwandelte und Chuck Harris 14 Sekunden vor Ende den vorentscheidenden Dreier zum 103:98 traf.